MagicPoint - verzaubern Sie ihre Zuhörer


MagicPoint-Logo Früher oder später kommt wahrscheinlich jeder in die "Verlegenheit", seine Forschungsergebnisse vor einem Fachpublikum zu verteidigen oder einfach einen Vortrag zu präsentieren.
In Zeiten von "Multimedia und Internet" besteht natürlich der Wunsch, nicht einfach ein paar schwarz bedruckte Folien über einen Overheadprojektor zu ziehen.
Eine richtige Präsentation soll es sein, am besten mit Laptop und Videoprojektor und natürlich unter LINUX.
Aus dem Lager der OpenSource-Software bietet sich neben vielen anderen Lösungen die Software MagicPoint an.

Funktionsumfang

Das Softwarepaket MagicPoint beinhaltet neben der Dokumentation und einigen Beispielen das Präsentationswerkzeug mgp, einen Packer mgpembed sowie einen Postscriptkonverter mgp2ps.
Zum Funktionsumfang des Präsentationswerkzeuges gehören: Das Erstellen einer Präsentation erfolgt mit einem Texteditor, gestaltet sich aber trotzdem sehr einfach. Die verwendeten Formatierungstags ähneln sehr stark der HTML-Beschreibungssprache.

Wie wird eine Präsentation erstellt?

Ein Blick in die zum Paket gehörenden Beispiele ist anfangs sehr hilfreich. Zuerst muss eine Vorlage definiert werden. Darin werden z.B. Schriftgrößen, -fonts und -farben, Hintergrundgestaltung sowie das Textlayout definiert. Im ersten Beispiel wird die Standardvorlage (/usr/X11R6/lib/X11/mgp/default.mgp) verwendet.

%include "default.mgp"

Beginnt eine Zeile mit einem %, so werden alle nachfolgenden Ausdrücke als Kommandos interpretiert. Mehrere Kommandos auf einer Zeile werden mit "," getrennt. Eine mit %% beginnende Zeile wird als Kommentar interpretiert. Jede Folie/Seite beginnt mit

%page

Wichtig ist die folgende Seitenaufteilung. Nach %page folgt eine Leerzeile. Die 2. Zeile erzeugt den Folientitel. Die darauffolgende Zeile ist wieder eine Leerzeile, welche einen horizontalen Balken erzeugt. Ab der 4. Zeile beginnt der Folientext.

%page

Eine Aufzählung

Aufzählungen werden durch Tabulatorzeichen erzeugt.

   erster Anstrich
      erster Unteranstrich
      zweiter Unteranstrich
   zweiter Anstrich

Für die Textgestaltung stehen weitere Tags zur Verfügung.

%size 7, fore "red", font "typewriter"

Stellt den folgenden Text in der Schriftgröße 7 und mit der Vordergrundfarbe "rot" dar. Außerdem wird der Font "typewriter" verwendet. Der Fontname muss vorher in der Vorlage definiert werden. Die Festlegung gilt bis zur nächsten Änderung der Tags oder bis zum Seitenende. Zu beachten ist dabei, dass die Vorlagendefinitionen für Aufzählungen vorrangig wirken.

%center
Text wird zentriert.

Neben dem Tag %center gibt es noch %right und %left zur Steuerung der Textausrichtung. Soll eine lange Zeile links ausgerichtet werden, empfiehlt sich die Verwendung von %leftfill.
Zusätzlich zur Ausrichtung kann der Text animiert werden. Die Tags %lcutin und %rcutin lassen die folgende Textzeile vom Rand einschweben.

%center, rcutin
animierter Text von rechts

Natürlich lässt sich eine Präsentation auch durch Bilder auflockern. Als Bildformate versteht MagicPoint gif und jpg.

%image "bild.gif"

Der %image-Tag kennt zusätzlich Argumente zur Skalierung des Bildes.
Neben der Möglichkeit, Bilder einzufügen können auch Hintergrundbilder benutzt werden.

%bimage "bild.gif" 640x480

Durch Angabe der Originalgröße eines Hintergrundbildes wird dieses auf die Auflösung der Präsentation skaliert. Andernfalls wird das Bild gekachelt dargestellt.
In Verbindung mit Bildern aber auch bei der Verwendung unterschiedlicher Schriftarten, -größen und -farben auf einer Zeile ist der %cont-Tag von Bedeutung.

%size 6, fore "red"
ROT
%cont, size 4, fore "yellow"
GELB
%cont, image "bild.gif"
%cont, size 3, fore "blue"
BLAU

Manchmal soll bei der Darstellung einer Folie der Inhalt interaktiv aufgebaut werden. Mit dem %pause-Tag kann der Bildaufbau gesteuert werden.

... Text
(Zum fortsetzen Taste drücken)
%pause
Nächster Abschnitt ...

Funktionen zum Ausführen externer Prozesse runden die Funktionalität von MagicPoint ab.

%system "xeyes -geometry %50x50+25+25"
%xsystem "xclock -update 1"

Der Aufruf mit dem %system-Tag startet eine Anwendung mit Windowmanagerdekoration. Im Beispiel startet xeyes mit 50% Höhe und Breite der gesamten Folie und 25% Verschiebung von der linken, oberen Ecke ... also in der Mitte der Folie. Soll die Windowmanagerdekoration nicht sichtbar sein wird %xsystem benutzt.

%filter "bc"
scale=4; 518/27+(13/9)*0.87
%endfilter

Mit dem %filter-Tag lassen sich Ausgaben eines Prozesses auf eine Folie umlenken. Parameter zwischen %filter und %endfilter werden als Standardeingabe für den Prozess interpretiert.
Im Beispiel sollte ein Ergebnis "20.4417" erscheinen.

