Die Besonderheit des Standortes Thüringer Weg 11 besteht darin, daß dorthin zur Zeit nur eine 128 KBit/s-Verbindung über das Telefonnetz (ISDN) besteht. Damit ist der Datentransfer zur Bandbreite des sonstigen Campusnetzes stark behindert. Grund für uns, über neue Wege nachzudenken, die eine kostengünstige Insellösung ermöglichen. Als attraktiv erwies sich dabei, die PC's durch einen im Haus untergebrachten Cache-Server zu unterstützen, der einerseits die knappe Bandbreite der Netzanbindung effektiv ausnutzen hilft und andererseits die Vorteile der zentralen Datenhaltung und Nutzerverwaltung nicht aufgibt.
Die Vorteile dieser Lösung sind folgende:
Interessant für uns war die Einbindung von AFS. Der Daemon smbd läuft als normaler UNIX-Prozeß mit root-Rechten. Demzufolge hat er gegenüber dem Filesystem sämtliche Rechte, die durch ein entsprechend sorgfältig aufgebautes Konfigurationsfile für den jeweiligen Client eingeschränkt werden müssen. Der smbd erzeugt für jeden Client einen eigenen Kindprozeß, der die Bearbeitung der Requests dieses Clients übernimmt. Typischerweise wird für die Benutzung von HOME-Verzeichnissen die Eingabe des jeweiligen Nutzer-Paßwortes verlangt. Wurde das richtige Paßwort eingegeben, schränkt der für den Client arbeitende Prozeß seine UNIX-Rechte auf die Rechte des Nutzers ein und bearbeitet dann die Anforderungen des Clients. Somit werden dem Nutzer am Client-PC genau seine UNIX-Rechte gewährt, die er auch hätte, wenn er direkt an der UNIX-Maschine arbeiten würde.
Die Integration von AFS ist nun so gelöst, daß aus dem vom Nutzer angegeben Paßwort ein AFS-Token ermittelt wird. Wenn das erfolgreich verläuft, weil das angegebene Paßwort richtig war, wird es in einer PAG-Umgebung (Process Authentication Group) vom AFS Cache Manager afsd verwahrt und für alle Filezugriffe verwendet. Damit werden dem Nutzer am Client-PC seine AFS-Rechte vermittelt.
Bedingt durch die oben erwähnte Art der Netzanbindung kommt nun einer
Eigenschaft des AFS besondere Bedeutung zu.
Der auf dem Cache-Server laufende AFS Cache Manager verwaltet einen
lokalen Plattencache von 1 GB Größe.
Nachdem ein vom Nutzer am PC per SMB referenziertes File vom zentralen
AFS-Fileserver in den vom AFS Cache Manager verwalteten Cache des
Cache-Servers übertragen wurde, arbeitet der Nutzer mit dieser Kopie.
Der Vorteil ist offensichtlich: das File wird nur einmal über die
dünne Netzanbindung übertragen, anschließend bearbeitet und,
falls es modifiziert wurde, werden nur die modifizierten Teile des Files an den
AFS-Fileserver zurückübertragen.
Gleichzeitig erfordert diese Verfahrensweise keine zusätzlichen
Aufwendungen für das Backup von Nutzerdaten, da es keine
nutzerspezifischen Daten am Cache-Server gibt.
Das Backup erfolgt über die üblichen Mechanismen für alle
AFS-HOME-Verzeichnisse und hat quasi im Nebeneffekt den Vorteil, daß
die Nutzer im Verzeichnis BACKUP unterhalb ihres
HOME-Verzeichnisses den Stand ihrer Daten zum Zeitpunkt des letzten
Backup-Vorgangs sehen können.
Aber AFS bietet in diesem Zusammenhang noch weitere Vorteile. Die Nutzer können durch die Möglichkeiten der Access Control Lists im AFS selber sehr genau die Zugriffsrechte bestimmen. Insbesondere sind sie in der Lage, durch selbst verwaltete Nutzergruppen ohne die Notwendigkeit, einen Administrator zu konsultieren, die Rechte für verschiedene projektbezogene Verzeichnisse so zu kontrollieren, daß genau die jeweilig damit beschäftigten Kollegen entsprechenden Zugang haben. Das wiederum setzt natürlich voraus, daß die Nutzer im Umgang mit den ACL's und AFS Nutzergruppen vertraut sind. Darüberhinaus vereinfacht sich der administrative Aufwand im URZ im Zusammenhang mit dieser Art der PC-Integration im Vergleich zum bisher eingesetzten NFS. So ist es nicht mehr erforderlich, NFS-Exportlisten zu verwalten und den Nutzern bringt es den Vorteil, nicht jeden neuen PC und jeden neuen Mitarbeiter bei uns durch Formular mit Unterschrift des Lehrstuhlinhabers anmelden zu müssen.
