Umstellung der Unix-HOME-Verzeichnisse im URZ

Mit diesem Thema wurden in den ersten Monaten dieses Jahres alle Nutzer des URZ konfrontiert. Dieser Bericht soll nun eine Einschätzung dieser Aktion darstellen.
Als im Herbst 1993 das URZ einen Workstation-Pool in der Reichenhainer Straße einrichtete, stand u.a. das Problem des Zugriffs auf Daten in HOME-Verzeichnissen, die in der Straße der Nationen gehalten wurden. Also mußte eine stabile und leistungsfähige Netzverbindung her. Zwei 64KBit-Telefonleitungen konnten zwar als stabil, jedoch als zu langsam eingeschätzt werden. Der 10MBit-Laser-Link zwischen beiden Uni-Teilen war zwar wesentlich leistungsfähiger, mußte aber nach kurzer Zeit als instabil eingeschätzt werden, weil wetterabhängig und ...
Daraus schlußfolgernd wurde der Entschluß gefaßt, getrennte HOME-Verzeichnisse einzurichten. Somit hatte jeder Nutzer des URZ zwei HOME-Verzeichnisse verfügbar, je nachdem, ob er in der Reichenhainer Straße oder in der Straße der Nationen angemeldet war. Konsequenzen hatte dies nicht nur für HOME-Verzeichnisse (größerer Speicherplatzbedarf, ... ), sondern auch für Mailboxen, den /uni/global-Dienst usw. Obwohl uns die Probleme einer solchen Technologie und auch der Aufwand einer Umkehrung schon damals bewußt waren, war dieser Schritt richtig.
Mit der Installation eines FDDI-Ringes in den letzten Tagen des Jahres 1994 war nun für das Rechenzentrum die Notwendigkeit der Umstellung auf ein HOME-Verzeichnis je Nutzer geboten.

Uns war klar, daß dies bei ca. 2000 eingetragenen Nutzern keine Kleinigkeit sein würde. Probleme waren unter anderem:

  1. Kann diese Aktion vom URZ (ohne Einbeziehung der Nutzer) realisiert werden?
  2. Ist genügend Speicherplatz verfügbar?
  3. Wie können drei HOME-Verzeichnisse (neues HOME-Verzeichnis, zwei ,,alte`` HOME-Verzeichnisse) gleichzeitig verfügbar gemacht werden?
  4. Sind alle Nutzer in der Lage, die Umstellung selbständig vorzunehmen?
  5. usw.

Grundsätzlich wurden folgende Prämissen gesetzt:

a)
Das Zusammenspielen von zwei HOME-Verzeichnissen in ein drittes muß jeder Nutzer selbst realisieren (gleiche File-/Verzeichnisnamen, Löschen nicht mehr benötigter Files, ... )
b)
Die Umstellung muß zeitlich gestaffelt vonstatten gehen.
c)
Umfassende Information der Nutzer zu Anliegen und Umsetzung über Aushänge, WWW, Mail, ...

In Vorbereitung der Umstellung wurde mittels NIS (,,YP``), amd (Automounter) und Shell-Startup-Scripts eine Technologie geschaffen, daß beim Anmelden eines ,,umgestellten`` Nutzers über Variablen sowohl auf das neue als auch die beiden ,,alten`` HOME-Verzeichnisse zugegriffen werden kann.
Daß u.U. die Benachrichtigung per e-mail den Adressaten nicht erreicht (falsche Mail-Adresse, Mail wird nicht gelesen, ... ), wurde gelöst, indem in jedes HOME-Verzeichnis ein File ,,LIES_MICH`` gestellt wurde, und dieses zusätzlich beim Login über die Shell-Startup-Scripts auf dem Terminal angezeigt wird. (Dieser Mechanismus soll auch in Zukunft beibehalten werden und ermöglicht eine alternative Informationsübermittlung. Allerdings funktioniert dieser nur mit den standardmäßigen Shell-Startup-Scripts des URZ!)

Begonnen wurde die Umstellung im eigenen Hause, also mit den URZ-Mitarbeitern, allerdings ohne technologische Unterstützung.
Die ersten technologisch unterstützten Umstellungen wurden dann (bewußt) mit mehreren Gruppen von Informatikstudenten durchgeführt, mit dem Ziel Schwachpunkte bzw. Fehler aufzudecken. Dabei wurde u.a. das Problem bemerkt, daß WWW-Informationen in ,,alten`` HOME-Verzeichnissen nicht mehr adressierbar waren. Infolgedessen wurden die Verzeichnisse ,,public_html`` bei Umstellungen automatisch durch das URZ kopiert.
Für Nutzer die nicht mit /bin/csh arbeiten, konnten die ,,alten`` HOME-Verzeichnisse nicht per Startup-Script verfügbar gemacht werden (explizit war NIS-Anwendung notwendig).
Später auftretende Einzelprobleme waren u.a. das Ignorieren sowohl von Mail-Benachrichtigung als auch der LIES_MICH-Anzeige beim Anmelden (!!!). Ein ganz Schneller las gar nur die Überschrift sowie die Variablennamen und begann sofort mit seiner ,,Umstellung``, mit dem Ergebnis dreier leerer HOME-Verzeichnisse ... (Das Backup-System konnte helfen.)

Nach dem vorläufigen Abschluß der Umstellung der letzten Nutzergruppe kann die Aktion als ,,positiv`` eingeschätzt werden.
Offene Dinge sind für das URZ nun noch einige wenige HOME-Verzeichnisse, deren Eigentümer bis jetzt nicht angemeldet waren (z.B. wegen Praktikum). (Die HOME-Verzeichnisse dieser Nutzer werden weiterhin erhalten bleiben.)

Zu den positiven Effekten zählen folgende Dinge:

Noch eine Bemerkung zum verfügbaren Speicherplatz für HOME-Verzeichnisse. Eine Begrenzung ist notwendig, momentan 20 MByte je HOME-Verzeichnis. Das ,,auf-die-Finger-klopfen`` haben einige (wenige) schon bemerkt. Bei begründetem Bedarf ist eine Aufstockung des Limits möglich, künftig allerdings nicht mehr direkt über das HOME-Verzeichnis oder über ein Projektfilesystem (dies ist technologisch zu aufwendig). Die Alternative wird AFS (,,Andrew File System``) sein, ein weltweit einheitlicher Namensraum, das Nachteile/Grenzen sowohl des NFS als auch des Unix (im AFS sind spezifischere Zugriffsrechte und nutzergesteuerte Gruppenbildungen möglich) beseitigt und schnellere Zugriffe auf Daten ermöglicht.

Der Abschluß der Umstellung der HOME-Verzeichnisse wird nun der Startpunkt für eine weitere Umstellung sein, die Mailboxen. Diese Aktion ist im Mai vorgesehen, allerdings ohne aktive Mitwirkung der Nutzer des URZ. Ziel dieser Mailbox-Umstellung ist, daß ein Nutzer mit Mailbox im URZ diese von jedem URZ-Rechner lesen kann. Weiterhin wird damit eine Effektivierung der Mailversorgung an sich bezweckt, vor allem im Hinblick auf viele PC-Nutzer.

Abschließend mein Dank an alle Nutzer des URZ für das Verständnis wie auch die Mitarbeit bei der Umstellung, ebenfalls an die Mitarbeiter des URZ, besonders die Dispatcher.


Christoph Ziegler, Gruppe System