Windows im URZ


Dieser Artikel soll der Auftakt zu mehreren Veröffentlichungen sein, die für die nächsten Monate im URZ zum Thema Windows geplant sind. Es werden einige aktuelle Probleme benannt und technologische Ziele formuliert, die in den nächsten Monaten mit Realität untersetzt werden müssen.

Zahlreiche Dienste des URZ basieren auf zwei Betriebssystemen als Hauptplattformen:

In unserer Einrichtung wird seit 1997 WindowsNT eingesetzt.
Mittlerweile hat Microsoft nach der Version Windows2000 nun WindowsXP auf den Markt gebracht.
Objektive Gründe für das URZ, sich mit der Ablösung von WindowsNT zu befassen sind zum einen die fehlende Unterstützung aktueller Hardware (USB) und zum anderen die Herstellerankündigung, die Unterstützung von WindowsNT einzustellen! Letztere Aussage hat sowohl Konsequenzen hinsichtlich der Wartung des Betriebssystems als auch für künftig einzusetzende Software, die nicht mehr für WindowsNT bereitgestellt werden wird.
Damit ist seitens des URZ jedoch noch keine Entscheidung für eine Umstellung gefallen. Das Thema ist nicht damit erledigt, ab morgen statt den Installations-CD's für WindowsNT nun diejenigen für WindowsXP zu nehmen und die entsprechenden PC neu zu installieren. Dies ist schon in Anbetracht von mehreren Hundert PC's nicht möglich und wird auch bei der anderen Hauptplattform nicht so realisiert. Ein Betriebsystem ist nur Mittel zum Zweck, nämlich eine Basis zur Aktivierung von notwendigerweise zu nutzender Software, um konkrete Aufgaben zu lösen.

Aktueller Stand und Ausblick

Das URZ bietet für eine effiziente Nutzung der an der TU existierenden Rechentechnik sowie des Arbeitskräftepotentials eine Reihe von Diensten an, wie Diese Dienste sind in eine globale Technologie eingeordnet und konnten bisher auch mit WindowsNT realisiert werden. Der Umstieg auf eine neue Windows-Version kann somit nur im Einklang mit der Gesamttechnologie vollzogen werden und unter Bewertung bzw. Einsatz neuer, im Betriebssystem enthaltener Technologien und Werkzeuge.
Dies muss aber auf jeden Fall auch eine Bewertung der bisherigen Dienste sowie des erforderlichen Aufwands zu deren Realisierung beinhalten. Dabei musste festgestellt werden, dass eine Skalierung einiger Dienste nicht gegeben ist. Beim Installations-/Administrationsdienst zum Beispiel steigt mit der Integration weiterer Rechentechnik auch der personelle Aufwand erheblich. Gründe hierfür sind unterschiedliche PC-Hardware, der Einsatz der Spezialisten vor Ort (hierbei geht ein immenses Arbeitszeitpotential verloren) und vom Standard abweichende technologische Sonderwünsche (z.B. Scanner unterschiedlicher Hersteller oder differierende Einsatzszenarien beim Zugang zu Druckerressourcen). Demgegenüber ist der für in Pools integrierte PC's notwendige Aufwand wesentlich günstiger, neben der örtlichen Konzentration vor allem auf Grund gleicher Hardware, gleicher Software und gleicher technologischer Nutzung.
Auch der Aufwand für die Wiederherstellung konsistenter Windowsinstallationen ist unverhältnismäßig hoch. Weiterhin ist zu registrieren, dass es Fälle gibt, in denen eine Nutzung spezieller Dienste vereinbart wurde, diese auch seitens des URZ realisiert aber seitens des Nutzers niemals genutzt wurden (z.B. die Bereitstellung von spezieller Software oder des Betriebssystems Linux)! Dies ist mindestens eine Vergeudung von Ressourcen des URZ.

Globale Zielstellungen

Ein Umstieg auf eine neue Betriebssystemversion muss also unbedingt diesen und weiteren Fakten Rechnung tragen!
Somit sind folgende Zielstellungen zu beachten:

Künftige Dienste und Teiltechnologien

Nachfolgend einige Überlegungen zum möglichen künftigen Dienstleistungspektrum:

Installationsdienst

Bezieht sich auf Mitarbeiterarbeitsplätze. Die Erstinstallation erfogt durch das URZ, die Wiederherstellung jedoch durch den lokalen Administrator - identisch mit dem Hauptnutzer - ausgestattet mit entsprechenden Rechten, Werkzeugen und Kenntnissen.