Bei der Verteilung von Software wurde (zum großen Teil auch aus historischen Gründen) ein anderer Weg gewählt. Am Cache-Server steht dafür ein separates lokales Filesystem zur Verfügung, welches mittels rdist(n) ausgehend von einem zentralen Server aktuell gehalten wird. Der Cache-Server stellt dieses Verzeichnis wiederum per smbd seinen Clients zur Verfügung. Diese Verfahrensweise wurde gewählt, weil es bereits eine große Anzahl von PC-Clients im Campusnetz gibt, die dieses Filesystem per NFS nutzen und eine Umstellung auf AFS hier zu Konfigurationsänderungen an zahlreichen PC's im Campusnetz geführt hätte. Trotzdem streben wir auch hier eine Lösung mittels AFS an, die aber ohne Konfigurationsänderungen an allen beteiligten Clients vonstatten gehen muß.
Einen solchen Server haben wir auf dem Rechner im Thüringer Weg installiert, um Mehrfachübertragungen über die relativ schmalbandige ISDN-Verbindung möglichst zu vermeiden. Dabei werden auch die WWW-Dokumente unserer Uni über den Cache beschafft, da der WWW-Server ja hinter der "schwachen" Netzanbindung liegt. Die Cacheserver werden kaskadiert betrieben, d.h. der zentrale große Cache (8 GB Plattenplatz) der Uni wird mitbenutzt.
Das Verbinden von entfernten Filesystemen (NFS, AFS)
mit Netzlaufwerken am PC erfolgt einmalig über den Dateimanager.
Bei der vorliegenden Lösung wurden die Laufwerke wie folgt zugeordnet:
Laufwerk E: Verbindung mit dem Homeverzeichnis des Nutzers.
Hier hat der Nutzer uneingeschränkten Zugriff und kann damit
wie mit der lokalen Festplatte arbeiten. Verschiedene
Anwendungsprogramme nutzen dieses Laufwerk für die Ablage
nutzerspezifischer Konfigurationsdateien.
Laufwerk F: Verbindung mit dem Filesystem, welches allgemein
zugängliche Software zur Verfügung stellt. Hier hat der
Nutzer die Möglichkeit, auf zentral installierte und gepflegte
Anwendungsprogramme (/uni/global) zuzugreifen.
Laufwerk G: Verbindung mit dem Filesystem, welches
sämtliche Homeverzeichnisse (AFS) der Nutzer zur Verfügung
stellt. Damit ist es möglich, projekt- oder arbeitsgruppenbezogen
zu arbeiten. Die Organisation erfolgt dabei über die
Zugriffsrechte (Access Control Lists) für das Homeverzeichnis bzw. Unterverzeichnis(se), für deren Vergabe der Nutzer zuständig ist.
Um die jeweilige Nutzerumgebung einzurichten, erfolgt nach der Authentisierung der Aufruf einer Login-Prozedur (in Autostart-Gruppe), welche sich auf dem Cache-Server befindet und zentral verwaltet wird. Dadurch werden im Homeverzeichnis notwendige Verzeichnisstrukturen erzeugt, Standard-Konfigurationsdateien für verschiedene Anwendungen eingespielt und der Nutzer über Neuigkeiten informiert.
Die Vorteile auf Client-Seite beim Einsatz von SAMBA liegen in einer kostengünstigen und relativ einfach zu konfigurierenden Lösung zur PC-Integration in ein TCP/IP-Netz. Das Problem der nutzerabhängigen Konfiguration des PC's existiert nach wie vor. Das bedeutet, die Konfiguration muß auf der Grundlage einer statischen Zuordnung Nutzer zu PC erfolgen. Das kann aber für Mitarbeiterarbeitsplätze akzeptiert werden.
Prinzipiell bietet sich diese Lösung auch für Windows 95 an, woran momentan im URZ gearbeitet wird.