Nach mehr als zwei Jahren ist es sicher angebracht, die Entwicklung der Nutzung aus Sicht des Betreibers zu beleuchten und aus den gesammelten Erfahrungen Konsequenzen für den zukünftigen Einsatz solcher CIP-Ausbildungspools abzuleiten.
Ausgangspunkt war der Vorschlag des URZ, CIP-Pools allen (interessierten) Fakultäten für die studentische Ausbildung bereitzustellen und die dafür notwendigen Aufwendungen für Beschaffung, Installation, Betrieb und Betreuung zu übernehmen. Außerdem sollte damit eine Verfügungskapaziät insbesondere für kurzfristig entstehende Bedürfnisse geschaffen werden, die mit den in den dezentralen Struktureinheiten zur Verfügung stehenden Rechnersystemen nicht abgedeckt werden kann.
Als Plattform wurden letztlich farbgrafikfähige SPARCstation 2 Systeme unter Solaris 2 ausgewählt, weil hier das Preis-/ Leistungsverhältnis insbesondere im Hinblick auf einen Einsatzzeitraum von wenigstens 5 Jahren tragfähiger erschien als zum Beispiel die damals hauptsächlich eingesetzte PC-Architektur.
Wie hat sich nun die Nutzung seit der Pool-Inbetriebnahme entwickelt?
Den Pool können praktisch alle Studenten (und Mitarbeiter) der Universität nutzen. Voraussetzung ist lediglich ein UNIX-Nutzerkennzeichen im URZ sowie eine Magnetkarte für den Pool-Zugang über das automatische Türzugangssystem. Diese Anmeldung erfolgt im Nutzerservice, ebenso die Erstberatung der Nutzer, die noch keine oder wenig Erfahrungen bei der Nutzung der Systeme haben. In diesem Zusammenhang sei erwähnt, daß geplant ist, in Kürze die Öffnungszeiten des Nutzerservice in der Reichenhainer Straße erheblich zu erweitern (Mo, Di, Do, Fr bis 18.00 Uhr).
Ursprünglich wurde der Beschaffungsantrag (nur) gestützt durch die Fakultäten Mathematik und Chemie, die in der Hauptsache den Bedarf begründeten. Insofern bestanden einige Befürchtungen, daß der Pool (obwohl sich die insgesamt 22 Workstations auf 2 Räume verteilen, handelt es sich "logisch" um einen CIP-Pool) nur von relativ wenigen Studenten und Mitarbeitern genutzt würde.
Die folgende Übersicht zeigt jedoch, daß sich die Anzahl der Nutzer, die (mehr oder weniger) regelmäßig im Workstation-Pool arbeiten, seitdem ständig erweitert hat und zu bestimmten Zeiten die Kapazitätsgrenzen überschreitet. (Schwankungen zwischen einzelnen Monaten sind bedingt durch Semesterferien, Feiertage usw.)
