... sie alle haben etwas gemeinsam: Sie bezeichnen öffentlich nutzbare Computer des URZ, wie vielen Lesern bekannt sein dürfte. Doch was bedeuten diese Namen und warum in aller Welt hat man Computer so benannt? Der Sinn besteht natürlich darin, anhand der Namen Zugehörigkeiten zu erkennen (welcher Poolraum, Server ...). Einige Namensgruppen erklären sich von selbst, wie zum Beispiel die Namen im neuen "Gemüse-Pool" (1/203) ;-) Doch die phantasievolleren unter den Computernamen sind schon mal eine Erklärung wert. Deshalb soll hier und gegebenenfalls in späteren Ausgaben versucht werden, die Geschichten und Symbole, die sich hinter den Computernamen verbergen, den Nutzern etwas näher zu bringen. Wer weiss, vielleicht haben Sie ja schon bald Ihren Lieblingsrechner, nicht wegen der Rechenleistung, wohl aber wegen des Namens ...
Beginnen werde ich mit einigen der "jüngsten" Computern - die 40 neuen Linux-PCs in den Räumen B301 und B302 auf der Reichenhainer Straße. Wer einen kurzen Blick auf die Namensliste wirft und Namen wie "Blubrys", "Degove" oder "Safere" liest, kann sich darunter vermutlich überhaupt nichts vorstellen. Beim genaueren Hinsehen liest man jedoch auch "Mordred", "Galahad", "Gawain" und "Parsifal". Jetzt dürfte es zumindest bei einigen beginnen zu dämmern ... ja, genau, die hatten doch alle etwas zu tun mit diesem verrückten König, der mal ein Schwert aus einem Stein gezogen hat ... Für die, die die Sage nicht kennen: Ich spreche vom sagenhaften König Artus von Camelot. Die Computer im Raum 3/B301 tragen alle Namen von Rittern, die zu dessen berühmter Tafelrunde gehörten, und die im Raum 3/B302 wurden nach weiteren Charakteren der Artus-Sage benannt.
Die Artus-Sage ist die berühmteste und am weitesten verbreite Sage der Welt. Sie ist sogar bekannter als Ilias und Odyssee oder die Nibelungensage. Historischen Quellen zufolge gab es im 5. Jahrhundert unserer Zeitrechnung in Britannien einmal einen König mit Namen Arthur, ansonsten entspringt der Großteil der Geschehnisse um König Artus der Phantasie einiger mittelalterlicher Schriftsteller. Dennoch ist ihre Faszination bis heute ungebrochen.
Der Sage nach ist Artus der Sohn des britannischen Herrschers UTHER Pendragon und IGRAINE, Gemahlin des Herzogs von Cornwall, GORLOIS. Artus wird durch Intervention von Merlin, dem höchsten aller britischen Druiden, in einer Pflegefamilie großgezogen. Nach Uthers Tod stößt Merlin dessen Schwert Excalibur in einen Stein und prophezeit, dass nur der, der das Schwert wieder aus dem Stein ziehen könne, der rechtmäßige König über ganz Britannien sei. Als Artus herangewachsen war, begleitete er seinen Ziehvater regelmäßig zu Turnieren, wobei er einmal dessen Schwert vergaß. Auf der Suche nach einem Ersatz-Schwert entdeckte er - welch Zufall - Excalibur, das noch immer im Stein steckte. Artus, der die Geschichte des Schwertes nicht kannte, zog es aus dem Stein, und war maßlos überrascht, als alle plötzlich vor ihm auf die Knie fielen und ihn zum König erklärten. Er freundete sich jedoch relativ rasch mit dem Gedanken an, ließ alle Ritter und Kleinkönige ihm die Treue schwören, baute Burg Camelot als seinen Hauptwohnsitz und engagierte Merlin als weisen und unbestechlichen Ratgeber. Nachdem er mit seinen Rittern alle Kriege und Unruhen im Land abgewehrt hatte und in Britannien seit vielen Jahrzehnten zum ersten Mal wieder Frieden herrschte, erfand Artus die berühmte Tafelrunde, wo er mit seinen Rittern allabendlich zusammensaß und die nächsten Abenteuer (z.B. Drachen töten, entführte Jungfrauen erretten und als Höhepunkt die Suche nach dem Gral) plante.
