UMTS ist Teil der weltweit standardisierten Systemfamilie IMT-2000 der ITU. Die Abkürzung steht dabei für Universal Mobile Telecommunications System. Regionale Unterschiede haben es leider unmöglich gemacht, nur einen Standard zu entwickeln. Die Realisierung des UMTS wird so nur in Europa und Japan angewendet, wärend in Nordamerika CDMA2000 und in Asien das sogenannte ARIB-CDMA Verwendung finden wird. IMT-2000 selbst beschreibt überwiegend die Anforderungen, die ein System der 3. Generation erfüllen muss. Im Wesentlichen stellt UMTS genauso wie derzeit das GSM-System (D1-, D2-, E-Netz usw.) drahtlose, öffentliche Telekommunikation für mobile Endgeräte, wie Telefone. Es arbeitet ebenfalls zellular und digital. Große Unterschiede bestehen in den angestrebten höheren Datenraten von (theoretisch) bis zu 2MBit/s im Nahbereich (Ballungszentren) und 144kbit/s im Großteil der restlichen Gebiete. Damit verbunden sind eine Fülle neuer Anwendungsmöglichkeiten vor allem im Multimediabereich und die Einbeziehung von Internetdiensten. Andere erstrebte Ziele sind eine festnetzähnliche Sprachqualität, die Integration der verschiedenen heutigen Mobilfunksysteme (GSM, Pager, Satellitenfunk) und des Festnetzes (ISDN) sowie Portabilität der Dienste unabhängig vom jeweiligen Betriebsumfeld mit kleinen, handlichen Endgeräten. Zudem soll auch zwischen den verschiedenen Realisierungen der gesamten Systemfamilie weltweites Roaming möglich sein, sofern das eigene Gerät mehrere der Standards unterstützt.
Was war nun an den verschiedenen Vorgängersystemen unzureichend? Direkte Vorläufer sind die Systeme der 2. Generation (GSM, IS-95, PDC, ERMES), wie sie seit Anfang der 90er Jahre in Betrieb sind und einige Nischensysteme zwischen 2. und 3. Generation wie z.B. der persönliche Satellitenfunk mit IRIDIUM oder Globalstar oder die lokale Breitbandkommunikation mit Hiperlan. Hauptnachteil sind natürlich die geringen Geschwindigkeiten bei der Datenübertragung. Diese Systeme wurde hauptsächlich für die Spachkommunikation entwickelt. Ein weiterer Nachteil ist, dass man derzeit für verschiedene Anwendungen unterschiedliche Systeme nutzen muss, wie eben z.B. bei den Satellitensystemen. Anbieter, die in Europa keine UMTS-Lizenzen erworben haben und dies auch später nicht vorhaben, können dennoch in Zukunft auf alternative Techniken ausweichen. So bietet sich beispielsweise mit Enhanced Datarates for GSM Evolution (EDGE) eine solche Möglichkeit an. Die erzielbaren Datenraten sind auf ähnlich hohem Niveau und eine nahtlose Integration in die bestehenden Netze ist mit vertretbarem Aufwand möglich. Neue Endgeräte werden jedoch auch hier nötig sein. Darüber hinaus werden auch die bestehenden Netze noch sehr lange Zeit weiter verwendet werden, da sie für viel Anwendungen völlig ausreichend sind. Man denke nur an das bis vor kurzem noch verfügbare analoge C-Netz.
Ein Mobilfunksystem nach UMTS besteht aus mehreren Komponenten, die aufeinander aufbauen.
Die Komponente, mit der der Endanwender in Berührung kommt, ist das
Mobile Terminal, also sein persönliches Gerät, wie z.B. ein Handtelefon.
Zum Access Network oder Zugangsnetzwerk gehören die Basisstationen, die den
Funkkontakt zu den Endgeräten halten. Für den Nutzer im Hintergrund agieren die
zwei restlichen Komponenten: das Core Network (Fixed Network) und das
Intelligent Network. Ersteres stellt das Festnetz zur Verbindung der Basisstationen
dar, sorgt für den Aufbau der Verbindungen und ist technisch durch Breitband-ISDN
unter Nutzung virtueller ATM-Verbindungen realisiert. Das Intelligent Network sorgt
für das korrekte Zusammenspiel aller Komponenten. Es übernimmt in diesem
Zusammenhang auch die Gebührenabrechnung, die Benutzerlokalisierung, das Roaming und
Handover zwischen den Zellen.
Zur Versorgung einzelner Gebiete mit differenzierter Qualität wurden verschieden
große Zelltypen festgelegt. Es ist keineswegs möglich, die maximal angestrebten
Datenraten in allen Gebieten zu ermöglichen. Dies ist nur bei sehr geringen
Distanzen zu einer Basisstation und bei kleinen Bewegungsgeschwindigkeiten möglich.
Für die Versorgung von Innenstädten, aber auch Großveranstaltungen,
Messen usw. gibt es die Pico-Zelle. Hier sind Datenraten bis zu 2MBit/s erzielbar
und auch nur bei Bewegung bis 10 Meter/s, was aber meist ausreicht.
Die Micro-Zelle ist zur Versorgung von Städten und allgemein dicht besiedelten
Gebieten vorgesehen. Hier sind 384kbit/s bei Geschwindigkeiten bis 120km/h möglich.
