Mobile Informationen - WebDAV


Hintergrund

Bei den meisten Rechneranwendungen werden Informationen erzeugt, verarbeitet oder verändert. In der vom Rechenzentrum der TU Chemnitz betriebenen Infrastruktur ist es für die Nutzer schon seit langem selbstverständlich, an verschiedenen Arbeitsplätzen mit denselben (veränderlichen) Informationen arbeiten zu können (Home- und Projektverzeichnisse ... ).

Das Ziel dieser Infrastruktur ist ein Datenzugriff zu jeder Zeit und von jedem Ort aus, wobei hier nicht nur lesende Zugriffe sondern auch Schreiben, Umordnen usw. gemeint sind. Eine neue Schwierigkeit ist die Forderung nach einer Arbeitsmöglichkeit auch ohne ständige Netzverbindung. Das ist einmal für die "mobile" Arbeit erforderlich (drahtlose Netze sind noch sehr kostenaufwendig), aber auch zur Erhöhung der Verfügbarkeit beim "normalen" Endanwender.

Die heutige Praxis bedient sich bereits einiger Technologien, mit denen die obigen Forderungen zumindest partiell erfüllt werden:

In diesem Beitrag soll ein neuer Ansatz zum Erreichen der eingangs genannten Ziele vorgestellt werden.

WWW Distributed Authoring and Versioning

Von einer IETF-Arbeitsgruppe wird die Idee verfolgt, das HTTP-Protokoll um einige Operationen zu erweitern, die eine Nutzung der WWW-Technologie als universeller Informationsspeicher ermöglichen soll. Ein erster Standardentwurf liegt vor: Als Abkürzungen sind WebDAV oder kurz DAV gebräuchlich. Der Standardentwurf führt eine Reihe neuer Konzepte ein: Die meisten DAV-Operationen sind nur sinnvoll, wenn der Nutzer bekannt ist (d.h. mit Authentifizierung).
Eine Reihe von vorgesehenen Erweiterungen ist noch in Diskussion. Dazu gehören Advanced Collections, eine Versionsverwaltung (Versioning) und eine Zugriffssteuerung (Access Control).

Gegenüber der heute verbreiteten Nutzung von FTP zum "Füllen" von Web-Servern erwartet man von DAV einige Vorteile. So kann HTTP mit SSL/TLS, Proxies und Caching betrieben werden. Nicht so deutlich sind die Vorteile gegenüber ssh/scp. In Zukunft könnte vielleicht auch CVS eine Konkurrenz bekommen. Eine weitere Perspektive ist der Mail-Zugriff per HTTP, die heute noch vorhandenen Einschränkungen gegenüber POP/IMAP können so überwunden werden.

Im folgenden Bild sind die DAV-Operationen aufgeführt:

Die schrittweise Einführung wird dadurch begünstigt, daß "alte" Klienten natürlich die bisherigen HTTP-Möglichkeiten nutzen können.
Einen ersten Eindruck des (leider) recht komplexen Protokolls erhält man durch die Beispiele aus RFC 2518 (http://www.tu-chemnitz.de/~huebner/webdfs/bsp.htm ).

Implementierungen

Auf der Klientenseite sei hier das Programm sitecopy genannt, das eine autorenseitige Aktualisierung von Web-Servern realisiert. Es nutzt dazu wahlweise FTP oder eben WebDAV: Als weitere Klienten werden MSIE 5 und MS Office 2000 genannt.

Auf der Serverseite gibt es ebenfalls schon eine Reihe von Implementierungen:

Um erste Erfahrungen mit DAV sammeln zu können, wurde ein Apache-Server mit mod_dav ergänzt. In der Konfigurierung des WWW-Servers ist ein neuer Abschnitt für DAV anzugeben, hier das zum Test benutzte Beispiel: Nun kann man mit telnet als Klient neue Operationen erproben (Eingaben sind fett gedruckt): Komplexere Operationen sind so nur sehr umständlich möglich, daher wenden wir uns nun dem oben schon erwähnten Klienten sitecopy zu. Zunächst müssen wir auf der Klientenseite eine Konfigurierungsdatei anlegen, die wir testrc nennen: Die Angabe von Klartext-Paßwörtern ist nicht so ganz ideal. Nun können wir das Programm mit den Optionen Update, HTTP-Protokollanzeige und der Konfigurierungsdatei testrc aufrufen:
 % sitecopy -u -d 8 -r testrc mysite
Im lokalen Verzeichnis sctest hatten wir die Datei f2.htm abgelegt, damit ergeben sich folgende HTTP-Operationen: beim Klienten benennen wir f2.htm in file2.htm und rufen sitecopy erneut auf. Dabei werden diese HTTP-Operationen ausgeführt (die Erwiderungen sind hier nicht dargestellt): Es ist nicht ganz klar, warum hier nicht das schnellere MOVE genutzt wurde.
Nun legen wir ein neues Verzeichnis mit einer neuen Datei newdir/f3.htm an: Sitecopy prüft nicht die Existenz von Dokumenten auf dem Server, sondern konsultiert nur eine lokale Zustandsdatei (~/.sitecopy/mysite ), die Pfadnamen, Änderungsdatum und Länge enthält. Hier ein Beispieleintrag daraus: Bisher hat keiner unserer Testklienten die komplexen semantischen Möglichkeiten genutzt, die bei DAV durch Kommandospezifikationen in XML zugänglich werden. Dies ist aber interessant, weil nur so herauszufinden ist, ob der DAV-Server solche XML-Vorgaben korrekt analysieren und ausführen kann. Mit Hilfe eines speziellen Testklienten davtest.tcl wollen wir nun Eigenschaften (Properties) definieren, im Beispiel einen status=FINAL und eine PGP-Signatur: Nun können wir nachsehen, wie der Server diese Properties seinerseits realisiert. Man findet eine sdbm-Datenbasis pro Dokument (ähnlich dbm, gdmb). Von deren Inhalt können wir uns einen Eindruck verschaffen:

Informationen

Mehr zu DAV findet man u.a. hier: Ein weiterer Ansatz für "mobile Informationen" ist eine "intelligente Spiegelung". Er unterscheidet sich in der Zielstellung etwas von der WebDAV-Richtung. Ein Nutzer möchte an unterschiedlichen Orten mit denselben Datenbeständen arbeiten (z.B. PC am Arbeitsplatz und Laptop unterwegs). Die Datenbestände sind dabei mehrfach vorhanden (repliziert). Änderungen an einem beliebigen Replikat sollen bei "nächster Gelegenheit" (d.h. wenn das betreffende Replikat wieder am Netz zugänglich ist) überall konsistent ausgeführt werden. Eine ausführlichere Beschreibung dieses Konzepts und des dazugehörigen Werkzeugs finden Sie hier:

© Uwe Hübner, 14.4.1999

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