TU Spektrum 4/1994
* Magazin der Technischen Universität Chemnitz-Zwickau *

EHRUNGEN


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Laudatio für
Prof. Dr. rer. nat. habil.
Hans-Joachim Schell


Prof. Dr. Hans-Joachim Schell wurde am 28. Mai 1929 in Berlin geboren.

Nach dem Abitur nahm Prof. Hans-Joachim Schell an der Martin-Luther-Universität in Halle ein Studium als Lehrer für Mathematik und Physik auf und ging nach dessen erfolgreichen Abschluß in den Schuldienst.

Seine Neigungen galten von jeher der mathematischen Forschung. Deshalb bemühte er sich ungeachtet mancher Widerstände um eine weitere Graduierung und die Möglichkeit einer Laufbahn an einer Hochschule.

1962 diplomierte er bei Prof. L. Berg in Wittenberg und promovierte 1967 an der gleichen Einrichtung. 1969 wurde er zum Dozenten für Analysis an der Sektion Mathematik der damaligen Technischen Hochschule Karl-Marx-Stadt berufen, an der er als wissenschaftlicher Mitarbeiter seit 1959 beschäftigt war.

Das Arbeitsgebiet von Prof. Schell ist seit der Diplomarbeit die Asymptotik bei Parameterintegralen. Mit einer Arbeit "Gleichmäßige asymptotische Darstellungen und Entwicklungen von Parameterintegralen mit zwei reellen Parametern"~U habilitierte er sich 1981. Internationale Beachtung fanden insbesondere seine Arbeiten über Restgliedabschätzungen sowie über gleichmäßige Gültigkeit asymptotischer Entwicklungen.

Besondere Verdienste hat Prof. Schell bei der Mathematikausbildung der Studenten des Diplomstudienganges Elektrotechnik. Er hat diese Ausbildung in den sechziger Jahren mit aufgebaut und dabei viel konzeptionelle Arbeit geleistet, die vorliegenden Aufgabensammlungen erarbeitet und in Kooperation mit den Mitarbeitern der technischen Bereiche neue Aspekte in die Ausbildung einbezogen. Prof. Schell hat ein breites Spektrum an Lehrveranstaltungen vertreten, wobei ihn insbesondere viele Studentenjahrgänge Elektroingenieure als versierten und verständnisvollen Hochschullehrer schätzen. Im Grundkurs "Höhere Mathematik" und in Spezialvorlesungen über Funktionentheorie, Partielle Differentialgleichungen oder Numerische Mathematik hat er ihnen das Rüstzeug für die Nutzung der Mathematik vermittelt.

Unter seinen Schriften ragt sein Lehrbuch über "Unendliche Reihen" heraus, von dessen Beliebtheit die Herausgabe der mittlerweile achten Auflage zeugt. Mit der Neustrukturierung im sächsischen Hochschulwesen eröffnete sich für den parteilosen Hochschullehrer die Möglichkeit einer Berufung auf eine C3-Professorenstelle "Mathematik für Ingenieure". Prof. Schell stellt in den vergangenen komplizierten Jahren des Neuaufbaus seine ganze Kraft und Erfahrung in den Dienst dieser Aufgabe, wobei er sich insbesondere für die Lehramtsstudiengänge zuständig fühlte. Dabei setzte er sich engagiert, verantwortungsvoll und sachlich sowohl für die Bewahrung von Bewährtem als auch für notwendige Neuerungen ein.

Dr. Peter Weigand, Fakultät für Mathematik


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Laudatio für
Prof. Dr. rer. nat. habil.
Siegfried Dümmel


Prof. Dr. Siegfried Dümmel wurde am 26. Juni 1929 in Pumptow/Ostpreußen geboren.

Nach dem Abitur und einem Studium an der Universität Greifswald als Fachlehrer für Mathematik und Physik begann Prof. Siegfried Dümmel 1952 eine Tätigkeit an der damaligen Fachschule für Schwermaschinenbau und Elektrotechnik Chemnitz, aus der sich die heutige Universität entwickelte. Zusammen mit einigen wenigen Kollegen ging er daran, eine akademische Lehre aus bescheidenen Anfängen heraus aufzubauen. Damit gehört er sozusagen zu den "Gründungsmitgliedern" des mathematischen Bereiches in Chemnitz.

Im Jahre 1964 wurde er zum Dozenten für "Reine Mathematik" und 1965 zum Professor mit Lehrauftrag berufen. Von 1969 an ist er ordentlicher Professor für Analysis, seit 1991 auch nach neuem Hochschulrecht.

