Windows 95 - erste Nutzungserfahrungen
Nach langer Ankündigungsphase ist im August dieses Jahres das neue Microsoft-Betriebssystem Windows 95 auf den Markt gekommen. Auf der einen Seite von der Werbung stark angepriesen, andererseits auch von vielen Seiten als Unsinn abgetan, stellt sich die Frage, für wen der Einsatz bzw. Umstieg auf dieses System möglich und sinnvoll ist.
Hardwarevoraussetzungen
Wie fast jede neue Software stellt auch Windows 95 im Vergleich zu vorherigen Versionen (DOS + Windows 3.x) größere Anforderungen an die Hardware des Computers.
Vom Hersteller wird für die Ausführung von Windows 95 ein 80386 Prozessor und 2 MB Hauptspeicher gefordert. Wird Windows 95 auf einem solchen System installiert, ist ein vernünftiges Arbeiten jedoch kaum möglich.
Eine sinnvolle Mindestanforderung an die Hardware ist unserer Meinung nach ein 80486 Prozessor mit 40 MHz getaktet und wenigstens 4 MB Hauptspeicher. Dazu kommt ein nicht unerheblicher Bedarf an freiem Festplattenplatz, der notwendig ist, um das System zu installieren.
Um wirklich flüssig unter Windows 95 arbeiten zu können, sollte man jedoch über einen 80486 Prozessor mit 66 MHz Taktfrequenz und 8 MB Hauptspeicher verfügen. Sollen dann auch noch die neuen Versionen der Microsoft Office Programme installiert werden, so benötigt man mindestens 200 MB Festplattenplatz.
Software unter Windows 95
Wie zu erwarten war, trifft die Aussage von Microsoft, daß jede Software, die unter einer alten Windows-Version lief, auch unter Windows 95 läuft, nicht zu. Besonders anfällig sind Netzwerk- und Grafikprogramme. Wer also auf den Einsatz bestimmter Programme angewiesen ist, sollte vorher prüfen, ob diese auch wirklich unter Windows 95 funktionieren. Ein Geschwindigkeitsvorteil ist sowieso meistens erst durch den Einsatz einer neuen 32-Bit-Version zu erzielen.
Besonders kritisch ist der Einsatz von Disk-Optimierungstools auf der Festplatte (z.B. Norton Utilities, PC Tools usw.), die nicht speziell für Windows 95 entwickelt wurden. Die älteren Tools scheitern im allgemeinen an den langen Dateinamen, die unter Windwos 95 zulässig sind und führen somit ggf. zu Datenverlusten.
Andererseits könnte gerade die Software in Zukunft zu einem Grund werden, auf Windows 95 umsteigen zu müssen. Es zeichnet sich ab, daß neue Versionen von Softwareprodukten nicht mehr für die alte Windows-Version verfügbar sein werden.
So existiert z.B. schon die neue Office 95 Version von Microsoft, die einige Verbesserungen der Teilprogramme enthält.
Ein Ausweg aus dem Dilemma, daß bestimmte Programme unter Windows 95 nicht funktionieren, ist unter Umständen die parallele Installation des neuen Systems zum alten DOS und Windows. Somit bleibt die alte Arbeitsumgebung für die kritischen Programme erhalten. Auf Dauer kann das aber keine Lösung sein, schon durch den großen Speicherplatzbedarf. Dann bleibt nur die Hoffnung auf eine neue Version oder ein Ausweichprodukt bzw. der vorläufige Verzicht auf Windwos 95.
Windows 95, MS Plus, Office 95 und andere Programme sind Bestandteil des Microsoft Select-Vertrages und somit über das Rechenzentrum kostengünstig zu beziehen.
Netzeinbindung
Die Unterstützung der Netzeinbindung ist einer der Vorteile von Windows 95. Damit ist eine gute Anbindung an das Novell-Netz und der grundlegende Zugang zum Internet gewährleistet. Ebenfalls enthalten ist ein BTX-Decoder, der jedoch nur mit einer ISDN-Karte funktioniert.
Der Netzzugang kann dann wahlweise über Modem oder Netzkarte erfolgen. Windows 95 versucht auf Wunsch des Nutzers, die Netzwerkkarte zu bestimmen. Das kann u.U. zu Fehldeutungen führen - das Netzwerk ist nicht erreichbar. In einem solchen Fall ist die Konfiguration zu überprüfen und eventuell manuell zu ändern. Wurde die Hardware jedoch einmal korrekt installiert, können durch die Auswahl von "Protokollen", "Clienten" und "Diensten" Netzwerkressourcen unkompliziert eingebunden werden. Nachdem man sich an einem Novell-Server angemeldet hat, stehen ebenfalls alle diesem Server bekannten Drucker zu Verfügung. Die Freigabe von lokalen Druckern und Laufwerken sollte vermieden werden, da ihre Ressourcen je nach konkreter Konfiguration im gesamten oder in Teilen des Campusnetzes sichtbar und angreifbar werden!
Nach der Installation des MS Plus Paketes ist auch der Zugang zum Internet relativ problemlos. Microsoft liefert einen eigenen WWW-Browser mit (vergleichbar mit Netscape), es können aber auch andere Produkte eingesetzt werden, die auf die Winsockets aufsetzen. Weiterhin sind ein Telnet- und ein FTP-Tool vorhanden.
Der Zugang zu Druckern, die über Internet erreichbar sind, ist prinzipiell möglich. Dafür existieren verschiedene Public Domain- bzw. Shareware Tools. Leider kann der Druck derzeit noch nicht auf URZ-Druckern erfolgen, da keine Authentifizierung erfolgt und somit eine Abrechnung der Druckjobs unmöglich ist. An diesem Problem wird gearbeitet.
Zwei weitere Punkte sind der Einsatz von NFS und die X Windows-Emulation. Beides ist nicht Bestandteil von Windwos 95. Um diese Funktionen zu realisieren, müssen Produkte anderer Hersteller dazugekauft werden.
Zusammenfassung
Ob ein (sofortiger) Umstieg auf Windows 95 sinnvoll ist, hängt maßgeblich von der zur Verfügung stehenden Hardwarebasis und den auszuführenden Anwendungen ab.
Mit Sicherheit ist Windows 95 nicht die Lösung aller Probleme, die unter der alten Version sichtbar wurden und auch die berühmte Sanduhr bleibt ein ständiger Begleiter. Auf längere Sicht wird man jedoch schon durch die Verfügbarkeit von neuen Softwareprodukten früher oder später zum Umstieg gezwungen werden.
Hier findet man
aktuelle Tips und Hinweise
(zur Installation).
Jens Wagner,
Gruppe Anwendungen