Anzahl der Pool-Nutzer im Monat
Jan Feb Mar Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez
1994: 276 349 406 447 497 494 422 321 409 543 538 543
1995: 619 558 638 692 681 669 620 558 585 800 839 731
1996: 825 777 832 881 859
Besonders erfreulich ist, daß der Pool mittlerweile von Nutzern
aller Fakultäten angenommen worden ist, wie folgende Tabelle
verdeutlicht:
Aufteilung der Pool-Nutzer (April 1996)
Fakultät / Einrichtung Anzahl der Nutzer
gesamt Studenten Mitarbeiter
Fakultät für Elektrotechnik und Informationstechnik 258 217 41
Fakultät für Informatik 132 124 8
Fakultät für Wirtschaftswissenschaften 131 130 1
Fakultät für Maschinenbau und Verfahrenstechnik 117 108 9
Philosophische Fakultät 77 71 6
Fakultät für Mathematik 48 41 7
Fakultät für Naturwissenschaften
Institut für Physik 38 30 8
Institut für Chemie 4 4 0
Universitätsbibliothek 1 0 1
Universitätsrechenzentrum 45 21 (a) 24
andere Bildungseinrichtungen (insgesamt 20) 30 27 3
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Summe 881 773 108
(a) Teilnehmer von URZ-Weiterbildungskursen
Die größten Zuwachsraten im letzten Jahr verzeichnen die Fakultät für
Wirtschaftswissenschaften und die Philosophische Fakultät:
Anzahl der Pool-Nutzer
Fakultät für Wirtschaftswissenschaften Philosophische Fakultät
gesamt Studenten Mitarbeiter gesamt Studenten Mitarbeiter
Jan 95 32 31 1 31 18 13
Feb 95 44 43 1 25 21 4
Mar 95 36 35 1 27 16 11
Apr 95 53 53 0 26 18 8
May 95 63 63 0 30 21 9
Jun 95 60 59 1 30 23 7
Jul 95 59 59 0 24 20 4
Aug 95 43 43 0 27 20 7
Sep 95 52 51 1 29 22 7
Oct 95 89 89 0 46 41 5
Nov 95 99 98 1 65 60 5
Dec 95 87 87 0 58 55 3
Jan 96 106 106 0 71 66 5
Feb 96 101 100 1 69 64 5
Mar 96 103 101 2 57 54 3
Apr 96 131 130 1 77 71 6
Mai 96 122 120 2 82 73 9
Weitere Daten, wie die
lokalen und remoten Anmeldungszeiten sowie die Anzahl der Anmeldungen
werden monatlich aufgezeichnet und
statistisch aufbereitet.
Obwohl die Sitzungszeiten für die Nutzung eines Pools sicher nur bedingt aussagekräftig sind, wird hier die Entwicklung der Ressourcenauslastung deutlich:
Genutzt wird der Pool für Praktika und Weiterbildungs-Kurse, häufig aber auch im Rahmen von Diplom- und Projektarbeiten. Im allgemeinen erfolgt keine Planung von Nutzungszeiten, sieht man einmal von einzelnen Veranstaltungen ab (u.a. Tage der offenen Tür, Schnupperstudium, spezielle Seminare). Fast immer konnte sich in der Vergangenheit ein Nutzer darauf verlassen, einen freien Arbeitsplatz vorzufinden. Zunehmend gibt es allerdings "Staus" vor den Poolräumen und es ist zu befürchten, daß dies in Zukunft dauerhaft der Fall sein wird, wenn nicht eine Erweiterung der Pool-Kapazitäten vorgenommen wird. Besonders ärgerlich ist es, wenn in solchen Situationen Nutzer ihren Arbeitsplatz für längere Zeit ( > 15 Minuten) verlassen und den Monitor mittels xlock sperren. Derartige "Reservierungsversuche" werden automatisch protokolliert und führen dann zu Eingriffen der Poolbetreuer (bis hin zum Abbruch der Sitzung und der damit verbundenen Prozesse), wenn sonst keine freien Arbeitsplätze mehr vorhanden sind. Seitens nicht weniger Studenten gibt es immer wieder das Bedürfnis, nach Schließung der Pool-Räume (wochentags: 21.45 Uhr, Samstags: 13.30 Uhr) weiterzuarbeiten, die Hausordnung läßt dies jedoch leider nicht zu. Nutzungsreserven bestehen noch am "frühen Vormittag" ab 6.15 Uhr, für Studenten scheint das wohl aber weniger attraktiv zu sein.