Telefone in Fahrzeugen können in diesen Zellen also betrieben werden. Zur Anbindung
von ländlichen oder dünn besiedelten Gebieten existieren Macro-Zellen.
Hier geht es hauptsächlich um die Gewährleistung einer Grundversorgung.
Datenraten bis 144kbit/s sind erzielbar. Fahrzeuge können sich bis zu 500km/h
schnell bewegen, was auf Autobahnen von Vorteil sein dürfte. Erst einige Jahre nach
Inbetriebnahme der ersten UMTS-Netze wird der 4. Zelltyp hinzukommen, der
satellitengestützt arbeitet. Dazu später mehr.
Zellen unterschiedlicher Größe überdecken sich, also in einer Makro-Zelle
liegen viele kleinere Micro-Zellen und so weiter. Es dürfte zudem klar sein, dass
die Leistungsangaben wie bei anderen Funksystemen auch nur sehr theoretisch sind und je
mehr Teilnehmer in einem Netzbereich agieren, desto geringer wird die verfügbare
Bandbreite eines einzelnen Nutzers.
Als Frequenzbänder für das gesamte IMT-2000 sind die Bereiche von
1,888 bis 2,2 GHz vorgesehen. Dabei ist an schrittweise Zuteilung der Frequenzen
je nach gegenwärtigen Bedarf gedacht.
Teilweise ist dies ja schon durch die Versteigerung der Frequenzen im letzten Jahr erfolgt.
Regional gibt es große Unterschiede in Bezug auf anderweitig schon belegten
Frequenzen. Insbesondere in den USA sind viele davon vom Militär belegt.
Jeder Kanal besitzt eine Bandbreite von 5Mhz, also wesentlich mehr als die
heutigen 200KHz im GSM. An einer Erweiterung des Frequenzbereiches ist auch schon gedacht,
sollte der Bedarf jemals zu groß sein. Die Zuteilung der Frequenzen für die
Empfangs- und Senderichtung erfolgt je nach Zelltyp nach unterschiedlichen Kriterien.
In den Pico-Zellen erfolgt die Aufteilung nach einem Zeitmultiplex (FDD).
Up- und Downstream müssen sich das gesamte Frequenzband zeitlich teilen. Vorteil ist,
dass je nach Bedarf die Länge der Zeitschlitze variiert werden kann, um hohe
Übertragungsraten in einer Richtung zu erreichen.
Das Frequenzduplexverfahren wird in der Micro- und Macro-Zelle verwendet. Hier
stehen zwei getrennte Bänder für die Übertragungsrichtungen zur
Verfügung. Die teilweise großen Entfernungen zwischen Mobilteil und
Basisstation lassen hier kein sinnvolles Zeitduplex zu.
Handover ist der Übergang von einer Zelle zu einer anderen bzw. der Wechsel zu einer
anderen Basisstation. Für ununterbrochene Kommunikation währen
der Bewegung (z.B. Autobahnfahrt) ist dies notwendig. UMTS unterscheidet 2 Arten.
Verantwortlich für die Koordinierung dieses Vorganges ist das Intelligent Network und
es soll auch anbieterübergreifend funktionieren.
Zwischen Zellen gleichen Typs wird vertikales Handover angewendet. Den Wechsel zu
einem anderen Zelltyp bezeichnet man als horizontales Handover.
Eine Besonderheit gegenüber derzeitigen Systemen stellt das horizontale Handover dar.
Hier ist, wie im Abschitt zur CDMA-Technik erwähnt, ein sogenanntes Softhandover
möglich. Benachbarte Zellen gleichen Typs können mit den gleichen Frequenzen
arbeiten. Wechselt ein Teilnehmer die Zelle, so wird er durch beide Stationen
versorgt und die Verbindung zur alten Station reißt nach und nach ab. Beim
horizontalen Handover spricht man auch von Seamless Handover, wenn wärend des
Übergangs keine Beeinträchtigung der Verbindungsqualität zu bemerken ist.
Grundsätzlich werden vier Grundarten von Diensten unterschieden. Die Trägerdienste existieren kanalvermittelt (z.B. für normale Telefonie) oder paketvermittelt (zur Datenübertragung). Teledienste umfassen die bereits im Festnetz existierenden Dienste, neue UMTS-Teledienste und Multimedia-Dienste. Als Zusatzdienste gelten z.B. Rufumleitung, Zusatzinformationen zu anderen genutzten Diensten und viele weitere. Die vierte Gruppe stellen die Mehrwertdienste dar. Beispiele dafür sind Bandwidth on Demand (garantierte Datenraten für spezielle Anforderungen), das Virtual Home Environment (VHE) und Personal Mobility.
Noch bevor UMTS-Netze hierzulande in Betrieb gegangen sind, wird schon über potentielle Nachfolger diskutiert. Zwei mögliche Ansätze sollen hier noch erwähnt werden.
UMTS bei der ETSI (European Telecommunications Standards Institute) ... http://www.etsi.org/
IMT 2000 bei der ITU (Internations Telecommunication Union) ... http://www.itu.int/imt/
| Marco Flohrer, Fakultät für Informatik, Mai 2001 |