Der wissenschaftliche Weg von Prof. Dümmel ist eng mit der Entwicklung der Chemnitzer Mathematik zu einer Stätte universitärer Forschung verbunden. Seine Untersuchungen auf dem Gebiet der Analysis, insbesondere zur Potentialtheorie und zu inversen Problemen bei partiellen Differentialgleichungen waren Bausteine zur Etablierung dieses Zweiges in Chemnitz. In seiner Dissertation arbeitete er über verallgemeinerte Potentiale. 1965 habilitierte er sich mit einer Arbeit zu Potentialen von Massenverteilungen auf k-dimensionalen Punktmengen.

Aus dem umfangreichen wissenschaftlichen Schrifttum geht hervor, daß Prof. Dümmel sich neben disziplinären Untersuchungen auch den Anwendungen verpflichtet fühlte und damit eine gute Tradition in Chemnitz begründete.

Naturgemäß erfüllte Prof. Dümmel in den vergangenen vier Jahrzehnten umfangreiche und vielseitige Lehrverpflichtungen. Waren seine Lehraufgaben in den Anfangsjahren vor allem von der Ingenieurausbildung geprägt - angesichts der wenigen Mitarbeiter eine Aufgabe von hoher Belastung - so rückte mit der Immatrikulation eigener Studenten im Diplom und Lehramt deren Ausbildung in den Mittelpunkt. Vielen Generationen von Studenten war Prof. Dümmel ein kompetenter und verständnisvoller Lehrer und Ratgeber. Eine umfangreiche Arbeit leistete er mit eigenen Vorlesungen und konzeptioneller Arbeit bei der Ausgestaltung der Ausbildung von Mathematiklehrern.

Von 1968 bis 1970 weilte er als Gastprofessor an der Universität Aleppo (Syrien).

In den Jahrzehnten seines Wirkens übernahm Prof. Dümmel auch die Bürde der Verantwortung, u. a. als kommissarischer Direktor des Instituts für Mathematik von 1965 bis 1967, wenn es sich als notwendig erwies. Besonders trifft das für die vergangenen Jahre des Umbruchs zu, wo er als Leiter des Fachbereichs von 1991 bis 1994 schwere und weittragende Entscheidungen zu treffen hatte. Daß er dabei mit Augenmaß und hohem menschlichen Einfühlungsvermögen gehandelt hat, trug ihm die Hochachtung der Kolleginnen und Kollegen der Fakultät ein.

Dr. Peter Weigand, Fakultät für Mathematik


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Laudatio für
Prof. Dr.-Ing. habil.
Siegfried Wagner


Am 31. Juli 1994 vollendete Prof. Dr. Siegfried Wagner sein 65. Lebensjahr.

Von 1949 bis 1954 studierte Prof. Siegfried Wagner Elektrotechnik an der Technischen Hochschule Dresden. Zu seinen Lehrern gehörten Prof. Barkhausen und Prof. Schönfeld. Unter der Leitung von Prof. Mierdel promovierte er während seiner Assistententätigkeit in Dresden 1960 mit dem Thema "Hochfrequenz-Fackelentladung".

1968 habilitierte er sich mit einer Arbeit auf dem Gebiet "Direkte Energiewandlung". Im gleichen Jahr erfolgte seine Berufung zum Professor für Allgemeine Elektrotechnik an die Universität Rostock und 1973 die Berufung zum Professor für Elektronische Bauelemente an die damalige Technische Hochschule Karl-Marx-Stadt. Seit 1992 ist er Professor für Theoretische Elektrotechnik/Elektrophysik an unserer Universität.

Das wissenschaftliche Betätigungsfeld von Prof. Wagner war immer physikalisch orientiert und erstreckte sich sowohl auf klassische Gebiete, wie Gasentladung, Feldemission und Energieumwandlung, als auch auf moderne Zielrichtungen wie SOI-Technik, Leistungsbauelemente und Bauelemente in Polysiliziumschichten. Die Arbeiten wurden stets in enger Zusammenarbeit mit der Industrie durchgeführt, wodurch die wissenschaftlichen Arbeiten eine praktisch relevante Zielrichtung erhielten.

Die Arbeitsweise von Prof. Wagner zeichnete sich durch Gründlichkeit, Intensität und Ausdauer aus. Er stellte dabei hohe Ansprüche an den wissenschaftlichen Inhalt und beeinflußte so nachdrücklich das Niveau der Forschungs- und Graduierungsarbeiten. Prof. Wagner kann auf eine umfangreiche Lehrtätigkeit verweisen.

Seine Publikationen, insbesondere das Hochschullehrbuch "Aufgaben zur theoretischen Elektrotechnik" (gemeinsam mit Prof. Mierdel), die Lehrbriefreihe "Grundlagen elektronischer Bauelemente" und die Monographie "Direkte Gewinnung elektrischer Energie" zeigen sein Geschick, komplizierte Zusammenhänge verständlich darzustellen, und die fachübergreifenden Grundlagen herauszuarbeiten.

Prof. Wagner stellte seine Tätigkeit stets in den Dienst der Universität und deren Weiterentwicklung.