Interessant ist in diesem Zusammenhang das Verhältnis zwischen lokaler und remoter Nutzung der Pool-Rechner: der Anteil der remoten Nutzungszeiten betrug in den letzten Monaten etwa 25 % der Gesamtnutzungszeit. Die Anmeldung mittels telnet bzw. rlogin ist durchaus erwünscht, werden doch auf diese Weise praktisch zusätzliche virtuelle Rechnerarbeitsplätze geschaffen. Allerdings müssen dabei für den in dieser Zeit lokal angemeldeten Nutzer vernünftige Antwortzeiten gewährleistet sein. Das ist i.a. dann nicht mehr der Fall, wenn die Last auf der Maschine ein bestimmtes Maß überschreitet, d.h. der load-Wert (siehe uptime(1), w(1)) mehr oder weniger über 1 steigt. Seit einiger Zeit wird das Lastverhalten auf den Pool-Maschinen zyklisch analysiert und aufgezeichnet. Werden über einen relevanten Zeitraum kritische Lastwerte festgestellt, so wird der entfernt arbeitende Nutzer aufgefordert, seine Aktivitäten an der Pool-Maschine zu drosseln bzw. aufzugeben. Die bisherigen Erfahrungen zeigen, daß die Last meist durch entfernte netscape-Sitzungen verursacht wird.
Insgesamt kann aus Sicht des Betreibers eingeschätzt werden, daß es in Anbetracht der stark gestiegenen Nutzeranzahl kaum Probleme gibt, da sich die Nutzer diszipliniert und rücksichtsvoll verhalten, was letztlich im Interesse aller ist.
Welche Bedeutung haben nun ausgehend von den bisherigen Nutzungs- und Betriebserfahrungen zukünftig CIP-Pools, die uniweit zur Verfügung gestellt und zentral durch das URZ betrieben werden?
Zunächst kann eingeschätzt werden, daß durch uniweit bereitgestellte CIP-Pools ein viel breiterer Nutzerkreis bedient werden kann als das mit dezentralen installierten Pools möglich ist. (Die obigen Zahlen sprechen für sich.) Dezentrale Pools hingegen werden teilweise nicht einmal allen Studenten der betreffenden Fakultät zur Verfügung gestellt. Andererseits können CIP-Pools über HBFG-Verfahren nur beschafft werden, wenn die Beschaffungskosten über der sogenannten Bagatellgrenze (z.Z. 150.000,00 DM) liegen. In Anbetracht der reduzierten Mittelbereitstellung in den letzten Jahren - eine Trendwende ist nicht in Sicht - sind sicher nicht alle Einzelanträge aus den Fakultäten für Neu- bzw. Ersatzbeschaffungen auf diesem Wege realisierbar. Nicht nur aus diesem Grund kann es sinnvoll sein, die Kapazitätsanforderungen mehrerer Fakultäten zusammenzufassen und daraus ein HBFG-Antragsverfahren abzuleiten. Nicht zu unterschätzen sind nämlich die personellen Aufwendungen für die Planung, Installation und Betreuung eines Pools.
Als Nachteil zentraler Pools wird manchmal angesehen, daß hierbei unterschiedliche Anforderungen hinsichtlich Anwendungs-Software, Betriebssystem-Plattform und Hardware-Parameter nicht in vollem Maße realisierbar seien. Das trifft in gewisser Weise auch auf den zentralen Workstation-Pool (Solaris, SPARC) zu. Ein Ausweg besteht darin, auf den Pool-Rechnern mehrere Betriebssysteme (und damit Anwendungs-"Welten") anzubieten. Die Fakultät für Mathematik hat diesen Weg erfolgreich praktiziert: Linux, DOS und NeXTstep stehen dort dem Nutzer zu Beginn einer Sitzung zur Auswahl. Ein solcher Ansatz ist auch deshalb sinnvoll, weil sich das Preis-/Leistungsverhältnis bei der PC-Hardware gegenüber den RISC-Workstations mittlerweile günstiger gestaltet als vor einigen Jahren.
Fazit: Uniweit bereitgestellte Pools sind sicher kein Allheilmittel, aber eine tragfähige Alternative zu dezentralen Installationen. Das URZ jedenfalls ist bereit, die Aufwendungen für die Planung, Installation und den Betrieb eines weiteren PC-Workstation-Pools im Campusteil Reichenhainer Straße zu übernehmen und die bisher gesammelten Erfahrungen und Infrastruktur (z.B. Nutzerservice) einzubringen.