Mitglieder der Tafelrunde wurden nur die besten Ritter des Landes, allesamt - bis auf wenige Ausnahmen - tapfere und ehrbare Männer. Eine dieser Ausnahmen war zum Beispiel Sir MORDRED, Artus' Sohn mit seiner intriganten Schwester MORGAINE (ja, Inzest gab es auch!): Er war alles andere als ehrbar und durfte auch nur mit am berühmten Tisch sitzen, weil er eben Artus' Sohn war. Zum Dank hat er dann die Ereignisse ausgelöst, die zum Zusammenbruch des Königreichs und zu Artus' Tod führten. Alle anderen Ritter hatten sich ihren Sitz an der Tafel jedoch rechtmäßig verdient. Zu nennen wären zum Beispiel: GAWAIN, neben Lancelot der älteste und treueste Freund von König Artus; PARSIFAL, der lange Zeit vergeblich nach dem Gral suchte (Richard Wagner hat diese Geschichte etwas umgedichtet) und GALAHAD, der als einziger völlig frei von Sünden war und daher den Gral schließlich fand; GARETH, GAHERIS und AGRAWEIN, die Brüder von Gawain; PELLINORE, der lange Jahre damit verbrachte, eingebildeten Drachen nachzujagen; TRISTAN, von dem viele nur wissen, dass seine Probleme mit ISOLDE einen langen Opernabend füllen, nicht aber, dass er auch mit an der Tafelrunde saß; und BEDIVERE, der nach Artus' Tod dessen letzten Wunsch erfüllte und das Schwert Excalibur in den heiligen See warf.
Als König war Artus natürlich nicht nur von seinen Rittern umgeben. Die wichtigsten Frauen in Artus' Leben waren seine Gemahlin GUINEVRA (auch als Guinevere oder Gwenwhyfar bekannt), die sich unglückseligerweise in Artus' ersten Ritter Lancelot verliebte, und seine Schwester MORGAINE, die man auch unter den Namen Morgana und Morgan Le Fay kennt. Wichtige Rollen spielten auch VIVIANE, die "Herrin vom See", die von der heiligen Insel Avalon aus das Schicksal Britanniens lenkte und großen Einfluss auf Artus hatte, sowie seine Tante MORGAUSE, die Mutter von GAWAIN und dessen Brüdern.
Artus' Ende wird durch einen Verrat seines Sohnes Mordred herbeigeführt: Er deckt das Verhältnis zwischen Guinevra und Lancelot auf und verursacht einen gnadenlosen Krieg unter den Rittern der Tafelrunde, der erst mit dem Tod von Vater und Sohn in einem finalen Zweikampf endet. Der Sage nach wird Artus' Leichnam von der Herrin vom See nach Avalon gebracht, wo er von der Welt verborgen ist als "der König, der war, und der König, der sein wird".
Falls diese Zeilen jetzt Ihr Interesse geweckt haben sollten: Es gibt eine ganze Reihe wunderbarer Bücher zu König Artus und seiner Tafelrunde. Das älteste und ausführlichste ist "Le Morte d'Arthur" von Sir Thomas Malory. Doch auch heute noch erscheinen jährlich neue Romane und Dokumentationen rund um König Artus.
Nun kennen Sie also die Geschichte (oder zumindest einen Teil davon), die sich hinter den Namen der Computer in den Räumen 3/B301, 3/B302 verbirgt. Einige werden sich vielleicht gefragt haben, warum denn keiner der Computer Artus oder Lancelot heißt, da diese doch mit Abstand die bekanntesten Gestalten der Tafelrunde sind. Doch da war ein Artus-Fan schneller: Diese Namen gab es bereits in der hrz-Subdomain.
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