Adminstrationsdienst

Künftig nur für Poolrechner und pool-ähnliche Arbeitsplatzrechner.
Voraussetzung: gleiche Hardware

Beschaffungsdienst für PC's

Initiierung eines zentralen Beschaffungsdienstes für PC's, sowohl Pools als auch Arbeitplatzrechner betreffend.

upgrade-Dienst

Automatische Aktualisierung von security-relevanten Systemkomponenten.

Beratungs- und Ausbildungsdienst

Verbesserung und Effektivierung des Beratungs- und Ausbildungsdienstes - Durchsetzung helpdesk-Nutzung, Beratungszeiten/-dienst, spezifische Weiterbildungsangebote

Vorortarbeiten

Keine Vorortarbeiten durch URZ-Mitarbeiter, Vorortarbeiten durch ausgebildete Hiwi's gegen Bezahlung.

Nutzerverwaltung, Softwaredienst

(siehe nachfolgende Punkte)

Hinsichtlich der möglichen Windowsversionen gibt es eine Orientierung auf WindowsXP für Arbeitsplätze/Poolrechner und auf Windows2000 für den möglichen Servereinsatz.

Es dürfte erkennbar sein, dass die mit der Umsetzung dieser Anforderungen verbundenen Arbeiten nicht von heute auf morgen realisierbar sind. In den nächsten Ausgaben der "Mitteilungen des URZ" soll deshalb der jeweilige Stand der Aktivitäten dargestellt werden, wie auch Konkretisierungen hinsichtlich technologischer Vorhaben.

Künftige Nutzerverwaltung - Varianten für Windows

Einer der wichtigsten Gesichtspunkte bei der öffentlichen Bereitstellung einer Betriebssystemplattform ist die Frage der Nutzerverwaltung und Authentifizierung. Dabei steht zwar die Sicherheit im Vordergrund, aber Nutzeridentifikation ist z.B. auch für die Abrechnung von Druckjobs erforderlich. Nicht zu vernachlässigen ist die Anpassung der Oberfläche an persönliche Vorstellungen und die individuelle Konfiguration der Anwendungsprogramme, welche oft die tägliche Arbeit erleichtern.

Aktueller Stand

Für die Windowsplattform in den Ausbildungspools und an Mitarbeiterarbeitsplätzen kommt derzeit die Technologie einer Domain zum Einsatz. Hierbei übernehmen 3 Server die Verwaltung der Nutzeraccounts. Das bedeutet, dass eine eigenständige Datenbasis mit Nutzerkennzeichen und Passwörtern für diese Windowsdomain existiert. Eine Synchronisation mit den für E-Mail, WWW und Linux-PCs existierenden Passwörtern ist nur über Umwege in beschränktem Umfang möglich. Die Bereitstellung der Konfigurationsinformationen für Oberflächen und Anwendungsprogramme erfolgt bereits über das AFS-Homeverzeichnis des Nutzers.

Ziele

Ziel beim Aufbau der zukünftigen Windowsplattform soll aus Nutzersicht ein einheitlicher Mechanismus zur Authentifizierung mit URZ-Account und eine transparente Sicht auf das Homeverzeichnis sein.
Aus administrativer Sicht wird nach einer möglichst einfachen Struktur gesucht, welche eine sehr gute Integration in vorhandene Dienste des URZ erlaubt. Eine zentrale Rolle wird dabei weiterhin AFS als Netzwerkfilesystem für die Homeverzeichnisse spielen. Aus Sicht der Nutzerverwaltung eröffnen sich einige Realisierungsmöglichkeiten, welche nachfolgend näher betrachtet werden sollen.

Migration der Domain "URZ_POOLS"

Eine Möglichkeit beim Aufbau einer künftigen Windowsplattform stellt die Migration der laufenden Domain "URZ_POOLS" dar. Der Aufwand dafür lässt sich zwar schwer abschätzen, da bekanntlich in den Details die Probleme versteckt sind, wird aber vom Hersteller als gering beziffert. Eine schrittweise Aktualisierung der Arbeitsstationen ermöglicht somit einen "sanften" Übergang. Ein gravierender Nachteil liegt hier in der Übernahme der vorhandenen Technologie und damit verbundener Probleme. Die Möglichkeit eines neuen Entwurfs des Gesamtsystems sowie die Erprobung neuer Lösungen werden dabei regelrecht verbaut. Deshalb wird diese Variante als nicht zukunftsorientiert betrachtet.

