Ein promovierter Windelentwickler
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Christopher Fuchs, von 1995 bis 1997 Doktorand an der TU Chemnitz, arbeitet jetzt als Produktentwickler für Windeln bei "Procter & Gamble". Der gebürtige Karlsruher und heute 32-Jährige erzählt im TU-Spektrum von seinem interessanten Beruf und blickt auf den Aufenthalt in Chemnitz zurück. Hat das Thema Ihrer Doktorarbeit etwas mit Ihrer jetzigen Arbeit zu tun? Das Thema lautete "Mechanismen des Elektronentransfers in molekularen Systemen". Es hat nicht allzu viel mit meiner jetzigen Tätigkeit zu tun. Da ich als Chemniker am Chemnitzer Institut für Physik (Professur Theorie ungeordneter Systeme) promoviert habe und mich mit Computersimulation beschäftige, habe ich genau die richtige Mischung an breiter naturwissenschaftlicher Ausbildung, die ich für meine tägliche Arbeit benötige. Wie gelang der Sprung von der TU zu Procter & Gamble? Ich finde die Konsumgüterindustrie faszinierend, weil die Innovationszyklen sehr kurz sind und man die Früchte der eigenen Arbeit noch zu Lebzeiten erntet. Innovationen an denen ich arbeite, sehe ich spätestens nach zwei Jahren in den Supermärkten und in der Fernsehwerbung. Das ist sehr motivierend. Viele große internationale Konsumgüterfirmen gibt es nicht. Auf Procter & Gamble wurde ich durch einen Freund, der dort ein Praktikum gemacht hat, und im Internet aufmerksam. Welche Anforderungen standen beim Bewerbungsgespräch im Vordergrund? Es wurde versucht, herauszufinden, ob ein Theoretiker wie ich überhaupt richtig "anpacken" kann - so im Sinne von Berührungsangst freier Bastelei an Windelprototypen und der Fähigkeit mit anderen Kollegen zusammen arbeiten zu können, die eine ganz andere Art des Denkens haben. Es war nicht leicht, alles in einem Gespräch rüber zu bringen. Was machen Sie heute bei "Procter & Gamble"? "Windelentwickler" hört sich wohl komisch an. Mein offizieller Titel nennt sich "Senior Scientist", so eine Art Gruppenleiter. Ich bin zuständig für einen Teil der Rohmaterialien für "Pampers". Ich arbeite viel mit Produktde-signern, Prozessentwicklern, Einkäufern und natürlich mit den Lieferanten zusammen. Dies ist eine sehr globale Verantwortung, die viele Geschäftsreisen mit sich bringt. Gibt es in dem Bereich "Windeln" überhaupt Innovationen am laufenden Band? Es gibt sogar eine Menge Innovationen. Procter & Gamble investiert eine Menge Geld, da der Windelmarkt hart umkämpft ist. Wie sieht Ihr Arbeitstag aus? Quantitativ etwa elf Stunden. Davon arbeite ich vielleicht zehn Prozent im Labor. Der Rest ist Projektarbeit mit vielen verschiedenen Kollegen aus mehreren Nationen. Den halben Tag spricht man hier Englisch. Spaß machen die Dienstreisen, die mich hauptsächlich in die USA, nach Skandinavien, Japan und natürlich quer durch Deutschland führen. Haben Sie selbst Kinder und probieren Sie die neuen Windeln dort gleich aus? Ich habe einen Sohn. Alexander ist jetzt drei Jahre alt und aus dem Windelalter heraus. Aber als er kleiner war, hat er auch unsere Windeln getragen. Wenn Sie an Chemnitz und die Uni zurückdenken, was ist in guter Erinnerung, was gefiel Ihnen nicht? Die Ausstattung der Uni ist sehr gut. Das ermöglicht eine gute Forschung. Insgesamt herrschte eine dynamische Stimmung, wenn auch nicht alles an Chemnitz und der TU schön war. Zum Beispiel keine Fußgängerzone, keine Altstadt, eine Mensa mit schlechtem Essen und dunkle Flure mit Linoleumgestank. Die Leute waren aber sehr locker, man wurde spontan zu Feten eingeladen und ich hatte innerhalb kurzer Zeit viele Freunde. Die Stadt entwickelte sich damals rasend schnell, zum Beispiel die Renovierung des Sonnenbergs oder die Eröffnung neuer Kneipen fast im Wochenrhythmus. Insgesamt war Chemnitz eine sehr positive Erfahrung! Das Interview führte Peggy Schellenberger. |
| Dr. Christopher Fuchs
und sein Sohn: Was der Papa bei "Procter & Gamble" entwickelte, konnte
der kleine Alexander gleich testen. Mittlerweile ist er aus dem Windelalter
heraus. Foto: privat |
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