Was steht in der Präsentationsvorlage?

Damit die Präsentation ein einheitliches Layout erhält, ist eine Vorlage notwendig. In der Präsentationsvorlage werden Schriftfonts definiert, Aufzählungszeichen und Einrückung festgelegt sowie die Kopfzeilen der Folie formatiert.
Im ersten Beispiel wurde die Standardvorlage (default.mgp) verwendet. Es ist aber auch möglich, die Vorlagenanweisungen in der Preamble des Präsentationsfiles, also vor dem ersten %page-Tag zu definieren.

%deffont "standard" xfont "courier-medium-r"
%deffont "thick" xfont "charter-bold-r"
%%
%default 1 leftfill, size 2, fore "gold", back "black", font "thick"
%default 1 bgrad
%default 2 size 7, vgap 10, prefix " "
%default 3 size 2, bar "midnightblue", vgap 30
%default 4 size 4, fore "light yellow", vgap 30, prefix " ", font "standard"
%%
%tab 1 size 4, vgap 40, prefix " ", icon arc "tomato" 40
%tab 2 size 4, vgap 20, prefix " ", icon box "spring green" 40
%tab 3 size 4, vgap 20, prefix " ", icon delta3 "white" 40

Der %deffont-Tag definiert symbolische Fontnamen aus X11-Fonts. Zusätzlich lassen sich über eine tfont-Ergänzung auch TrueType-Fonts verwenden. Als Hilfsmittel für die Fontauswahl sei auch auf das Werkzeug xfontsel verwiesen.

Da der Aufbau eines mgp-Files zeilenorientiert ist, lässt sich mit dem %default-Tag der Kopfbereich (im Beispiel die ersten 4 Zeilen) formatieren. Der 1. Parameter entspricht dabei der Zeile nach jedem %page-Tag. Im Beispiel werden alle Grundeinstellungen und der Hintergrund auf der 1. Zeile eingestellt. Der %bgrad-Tag stellt einen Gradientenhintergrund ein. Ohne Parameter wird ein Farbübergang von blau nach schwarz dargestellt. Stattdessen kann auch ein %bimage-Tag für ein Hintergrundbild stehen. Die Schriftgröße von 2 Einheiten dient als Abstand vom oberen Rand. Die 2. Zeile bildet die Folienüberschrift, vgap 10 legt den vertikalen Abstand zur nächsten Zeile fest und prefix " " stellt dem Text ein Leerzeichen voran. Zeile 3 erzeugt mit bar einen horizontalen Balken. Ab Zeile 4 beginnt der Textkörper einer Folie.

Aufzählungen werden durch Tabulatorzeichen erzeugt. Mit dem %tab-Tag lassen sich somit Aufzählungen formatieren. Im Beispiel ist eine 3-stufige Aufzählung definiert. Der 1. Parameter ist äquivalent zur Tabulatoranzahl und stellt die Tiefe der Aufzählung dar. Der %icon-Tag wird hier benutzt, um Aufzählungszeichen zu definieren. Übrigens lässt sich dieser Tag auch im Text einer Folie unterbringen.

Wie kann ich ...?

Soll die Präsentation weitergereicht oder per Mail verschickt werden, ist es günstig, nur mit einem File zu arbeiten. Doch die bisher erstellte Präsentation besteht allein schon durch die Vorlage und eingebundene Bilder aus mehreren Files. Mit dem Kommando mgpembed lässt sich eine Präsentation zusammenfügen wobei das File weiterhin lesbar bleibt. Vorlageinformationen werden dabei in die Preamble geschrieben, Bilder uuencoded angehangen.

Das Archivieren eines Vortrages im HTML-Format ist möglich. Einerseits kann mit mgp direkt HTML erzeugt werden. Dabei wird jede Folie als ein GIF-Bild abgespeichert. Von dieser Variante wird aber abgeraten!
Sinnvoller zum Archivieren ist entweder die Ausgabe des Perlscriptes mgp2html.pl als HTML oder das Abspeichern als Postscript.
Das Perlscript ist erst ab Version 1.07a verfügbar.

Mit mgp2ps lassen sich aus der Präsentation auch druckbare Folien erzeugen. Wichtig, werden in der Präsentation deutsche Umlaute verwendet, so ist die Option -e iso-8859-1 anzugeben.

Welche Taste wofür?

Während der Präsentation sind einige zusätzliche Funktionen wie der PageGuide oder die Zeichenstifte verfügbar. Diese Funktionen werden über Tastenkürzel aktiviert.
n oder linke Maustatste Blättern forwärts
p oder rechte Mastaste Blättern rückwärts
3g Sprung auf Seite 3
<Strg> Zeigt im Fußbereich eine Folienliste an
G Schaltet PageGuide ein
x oder mittler Maustaste Jotting mode, Zeichenstift wird aktiviert
X wechselt die Farbe des Zeichenstiftes
<Strg> L Lädt die aktuelle Folie nochmal, löscht Änderungen durch den Zeichenstift
q oder <Esc> Verlässt die Präsentation
Um den Präsentationstimer nutzen zu können muss Magicpoint mit der Option -t 15 gestartet werden. Die Option gibt an, dass eine Laufzeit von 15 min festgelegt wird. Ein Balken am unteren Bildschirmrand zeigt die aktuelle Position in der Präsentation und die verbleibende Zeit an.

Links

Andreas Heik, Juni 2000