
ANSYS , ein "ANALYSING SYSTEM", arbeitet mit der Methode der finiten Elemente. Wenn man den Begriff Finite-Elemente-Methode erwähnt, so erntet man als Reaktion oft ein mitleidiges Lächeln bzw. Unverständnis, wie man sich für so etwas begeistern kann. Zugegeben, bis es so richtig Spaß macht, muß man eine Durststrecke von mindestens einem Vierteljahr Einarbeitungszeit überwinden. Dies begründet sich vor allem darin, daß man das Konzept dieser FEM-Software verstanden haben sollte und lernen muß, sein physikalisch technisches Problem aus einem etwas anderen Blickwinkel zu betrachten.
Für alle diejenigen, die sich noch gar nichts unter einem FEM-Programm vorstellen können,
sei hier ein (extrem) kurzer Abriß gegeben:
Die Zeiten der kryptischen Eingaben sind bei ANSYS inzwischen vorbei, das Programm verfügt
über ein grafische Oberfläche (Motif), kann aber aber auch mittels einer Kommandozeile oder
im "Batch-Mode" bedient werden.
Im Preprocessor gibt man interaktiv die Geometrie (1- bis 3-D) seines Modells ein oder
importiert diese aus einem anderen CAD-Programm. Das Modell wird nun vom Rechner in viele finite
Elemente unterteilt (auch Vernetzung oder "meshing" genannt). Hervorzuheben ist, daß
diesbezüglich einige deutliche Verbesserungen in der nun vorhandenen ANSYS-Version 5.3
implementiert wurden.
Die finiten Elemente besitzen in ANSYS eine fest implementierte, auf das jeweilige Problem
zugeschnittene Ansatzfunktion (d.h. man verwendet für verschiedene Probleme unterschiedliche finite
Elemente!), die die Differentialgleichungen des Modells innerhalb des Bereiches des finiten Elementes annähern.
|
Die Elemente werden von sogenannten Knoten begrenzt, welche i. A. zu mehreren Elementen gehören.
An der Geometrie werden nun die Randbedingungen definiert. Das bedeutet, daß festgelegt wird,
wo der Körper gelagert ist, welche (thermischen/elektrischen) Potentiale anliegen usw.
Außerdem werden die Lasten (Kräfte, Ströme, ...) in gleicher Art und Weise,
selbstverständlich auch zeitabhängig, definiert.
Die Randbedingungen und Lasten werden anschließend auf die Knoten bzw. finiten Elemente
transformiert. |
![]() Der Klassiker: Berechnung eines Biegebalkens |
Eine wesentliche Stärke von ANSYS ist die Möglichkeit, verschiedenste physikalisch-technische Problembereiche berechnen und sogar miteinander verkoppeln zu können. Ursprünglich wurde ANSYS für mechanische Probleme entwickelt. Es kann aber inzwischen beispielsweise genauso gut Probleme aus den Bereichen Thermodynamik, Strömungsmechanik, Elektrotechnik und Akustik lösen. Anhand der Arbeiten an unserer Professur läßt sich die Vielfältigkeit von ANSYS recht gut demonstrieren:
Wir beschäftigen uns u. a. mit Ultraschallwandlern auf der Basis von piezoelektrischen Folien.
Bei unseren FEM-Rechnungen simulieren wir dabei das elektrische Feld zwischen den Folieelektroden,
den reziproken piezoelektrischen Effekt (Umwandlung von elektrischer Energie in mechanische Deformation),
die mechanische Deformation der Ultraschallwandler, den daraus entstehenden Ultraschall sowie dessen
Ausbreitung im Raum innerhalb einer einzigen Simulation. Dabei ist es möglich, sowohl statische,
harmonische, als auch transiente Simulation durchzuführen.
|
Die nebenstehende Animation zeigt (nur in der WWW-Ausgabe) als
Beispiel das Ergebnis einer solchen FEM-Berechnung.
Sie stellt die Ausbreitung eines Schallimpulses dar, der von einem 3-Element-Ultraschallwandlerarray
gerichtet in den Raum abgestrahlt wird.
|
![]() Ausbreitung eines Schallimpulses |
Am Schluß möchte ich unbedingt noch erwähnen, daß die vorhandenen Hochschulversionen (besonders die Research Feasility Version) durchaus leistungsfähig und durch die Campuslizenz recht preisgünstig ist.