UP, UP AND AWAY?


Oder:
,,Was bringen die aktuellen Updates von WordPerfect und Word wirklich.``
die Red.

Wer die Update-Szene in der Textverarbeitung beobachtet, wird schnell feststellen, daß sich die Versionen in immer kürzerer Zeit ablösen. Als nächstes fällt auf, daß die Versionsnummern der führenden Textverarbeitungsprogramme seltsamerweise nahezu identisch sind und daß damit suggeriert wird: je höher desto besser. Besonders bemerkenswert ist das bei der neu angekündigten Word für Windows-Version. Da der Konkurrent WordPerfect mit der Version 6.0 auf den Markt gekommen ist, überspringt Microsoft schlicht drei Versionsnummern und bringt nach der Version 2.0b gleich 6.0. Soweit der Kampf um Marktanteile nach dem Prinzip höher, schneller, weiter.

Was nutzt das dem ,,normalen`` Anwender? Mit jeder neuen Version werden Sie mit neuen, meist seltenst benutzten Funktionen beglückt, die sowohl die Festplatten- als auch die RAM-Kapazität stark beanspruchen. Folge: ein Software-Update hat oft auch Konsequenzen für die eingesetzte Hardware. Die inzwischen überall bevorzugte grafische Benutzeroberfläche zum Beipiel stellt höhere Anforderungen an die Hardware als die zeichenorientierte, wenn die gleiche Verarbeitungsgeschwindigkeit erreicht werden soll. Zwar werden bei den DOS-Versionen als Minimal-Vorraussetzung noch ein 286er mit 640KB RAM und 20 MB Platte genannt, aber wer mit dieser Konfiguration schon einmal mit den neuen Versionen von WordPerfect und Word gearbeitet hat, weiß, daß die Arbeit dann eher zur Qual wird, da einerseits unproduktive Wartezeiten in Kauf genommen werden müssen, andererseits auch nicht alle Funktionen ausgeführt werden können, mit denen eben diese Programme ,,benutzerfreundlich`` werden. Ehe ein Update gemacht wird, sollten folgende Punkte beachtet werden:

An der Universität gibt es kaum Einzelarbeitsplätze, d.h. Arbeitsplätze, die nicht im Datenverbund zu anderen Mitarbeitern, Instituten, Verlagen, anderen Universitäten stehen. Aus diesem Grund ist die Unterteilung in Büroarbeitsplätze mit Sekretariatsaufgaben einerseits und wissenschaftlicher Textverarbeitung andererseits so einfach nicht vorzunehmen. Sekretärinnen müssen zum Teil auch wissenschaftliche Manuskripte bearbeiten, neben einfachen Briefen oder Serienbriefen auch Tabellen erstellen und je nach Fachbereich Sonderzeichen oder Formeln schreiben können. Was sie kaum brauchen werden ist ein Thesaurus, eine Grammatikprüfung oder eine integrierte Grafikfunktion und Tabellenkalkulation.

Bei wissenschaftlichen Arbeitsplätzen sind diese Funktionen schon eher erwünscht. Für das Erstellen professioneller Druckvorlagen sollten auch typografische Feinheiten zu bewerkstelligen sein, ebenso gute Export- und Importmöglichkeiten, da bei Sammelbänden Beiträge verschiedendsten Ursprungs integriert werden müssen. Diese kurze und unvollständige Auflistung soll verdeutlichen, daß jede Entscheidung sehr individuell getroffen werden muß. Fallen beispielsweise in einem Sekretariat ausschließlich ,,normale`` Büroarbeiten an, ist eine Textverarbeitung unter Windows, völlig überdimensioniert; sie gleicht der Anschaffung eines Porsche zum Semmelnholen beim Bäcker um die Ecke. Ist andererseits eine Textverarbeitung für die zu bewältigenden Arbeiten unterdimensioniert, entsteht ein hoher Verlust an Produktivität. Also: Programme sollten nach den Anforderungen und finanziellen Möglichkeiten ,,vor Ort`` ausgewählt werden. Welche Empfehlungen gibt das Rechenzentrum? Ein sehr gutes und ausgewogenes Universalprogramm ist WordPerfect 5.1. Es bietet einen Formeleditor, eine ausgezeichnete Tabellenfunktion und Sonderzeichen in großem Umfang, stellt keine besonderen Hardware-Anforderungen und ist auch mit einem 286er sehr zufriedenstellend zu bedienen. Handicap: eine relativ lange Einarbeitungsphase, da die Menüs nicht besonders logisch und übersichtlich strukturiert sind und die Arbeit mit dem Steuerzeichenbildschirm sehr gewöhnungsbedürftig ist. Die neue Version 6.0 unter Dos ist mit der gleichen Hardware-Ausstattung entschieden und störend langsamer. Die neu hinzugekommenen Funktionen sind nicht unbedingt erforderlich (siehe oben) und die renovierte Benutzeroberfläche verunsichert alteingefleischte WP-Benutzer, da in dieser Version der Arbeit mit der Maus gegenüber der Bearbeitung über Funktionstasten der Vorzug gegeben wurde. Auch Word bietet in der Dos-Version hohe Allround-Fähigkeiten, besitzt aber erst in der Version 6.0 eine Tabellenfunktion, die sich mit WordPerfect messen kann. Sonderzeichen sind jetzt auch leichter verfügbar als in den vorhergehenden Versionen, da - wie übrigens auch in der neuesten Version von WP - true-Type-Zeichensätze eingebunden werden können. Allerdings ist bei beiden Programmen zu bemängeln, daß die Zeichen im normalen Textverarbeitungsmodus nicht alle am Bildschirm zu sehen sind, sondern erst in der Druckvorschau. Ein Formeleditor fehlt in Word ganz.

