Automatische Schutzfilter für E-Mail


In den URZ-Mitteilungen 2/2001 wurden Möglichkeiten beschrieben, wie E-Mail beim Empfang individuell "gefiltert" werden kann (zum Nachlesen: http://archiv.tu-chemnitz.de/pub/2001/0069/data/mailfilter.html). In diesem Beitrag wollen wir die automatischen Schutzfilter für E-Mail vorstellen. Diese Filter-Maßnahmen, die im URZ-Beirat diskutiert wurden und seit Anfang November installiert sind, erfüllen zwei Aufgaben:

Im Gegensatz zu den individuellen Mail-Filtern wirken diese automatischen Schutzfilter nicht erst bei Zustellung in die persönliche Mailbox, sondern bereits an den Mail-Relays, also dann, wenn die E-Mail die TU Chemnitz "betritt". So wird ein E-Mail-Virus erst gar nicht in die Uni gelassen. Die Annahme von Werbe-Mail kann sofort verweigert werden, was auf längere Sicht hoffentlich zu einer Eindämmung dieser "Plage" führt.

Die einzelnen Schutzfilter-Maßnahmen werden im folgenden vorgestellt.

Spamschutz RBL

Dies ist eine Methode, um unerwünschte Werbe-Mail mit Hilfe von "Realtime Blackhole Lists (RBL)" abzulehnen. Dies sind einfach Listen von Rechnern (via DNS verwaltet), von denen selbst Spam gesendet wurde oder die das Senden von Spam begünstigen (Open Relays).

Mit dieser Maßnahme werden viele Werbe-Mails wirkungsvoll abgeblockt. Es kann aber nicht sicher ausgeschlossen werden, dass damit auch "gute" Mails abgewiesen werden. In diesem Falle wird der Absender benachrichtigt, Sie als Empfänger sehen dies in Ihrem Mail-Protokoll (s.u.). Falls für Sie die Kommunikation mit diesem abgewiesenen Absender wichtig ist und der Absender keinen anderen Mail-Server (der nicht als Spam-Sender aufgefallen ist) verwenden kann, müssten Sie diesen Schutz abstellen. Dann bekommen Sie weiterhin Mails von den geblockten Rechnern. Anhand des Mail-Headers X-RBL-Warning kann solche Mail mit den individuellen Filtern behandelt werden.

Inhalt-Schutz Viren

Hiermit werden akut verbreitete E-Mail-Viren (z.Z. SirCam und Nimda) erkannt. Eine solche Mail wird nicht weitergeleitet, der Absender wird informiert. Diesen Schutz sollten Sie immer verwenden! Er entbindet Sie jedoch nicht von Ihrer Vorsicht gegenüber E-Mail-Anhängen.

Inhalt-Schutz aktive Inhalte

Damit wird die Zustellung aller Mails mit aktiven Inhalten unterbunden. D.h. E-Mails, die Anhänge mit ausführbaren Programmen enthalten, werden abgelehnt. Das betrifft Datei-Anhänge mit vbs, exe, com, shs, bat, scr, pif.
Datei-Anhänge mit ausführbaren Programmen waren schon häufig Ausgangspunkt für rasante Virenverbreitung auf Windows-Systemen. Mit dieser Maßnahme schützt man sich vor dem Empfang solcher Dateien. Möchte man mit E-Mail-Partnern trotzdem ausführbare Programme austauschen, so sind diese vorher mit einem Packprogramm (z.B. ZIP) einzupacken.
Aktive (und möglicherweise gefährliche) Inhalte können auch in Dokumentenformaten (wie Macros in Word) enthalten sein. Deshalb sollten solche E-Mail-Anhänge auch weiterhin kritisch auf Viren geprüft werden.

Folgende Maßnahmen haben wir für die Zukunft noch geplant:

Spamschutz Administrator

Zum Abweisen von unerwünschter E-Mail sollen Regeln zum Einsatz kommen, die von den Mail-Administratoren des URZ eingestellt werden. Diese Regeln (das sind spezielle Absender o.ä.) werden veröffentlicht. Dies soll akute Werbe-Mail-Fluten eindämmen, die nicht durch die Maßnahme "Spamschutz RBL" erkannt werden.

Spamschutz "ad hoc" Erkennung

Hier soll in Zukunft ein regelbasiertes Erkennungssystem Spam-Mails aussortieren bzw. kennzeichnen. Ideen dazu sind sehr gefragt...
Die Anwendung dieser automatischen Filter ist individuell einstellbar, wenn Sie ein URZ-Nutzerkennzeichen haben:
http://mouse.hrz.tu-chemnitz.de/ - dort ganz unten: "Filtereinstellungen"
Geänderte Einstellungen werden nicht sofort wirksam, sondern erst zur nächsten vollen Stunde.

Mailfiltereinstellung via WWW-Browser
 

Damit Sie die Funktionsweise dieser Regeln kontrollieren können, sind die Protokoll-Daten zu Ihren E-Mails einsehbar (vom Vortag bis letzten Monat, mit URZ-Nutzerkennzeichen + Passwort authentifizieren):
https://www.tu-chemnitz.de/urz/mail/log/
Hier können Sie Informationen ansehen zu Ihren gesendeten und empfangenen Mails, aber auch zu den abgewiesenen.
Leider ist abzusehen, dass die automatisierbaren Spam-Schutzmaßnahmen keinen 100%-igen Schutz bieten. So wirkt "Spamschutz RBL" nur für solche Sende-Rechner, die bereits negativ aufgefallen sind, und die den Betreibern der Blockliste bekannt gemacht wurden. So werden wir auch in Zukunft mit (hoffentlich deutlich weniger) unerwünschter Werbe-Mail konfrontiert werden. Deshalb hier

Einige Verhaltensregeln zum Umgang mit unerwünschter Werbe-Mail zusammengefasst:

Und schließlich noch ein Dauerbrenner unter den Anfragen an den Postmaster: Wieso erhält man eigentlich eine E-Mail, obwohl die eigene Adresse gar nicht im Mail-Kopf (To: oder CC: Header) auftaucht?

Eine E-Mail besteht neben dem vom Mail-Programm angezeigten Header-Zeilen (To:, Subject: etc.) und dem eigentlichen Inhalt (Text, evtl. Anhänge = Attachments) auch einen "Umschlag" (Envelope), der Absender und Empfänger enthält. Das Übertragungssystem für E-Mail nutzt zur Zustellung der Mail nur die Adressen des Umschlages (wie bei der Briefpost auch). Im Normalfall sind die Adressen in Umschlag und Header identisch (analog zum Fenster-Kouvert bei Briefpost). Bei Massenmails werden die Umschlagadressen häufig unabhängig vom Header (der meist gefälschte Adressen enthält) gesetzt, um die Herkunft zu verschleiern.

Weitere Informationen: http://www.tu-chemnitz.de/urz/mail/filter/

Frank Richter, 31. Oktober 2001