Verliebt in heiße Eisen

Das ausgefallene Hobby eines Elektronik-Experten


(PES) Es gibt Uni-Angehörige, die haben ausgesprochen seltene Hobbies. So auch Dr. Wolfgang Seckel, wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Professur Mikrotechnologien. Seit 20 Jahren sammelt er Bügeleisen aus aller Herren Länder. Doch wie kommt ein Mann zu solch ausgeprägter Sammelleidenschaft für die "Plätteisen", wie sie im Volksmund genannt wurden?

Diebische Freude auf dem Trödelmarkt

"Es war der Ingenieur in mir. Ich bin immer wieder verblüfft, welch geniale Lösungen die Menschen entwickelten, um die Effektivität von Bügeleisen zu verbessern. Das ging über die verschiedenen Beheizungsmöglichkeiten von Holzkohle, erhitztem Stahl, Spiritus, Benzin bis hin zum Stadtgas. Und seit 100 Jahren auch mit Strom. Außerdem gab es bis 1950 wunderschöne Bügeleisen, zum Beispiel in Schwanform oder eines, das wie ein Zeppelin aussah", verrät Seckel, der sich als absoluter Kenner der Stoffglätter entpuppt. Sein erstes Bügeleisen ist ein ganz einfaches aus Schlesien und war Auslöser für seine Sammelleidenschaft. 400 Exemplare hat er bis heute zusammengetragen, die meisten sind Mitbringsel von Trödelmärkten aus aller Welt, zum Beispiel aus England, Frankreich, den USA, Indien, Nepal und Australien. "Früher habe ich viele Annoncen aufgegeben und durch Beharrlichkeit viele Stücke erstanden. Heute ist es ein Kinderspiel an alte Bügeleisen heranzukommen. Es gibt Sammlertreffen, wo man so gut wie alles kaufen kann, man braucht nur noch auszuwählen und zu bezahlen, wenn das nötige Kleingeld vorhanden ist. Ich liebe aber das Erlebnis des wahren Sammelns und der diebischen Freude, wenn man auf dem Flohmarkt ein Schnäppchen gemacht hat", schmunzelt Wolfgang Seckel, der auch schon ein Fünfzehn-Kilo-Eisen nach Hause geschleppt hat.

Pfanneisen jenseits der Großen Mauer

Obwohl er nicht von jedem seiner Bügeleisen die genaue Herkunft und das Alter kennt, weiß er wahnsinnig viel über die Geschichte des beliebten Haushaltgerätes zu erzählen: "Die ersten Bügeleisen stammen aus China und sind etwa 2.000 Jahre alt. Es handelte sich um ein tiegelförmiges Behältnis, ein sogenanntes Pfanneisen aus Bronze, welches vermutlich durch Holzkohle oder heißen Sand erhitzt wurde. Im 10. bis 12. Jahrhundert entwickelte man die ersten Bügeleisen in Mittel- und Nordeuropa", erzählt der gebürtige Zwickauer. Um 1600 gab es bereits das Bolzenbügeleisen, bei dem ein erhitzter Stahl eingeführt wurde. Diese ältesten Geräte, die für Sammler bis zu 30.000 Mark kosten können, stammen hauptsächlich von den Nürnberger Messingschmieden und sind heute im Germanischen Nationalmuseum in Nürnberg zu bewundern. 1881 wurde in den USA das erste elektrisch betriebene Gerät patentiert."

Sammlertreffen in der ganzen Welt

Wolfgang Seckel hat bisher acht Ausstellungen veranstaltet, so zum Beispiel auf Burg Schönfels bei Zwickau und im Melanchthon-Haus in der Lutherstadt Wittenberg. Besonders beliebt sind bei den weltweit stattfindenen Sammlertreffen die Vorführung einiger "alter Eisen". "Meine Stücke sind zwar in technisch einwandfreiem Zustand, aber nicht mehr alle sind funktionstüchtig. Ich lasse heute auch lieber mit einem modernen Gerät bügeln", betont Seckel, der viel Zeit für sein Hobby "opfert". Jetzt schreibt er gerade wieder Grüße an den "europäischen Sammlerkern."

 Über 400 Bügeleisen aus aller Welt hat Dr. Wolfgang Seckel bereits zusammengetragen.
Foto: Peter Zschage


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HTML-Version von Enrico Peuschel, 11. Januar 2001