Das neue Netz
Lange hat es auf sich warten lassen, aber seit einigen Monaten sind die
Bauarbeiten nicht zu übersehen.
Das Netzprojekt der TU Chemnitz-Zwickau ist eine Baumaßnahme, die vom
Staatshochbauamt durchzuführen ist. Vom Staatshochbauamt wurde das
Ingenieurbüro "Zeiger & Partner telecom GmbH"
mit der Planung und Überwachung
beauftragt. Unsere Aufgabe war es, die Nutzeranforderungen zu formulieren und
natürlich eng mit dem Ingenieurbüro zusammenzuarbeiten. Das Gesamtprojekt
wurde in Bauabschnitte unterteilt, die einzeln ausgeschrieben wurden bzw. noch
werden.
Der erste Bauabschnitt beinhaltete die Glasfaserverbindung zwischen
den Standorten und wurde bereits realisiert.
Der zweite Bauabschnitt umfaßt die passive Verkabelung des
Weinholdbaus. Das umfaßt alle Kabelwege im Haus, die Kupferkabel auf den
Etagen zwischen Etagenknoten und Datendosen, die Etagenknoten (Schrank und
Patchfelder), die Glasfaserverbindungen zwischen den Etagen- und Gebäudeknoten
und die Gebäudeknoten selbst.
Der dritte Bauabschnitt beinhaltet die passiven Komponenten für das Objekt
Straße der Nationen und der vierte Bauabschnitt die aktiven Komponeten.
Weitere Bauabschnitte sind kurz vor der Ausschreibung bzw. in Planung.
Die passive Verkabelung, als strukturierte Verkabelung ausgeführt, ist als eine
Infrastrukturmaßnahme anzusehen, d.h. die Nutzungsdauer wird sich über viele
Jahre erstrecken. Die physikalischen Eigenschaften gestatten auch höhere
Geschwindigkeiten.
Heute
wollen wir einige Informationen zu den aktiven Komponenten des zukünftigen
Netzes geben.
Bei der Ausschreibung der aktiven Komponenten hatten wir die Zielstellung, ein
Netz zu erreichen, daß
die Bandbreitenskalierung bis in die Etage ermöglicht,
das flexibel in der Bildung von Workgroups ist, das möglichst viele
Arbeitsplatzsysteme dediziert mit 10 MBIT/s anschließbar sind und das das
Gesamtsystem flexibel managebar ist.
Eine flexible Bandbreitenskalierung ist heute nur mit ATM erreichbar.
Ein Problem beim heutigen Einsatz von ATM ist der Stand der Standardisierung.
Da wir im Backbone-Bereich jedoch eine Beschränkung auf das IP-Protokoll betreiben,
können wir uns auf dem bereits verabschiedeten Standard IP over ATM abstützen.
Den von uns aufgestellten Forderungen und dem finanziellen Rahmen kam das
Angebot der Firma Telemation am nächsten.
Aufgrund dieses Angebotes ergibt sich folgende
Netzwerkstruktur und es
kommen folgende Komponenten zum Einsatz:
Die Backbone-Verbindung zwischen den beiden großen Standorten wird also im
Endausbau mit ATM
und einer Bandbreite von 622 MBIT/s ausgeführt. Diese Verbindung wird durch den
L2080 in den Hauptgebäudeknoten realisiert. An diesen ATM-Switch werden mit
155MBIT/s Interfaces je ein C7000-Router mit ATM und FDDI angeschlossen. Diese
Router fungieren als VLAN-Server, d.h. sie müssen die Informationen verwalten,
über welche Wege die Endsysteme miteinander kommunizieren können.
Außerdem
müssen diese Geräte die Verbindung zwischen dem FDDI-
und dem ATM-Backbone herstellen.
Die Catalyst 5000 Systeme sind sowohl im Gebäudeknoten als auch in einigen
Etagenknoten vertreten und sind ebenfalls direkt mit 155 MBIT/s ATM mit den
Backbone-Switches verbunden. Die C5000 in den Gebäudeknoten versorgen die
Etagenknoten mit geringen Anschaltzahlen, die mit Repeatertechnik ausgestattet
sind. Im Weinholdbau z.B. sind ca. 15 der 18 Etagenknoten mit C5000 ausgestattet,
d.h. jeder Port bietet dediziert 10MBit/s. Die 24 bis 72 Endsysteme sind mit einer
Bandbreite von 155MBIT/s mit dem Backbone verbunden. Die Bildung virtueller LANs
(bei uns i.allg. ein IP-Subnetz) kann über Gerätegrenzen hinaus realisiert
werden. Die Subnetze untereinander müssen natürlich geroutet werden. Der C5000
wird selbst über diese Fähigkeit verfügen, allerdings ist die erforderliche
Software erst ab 6/96 vorhanden. Bis zu diesem Zeitpunkt muß das Routing in den
C7000 Systemen erfolgen.
Auch die Gebäudeverbindung wird erst ab 6/96 auf 622 MBIT/s ausgebaut. Bis dahin
kommen 155 MBIT/s Interfaces zum Einsatz.
Die Lieferung und Inbetriebnahme der Geräte wird voraussichlich in den Monaten
Februar bis Juli 1996 erfolgen.
Günther Fischer ,
Dr. Ludwig Wolf , 21.11.1995