In der schwierigen Zeit der Umgestaltung und Neustrukturierung der Universität übernahm er uneigennützig Ämter und arbeitete in mehreren Kommissionen mit. Er war vom November bis Juli 1991 Prorektor für Forschung und danach bis Juli 1991 amtierender Rektor.

Wir freuen uns, daß Prof. Wagner nach seinem 65. Geburtstag mit seinem Wissen und Erfahrungen zur Verfügung steht und auch Lehrveranstaltungen durchführt.

Die Kollegen und Mitarbeiter achten seine wissenschaftlichen Leistungen und sein Engagement. Er wirkte in dieser Hinsicht und auch dank seines menschlichen Einfühlungsvermögens als Vorbild. Es ist allen Kollegen, Mitarbeitern und Studenten unseres Bereiches ein Bedürfnis, Prof. Wagner für seine verdienstvolle Arbeit zu danken.

Wir wünschen Prof. Wagner für die Zukunft Gesundheit und Schaffenskraft, um seinen privaten Interessen wieder stärker und mit Freude nachgehen zu können.

Prof. Dr. Gunter Ebest, Fakultät für Elektrotechnik und Informationstechnik


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Laudatio für
Prof. Dr. phil. habil.
Siegfried Weber


Am 8. August 1993 wurde Prof. Siegfried Weber 65 Jahre alt.

Zunächst war wenig von der Emeritierung zu spüren, sie wurde erst jetzt durch Prof. Siegfried Webers Tätigkeit als Gastprofessor an der Westböhmischen Universität Pilsen allen Kollegen und Mitarbeitern bewußt. Prof. Weber begann seine berufliche Laufbahn als Neulehrer. Von 1948 bis 1951 studierte er an den Universitäten Greifswald und Leipzig Pädagogik, Germanistik und Geschichte. 1957 absolvierte er ein Zusatzstudium an der Philosophischen Fakultät der Universität Leipzig. Er war von 1952 bis 1969 Dozent für deutsche Sprache und Literatur an der Ingenieurschule.

Im Jahre 1967 promovierte Prof. Siegfried Weber zum Dr. phil. mit dem Thema "Die Leistung der Satztypen der deutschen Gegenwartssprache". Zwei Jahre später erfolgte die Berufung zum Hochschuldozenten an die TH. Von 1969 bis 1990 war Prof. Weber Leiter des Wissenschaftsbereiches Deutsche Sprache innerhalb der Sektion Fremdsprachen und Forschungsdirektor an dieser Sektion. 1979 legte er seine Habilitationsschrift zum Thema "Kommunikationsverfahren und ihre sprachliche Realisierung zur linguistischen Fundierung der Aus- und Weiterbildung auf dem Gebiet Deutsch als Fremdsprache" vor. Seine Berufung zum Professor für Deutsch als Fremdsprache erfolgte 1984.

Das große Verdienst Prof. Webers besteht darin, die germanistische und angewandte Sprachwissenschaft sowie die Fachsprachenforschung und -didaktik an einer technischen Bildungseinrichtung ohne bisherige "philologische" Tradition etabliert zu haben. Dazu zählen die von ihm 1974 ins Leben gerufenen "Internationalen Hochschulkurse für Germanistik", die über 1500 ausländische Germanisten und Deutschlehrern die Möglichkeit boten, sich an unserer Einrichtung weiterzubilden.

Ein wesentliches Grundprinzip durchzog seine gesamte wissenschaftliche Arbeit: die Verbindung von Sprache mit den Erfordernissen der Ausbildung in den technischen Disziplinen. Heute würde man bei einer solchen Verbindung von fachwissenschaftlichen und philologischen Disziplinen vom "Chemnitzer Modell" sprechen.

Beredter Ausdruck für sein Wirken sind die von ihm initiierten "Linguodidaktischen Kolloquien" (1980, 1984) sowie die wissenschaftliche Konferenz "Fachkommunikation in deutscher Sprache" (1987). 1992 wurde er mit der Wahrnehmung der Professur für Deutsch als Fremd- und Zweitsprache beauftragt. Sein erklärtes Ziel war die Integration der Disziplin in die Lehramts- und Magisterausbildung. Darüber hinaus baute er maßgeblich über die ERASMUS- und DAAD-Programme die Beziehungen nach West- und Osteuropa aus.

Kollegen und Mitarbeiter schätzen an Prof. Weber vor allem sein Engagement für die deutsche Sprache im In- und Ausland, seine Kreativität und seine Weitsicht.

Wir wünschen ihn uns als spritus rector für den Ausbau des Deutschen als Fremd- und Zweitsprache an unserer Universität; ihm wünschen wir für die Zukunft Gesundheit und die Kraft für seine weitere Lehr- und Forschungstätigkeit.

Dr. phil. Sabine Fiß, Philosophische Fakultät


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HTML-Version von Frank Richter, 12. Januar 1995