Zur Bereitstellung der Microsoft- und WordPerfect-Software


Wie sicherlich allgemein bekannt ist, wurden zum Ende des vergangenen Jahres Landesverträge mit den Firmen Microsoft und WordPerfect über die kostengünstige Lieferung und Wartung von Software abgeschlossen. Diese Verträge sind nun einige Zeit wirksam, die Erfahrungen damit allerdings sehr zwiespältig. Ich kann mir gut vorstellen, daß sich bei einigen Anwendern (oder besser: verhinderten Anwendern) in unserem Haus ziemlicher Frust aufgebaut hat. Wir bedauern das sehr, aber ich kann versichern, daß das bei uns genauso ist!

Wie kommen die Probleme zustande? In beiden Landeslizenzverträgen ist jeweils ein Softwarehändler als unser Vertragspartner festgelegt. Für die Microsoft-Produkte ist das die Firma logiByte in Berlin, für WordPerfect die Firma Täubrich in Dresden. Bei diesen Firmen bestellen wir die gewünschten Artikel (CD, Disketten, Dokumentationen) und werden von dort beliefert. Oder auch nicht ... Die Hersteller sind damit zunächst aus dem Schneider. Die Lieferanten wiederum klagen darüber, daß sie von den Herstellern nur mangelhaft beliefert werden. Bei den Dokumentationen ist es noch komplizierter, da diese von einer externen Druckerei produziert werden, und zwar als printing on demand. Längere Wartezeiten sind da gut vorstellbar. Außerdem ist für uns der Eindruck entstanden, daß sowohl Microsoft Deutschland als auch WordPerfect Deutschland jeweils nur kleine Filialen der amerikanischen Mutterfirmen mit wenig Kompetenzen darstellen. Die Erfüllung der in Deutschland abgeschlossenen Lizenzverträge mit Bildungseinrichtungen wird von den USA aus mit sehr geringer Priorität betrieben, möglicherweise deshalb, weil damit kein großes Geschäft zu machen ist. Nur so ist erklärbar, warum bestimmte Produkte bereits wochenlang beim Softwarehändler ,,um die Ecke`` erhältlich sind, bevor wir sie offiziell geliefert bekommen.

Kurz und gut, der Zustand ist untragbar bis katastrophal. Vertreter aller sächsischen Hochschulen haben bereits mehrfach mit den Firmenbeauftragten diskutiert und Lösung der Probleme gefordert. Auch das Ministerium ist diesbezüglich aktiv geworden. Bis jetzt ist außer Versprechen und Hoffnung auf Besserung nichts herausgekommen. Leider haben wir aus juristischer Sicht keine allzu guten Karten, da die abgeschlossenen Lizenzverträge für uns zugegebenermaßen finanziell lukrativ sind, bezüglich der Einhaltung durch die Firmen aber wenig Angriffspunkte bieten. Es bleibt uns nur, weiter zu hoffen und aus den vorhandenen Möglichkeiten das Beste zu machen. Als kleiner Trost: die geschilderten Probleme sind kein sächsisches Problem, sondern treten bei allen Universitäten und Hochschulen bundesweit in gleicher Form auf, Ost und West machen da keinen Unterschied.


Dr. Wolfgang Riedel
Ltr. Gruppe Anwendungen