Die Hardwareanforderungen sind nicht gestiegen, d.h., auch für die Arbeit mit der Version 6.0 reicht ein 286er, allerdings sollte die Festplatte für beide - WP und Word - mindestens 40 MB sein, d.h. auch für die Arbeit mit der Version 6.0 reicht ein 286er, allerdings sollte die Festplatte für beide - WP und Word - mindestens 40 MB sein, selbst wenn keine Voll-Installation gemacht wird. Die Windows-Versionen der beiden Programme setzen als erstes entschieden höhere Hardware-Anforderungen. Unter einem 386er (besser noch: 486er) mit 4 MB RAM und mindestens 60 MB Platte sollte eine Anschaffung besser nicht ins Auge gefaßt werden. Die verwendete Grafikkarte sollte eine Auflösung von 600x800 bei mindestens 70 Hz Bildwiederholfrequenz bieten, wenn auf einem 14'' Monitor gearbeitet wird. (Bei einem 17'' Monitor entsprechend eine Auflösung von 768x1024.) Wer die Arbeit mit Dokumentvorlagen bei Word schätzen gelernt hat, wird bei entsprechenden Hardwarevoraussetzungen Word für Windows dem WordPerfect für Windows sicher vorziehen. Zwischen dem Dos-Word und dem Windows-Word gibt es auch von der Bedienung her keinen Bruch, da Word auch in der Dos-Version schon stark mausorientiert ist. Einen Gewinn bringt die Windows-Version in Bezug auf Sonderzeichen, Formeln, Tabellen, automatischen Absatzformaten, Serienbriefen, Absatznumerierung, der Verarbeitung von Hoch- und Querformaten in einem Dokument sowie den Konvertierungsmöglichkeiten in andere Textformate. Für Manuskripte mit höheren Layout-Anforderungen fehlen allerdings Funktionen für die typografischen Feinheiten, so daß ein DTP-Programm nicht ersetzt werden kann. Für den ,,Hausgebrauch`` sind die gebotenen Möglichkeiten ausreichend. Zu der Windows-Version von WordPerfect läßt sich eigentlich das gleiche sagen wie zu der Version 6.0 unter Dos, da die beiden Versionen von der Philosophie und dem Leistungsumfang sehr ähnlich sind. Was bei der Windows-Version dazukommt ist eine gute Unterstützung der Windows-Zwischenablage und dem üblichen Textverarbeitungskomfort einer Windows-Textverarbeitung wie ,,Drag and Drop``, ܚberschreiben einer Markierung, Kopieren und Verschieben von Text mit der Maus, ein guter WYSIWYG-Eingabebildschirm.

Wann lohnt sich ein Umstieg auf Windows? Neben den oben erwähnten Verbesserungen gegenüber den Dos-Versionen ist ein Umstieg auf die Windows-Versionen sicherlich ins Auge zu fassen, wenn bereits andere Anwendungen unter Windows betrieben werden. Eine einheitliche Benutzeroberfläche erhöht sicherlich die Produktivität - unter anderem auch dadurch, daß sich durch die Wiedererkennungseffekte Einarbeitszeiten verkürzen. Der Datenaustausch zwischen Programmen ist über die Zwischenablage sehr erleichtert; ein Drucker, der allen Anwendungen zur Verfügung steht, macht die Jagd nach einem passenden Druckertreiber für jede einzelne Anwendung überflüssig. Schriften, die einmal installiert werden, stehen allen Anwendungen zur Verfügung. Die Unterstützung von True-Type-Schriften bietet die Möglichkeiten, auch auf Nadeldruckern und Tintenstrahldruckern ansehnliche Druckerzeugnisse zu produzieren, da grundsätzlich 2 Proportionalschriften (Arial und New Times Roman), eine nicht proportionale Schrift (Courier New), ein Symbolzeichensatz (Symbol) und ein Sonderzeichensatz (Wingdings) zur Verfügung stehen.

Ein Umstieg auf Windows ist nicht notwendigerweise an die Anschaffung eines neuen Monitors gebunden, denn auch mit einem 14" Monitor lassen sich die meisten Aufgaben gut bewältigen. Daß sich ganz allmählich ein neuer Standard bei 15" oder gar 17" anbahnt, hat nichts mit Notwendigkeiten, sondern eher mit Marktstrategien der Hardware-Anbieter zu tun.

Anmerkung der Redaktion: Dieser Artikel wurde mit freundlicher Genehmigung der Autorin Heide Peper-Ludwig von der Universität Freiburg veröffentlicht.