Ein neuer Server für www.tu-chemnitz.de

Der vom URZ für die TU betriebene World Wide Web Service gehört zweifellos zu den gefragtesten Diensten im Netz. Folgende Statistik belegt die ungebremst wachsenden Zugriffszahlen auf den WWW-Server www.tu-chemnitz.de:

Durchschnittliche Zahl der Zugriffe pro Tag:

         Jan    Mar    Mai    Jul    Sep    Nov  

1994:                 5676   5639   7450  13405

1995:  20660  28299  31968  33526  43030  50037

1996:  57075  61234  72559
Als Server-Software ist seit geraumer Zeit der CERN httpd 3.0 im Einsatz. Er erfüllt seine Aufgabe zwar wacker, kommt aber nun an die Grenze seiner Leistungsfähigkeit. Das bemerkt man als Nutzer an manchmal etwas langen Antwortzeiten, mitunter kommt es auch zu Aussetzern. Zudem sind moderne und wünschenswerte Fähigkeiten nicht verfügbar, da keine Weiterentwicklung erfolgt.

Also gut, ein neue Server-Software muß her. Diese muß sich zuallererst gut an unsere Gegebenheiten anpassen lassen, denn der WWW-Nutzer darf keine Änderungen mitbekommen - außer "schneller und besser". Der Server sollte sicher und stabil arbeiten, moderne Features enthalten und weiterentwickelt werden. Natürlich spielen auch Faktoren wie Kosten und Support eine Rolle. Unsere Autoren sollen neue Möglichkeiten erhalten, ohne daß sich Bewährtes ändert. Nicht ganz unwesentliche Randbedingungen: Der Server soll weiter unter Solaris betrieben werden und muß auch in unserer AFS/NFS Umgebung leben können.

Wir blickten unter diesen Voraussetzungen auf den WWW-Server-Markt und faßten Kandidaten ins Auge. Wir testeten Spinner, einen modularen und schnellen WWW-Server für Unix, der interessante Features bietet, wie komfortable Konfiguration und Spezial-Tags im HTML. So wird z.B. <accessed>; durch die aktuelle Zugriffszahl ersetzt. Allerdings entdeckten wir auch einige schwerwiegende Fehler, wie z.B. falsche Zeitangaben.

Der nächste Kandidat war Apache. Dies ist ein frei verfügbarer HTTP-Server für Unix, der von einer Gruppe von Enthusiasten (und Könnern!) aus dem NCSA-Server weiterentwickelt wird. Wesentliche Eigenschaften sind:

Die ersten Tests verliefen erfolgversprechend: Einfache Installation und Konfiguration, gute Dokumentation, gute Performance. Dazu kam die Meldung: Apache is #1! Seit April 1996 ist laut Netcraft's Web Server Survey der Apache-Server der am meisten eingesetzte WWW-Server im Internet. Ja, so viele Server-Admins können eigentlich nicht irren (eine Aussage, die sonst im Computerbereich wohl nicht zutrifft :-)! Jedenfalls ist es ein Argument mehr für unsere Entscheidung zu Apache!

Was wird sich ändern mit Apache?

Für den WWW-Nutzer ändert sich nichts - keine Konfigurationsänderungen, keine URL-Änderungen. Er dürfte aber, gerade in Spitzenzeiten, deutlich kürzere Antwortzeiten bemerken.

Für die recht stattliche Anzahl unserer WWW-Autoren gibt es eine Reihe neuer Möglichkeiten:

Server Side Includes
In HTML-Kommentaren können einige Spezialanweisungen untergebracht werden, die vom Server ausgeführt werden. Das sind z.B. das automatische Einfügen von bestimmten Texten, z.B. letzte Modifikationszeit, Größe von Files. Auch ganze Files können eingefügt werden.
Counter
Der Zugriffszähler auf Dokumente erweist sich als Dauerbrenner. Bisher haben wir dafür nur eine "Bastellösung" via cgi-Skript anbieten können. Ein Apache-Modul übernimmt nun das Zählen der Zugriffe auf alle Dokumente. Über o.g. Mechanismus ist es möglich, den Zähler als Text in ein Dokument einzufügen. Auch grafische Zähler werden demnächst angeboten.
Imagemaps
Apache kann Imagemaps - die "klickbaren Bilder" - nun auch ohne cgi-Skript realisieren. Dazu muß allerdings ein Map-File angelegt werden, was sich von den bisher verwendeten unterscheidet. Die bisherige Variante funktioniert aber weiterhin.
Darstellung von Verzeichnislisten
Als Autor kann man nun selbst steuern, wie ein URL zu behandeln ist, der auf ein Verzeichnis zeigt. Es kann festgelegt werden, wie eine Verzeichnisliste aussehen soll (Icons, Titel- und Fußtext, Größe, Modifikationszeit und Kurzbeschreibung) oder ob nur ein bestimmtes File angezeigt werden soll. Weiterhin sind die Filetypen entsprechend der Endungen und ein Standardtyp vom Autor konfigurierbar. Dies alles erfolgt in einem .htaccess-File in dem betreffenden Verzeichnis.
Zugriffsschutz
Der Zugriff auf WWW-Dokumente kann weiterhin eingeschränkt werden auf bestimmte Rechner/Domains oder durch Abfrage einer Kennung geschützt werden. Bisher erfolgte diese Konfiguration in einem .www_acl File, jetzt muß das - anders - im File .htaccess formuliert werden.
Genauere Beschreibungen dazu werden erstellt und über die Mailing-Liste www-autoren@tu-chemnitz.de und die Newsgruppe chemnitz.tu.urz annonciert.

Neben einer neuen Server-Software sind Lösungen für eine Reihe weiterer Probleme in Arbeit:

Seit Mitte Mai ist ein Test-Server mit Apache in Betrieb, der unter http://www.tu-chemnitz.de:8080/ ansprechbar ist. Ziel des Tests ist es, Probleme zu erkennen und zu beheben, damit wir recht bald den problemlosen Umstieg vom CERN httpd zu Apache schaffen. Hier sind wir für Hinweise sehr dankbar.
Frank Richter