Active Directory und die Folgen

Neben der Migration der vorhandenen Domain besteht auch die Möglichkeit, eine neue Domain-Struktur auf Basis von Active Directory aufzubauen. Dabei tritt aber wieder das Problem der Nutzerverwaltung auf. Eine Anbindung an vorhandene Dienste wie die URZ-Account-Datenbasis MoUSE ist nur über zusätzliche Programmieraufwendungen möglich. Ein Passwortabgleich mit AFS scheint nicht möglich. Neben den erwähnten Problemen erfordert die Einführung von Active Directory einige grundlegende Änderungen an zentralen Netzdiensten DHCP und DNS. Die Aufwendungen für diese technologische Variante scheinen in einem ungünstigen Verhältnis zu den nutzbaren Features von Active Directory zu stehen.

GINA - Graphical Identification and Authentification

Hinter dem Titel GINA verbirgt sich eine Entwicklerschnittstelle von Microsoft für zusätzliche Identifizierungsverfahren. Beispielanwendungen sind z.B. Smartcards oder biometrische Verfahren. Daneben existieren aber auch einige freie Projekte, meist universitärer Einrichtungen, welche die Synchronisation von Nutzeraccounts zwischen UNIX- und Windowssystemen unterstützen. Ein auf AFS-Authentifizierung basierendes Modul wird seit einiger Zeit als alternative Lösung zur Windowsdomain erprobt. Vorteilhaft ist eine schnelle, domain-unabhängige Anmeldung. Demgegenüber stehen Aufwendungen für die Pflege von Systemrichtlinien (Policies), welche bisher über das Domain-Konzept abgedeckt wurden.

Ausblick

Keine der dargestellten Varianten kann als die ideale Lösung für die Nutzerverwaltung der zukünftigen Windowsplattform betrachtet werden. Im Rahmen von Experimenten und Testumgebungen sind weitere Möglichkeiten unter Einbeziehung des OpenSource-Projektes SAMBA zu untersuchen. In der Gesamtkonzeption müssen neben den Aspekten der Nutzerverwaltung noch weitere Punkte wie Softwareinstallation u.v.m. beachtet werden.

Softwaredienst

Aktueller Stand

Softwarenutzung

Zwei Varianten:
Nach Abschluss einer Vereinbarung zwischen URZ und Nutzer wird eine einmalige lokale Basisinstallation realisiert, mit einem einmaligen Entgelt für technologisch bedingte Systemsoftware.
Weiterhin ist ein Zugriff auf zentrale kostenpflichtige Software möglich. Die Anzahl der kostenpflichtigen Software wird mit diversen Lizenzmanagern, Dongles bzw. Installationscodes begrenzt. Durch Rechtevergabe können Lizenzen nur bestimmten Nutzern zugeteilt werden. Bei dieser Nutzungsart stehen dem Nutzer pro Arbeitsplatz theoretisch 107 Programme zur Verfügung. Für die kostenpflichtige Software ist vereinbarungsgemäß eine Kostenbeteiligung pro Mitarbeiterarbeitsplatz zu entrichten.

Installation/Verteilung

Neu installierte Software wird mittels Administrationstools (MS Systems Management Server bzw. selbst entwickeltem Managementscript) auf die Arbeitsplätze verteilt. Für einige Programme ist es notwendig, dem Nutzer eine persönliche Nutzerumgebung (z. B. Umgebungsvariable, Registryeinträge, notwendige eigene Systemdateien usw.) einzurichten. Das erfolgt mittels eines Scriptes, das alles Erforderliche beim erstmaligen Start des Programmes generiert.

Probleme

Künftige Softwareinstallation und -wartung

Ziele

Softwarebereitstellungsvarianten

Softwareprodukte

Die im bisherigen Windows NT-Administrationsdienst angebotene Vielzahl von Softwareprodukten muss zurückgefahren werden auf Software, die vom URZ effektiv gewartet und unterstützt werden kann (Netzwerktauglichkeit, Lizenzbestimmungen, Kosten). Sowohl die verringerten Kosten als auch der bessere Support dürften den meisten Nutzern Vorteile bringen. Einzel- bzw. Spezialsoftware sollte vom Nutzenden selbst beschafft und gewartet werden - bei Ausnutzung der vom Händler oder Hersteller angebotenen Zusatzleistungen - , da eine zentrale Beschaffung keinerlei Synergieeffekt bringt.

Vom URZ ist eine Liste empfohlener Software zu erarbeiten und mit den potentiellen Nutzern zu diskutieren. Empfohlene Software soll Bestandteil einer Basisinstallation sein und außerdem für eine entsprechend breite Nutzung exklusiv positioniert werden. Dabei ist neben Effizenz besonders auf Standards, offene Protokolle, Plattformunabhängigkeit und Zukunftssicherheit zu achten.

C.Ziegler, E.Wegener, A.Heik, URZ, 07. Mai 2002