TU Spektrum 4/1995
* Magazin der Technischen Universität Chemnitz-Zwickau *

VERANSTALTUNGEN


Internationaler FORON-Workshop '95

BILD Teilnehmer des Oberwiesenthaler FORON-Workshops im September 1995. Die Studenten erarbeiteten unter Anleitung von Prof. Dr. Cornelia Zanger, Professur für Marketing der TU Chemnitz-Zwickau, eine Kommunikationsstrategie für FORON.

Die vom ostdeutschen Haushaltgerätehersteller FORON verwaltete FORON-Stiftung lud im September zum Internationalen FORON-Workshop in Oberwiesenthal ein. Die Professur für Marketing der TU übernahm dabei die Aufgabe, mit einer Gruppe von Marketingstudenten eine Imagestrategie für FORON zu entwickeln.

FORON - im Überblick

Die FORON Hausgeräte GmbH gilt spätestens seit der Erfindung des FCKW- und FKW-freien Kühlschranks in Zusammenarbeit mit Greenpeace als eines der innovativsten und umweltbewußtesten Unternehmen Deutschlands im Bereich der "weißen Ware". Zahlreiche Auszeichnungen in der jüngsten Zeit, zuletzt u. a. der Preis des Designzentrums Nordrhein-Westfalen für höchste Designqualität, belegen die Leistungen auf den Gebieten Innovation, Ökologie und Design. In diesem Zusammenhang wurde die Erfindung des neuen zylindrischrunden Kühlschranks mit extrem niedrigem Energieverbrauch, vollständiger Recyclingfähigkeit und weitgreifender Geräuschminimierung prämiert. Vom Preisgeld des 1. Deutschen Umweltpreises, den die Firma FORON 1993 erhielt, gründete die FORON Hausgeräte GmbH die FORON-Stiftung. Diese Stiftung ermöglichte in diesem Jahr zum 2. Mal die Durchführung eines themengebundenen Workshops mit Studenten aus wissenschaftlichen Universitäten und Hochschulen.

Internationale Beteiligung

Die Resonanz auf die Aussschreibung des Workshops seitens der Studenten war sehr positiv. Für die Chemnitzer Marketingwissenschaftler wurde es eine spannende Aufgabe, zehn Examensstudenten von deutschen Marketinglehrstühlen, so von den Universitäten Köln, Frankfurt, Mannheim, Bamberg, Rostock, Potsdam, Halle, Chemnitz und von der Aarhus School of Business in Dänemark zu moderieren. Neben der Marketinggruppe arbeiteten im Workshop sechs angehende Ingenieure von deutschen und polnischen Hochschulen an Lösungen für energieeffizientes Kochen.

Mehr Image ist gefragt

Ziel der Marketingstudenten war es, eine Image-Kampagne zu entwickeln, um der Marke FORON in den alten Bundesländern zu einer größeren Bekanntheit zu verhelfen und in den neuen Ländern die Leistungen der Traditionsmarke FORON auf den Gebieten Innovation, Ökologie und Design zu kommunizieren. Dabei ging es nicht vordergründig darum, sofort praktisch umsetzbare Lösungen zu suchen. Ziel war es vielmehr, all das Universitätswissen phantasievoll in innovative, kreative und auch gewollt überraschende Ideen für eine Imagestrategie umzusetzen. Mit Hilfe des Marketing-Lehrstuhls der TU Chemnitz-Zwickau wurde in einem ersten Schritt eine Situations- und Zielgruppenanalyse durchgeführt. In einem zweiten Block erfolgte die Entwicklung verschiedener Imagestrategien für die Marke FORON, die die Markenzeichen Innovation, Ökologie und Design berücksichtigen. Ein dritter Teil befaßte sich mit dem Einsatz neuer elektronische Medien im Rahmen der neu entwickelten Image-Strategie.

Werbung in neuen Medien

Die Marketinggruppe stellte bei der Situationsanalyse fest, daß der Markt für Haushaltsgeräte in Deutschland im allgemeinen gesättigt ist, und sich darüber hinaus die angebotenen Produkte auf einem sehr hohen Qualitätsniveau befinden. Für den Laien sind produkttechnische Unterschiede kaum wahrnehmbar. Vor allem in den alten Bundesländern, in denen die Marke FORON weitgehend unbekannt ist (Markenbekanntheit weniger als ein Prozent - nur im Zusammenhang mit Greenpeace-Engagement), erscheint es schwierig, für einen relativ neuen Anbieter Marktanteile zu erringen. Ziel einer Imagestrategie muß es daher sein, die Marke FORON in den alten Ländern erst einmal bekannt zu machen und bundesweit eine hohe Markensympathie zu erlangen. Deshalb wurde von den Studenten vorgeschlagen, eine Imagekampagne für die Marke FORON zu initiieren. Ein wesentliches Problem stellt in diesem Zusammenhang die Überlastung der Konsumenten mit Informationen aus den Medien dar. Z. B. werden über 90 Prozent der angebotenen Werbeinformation in TV, Hörfunk und Zeitschriften vom Konsumenten überhaupt nicht wahrgenommen. Dadurch wird es immer schwieriger, den Kontakt zum Verbraucher aufzubauen. Um Interesse beim Konsumenten zu wecken, genügt es nicht mehr, traditionelle Werbeargumente wie Preis, Lebensdauer, Zuverlässigkeit oder Service in den Vordergrund zu rücken. Innovative Wege der Informationsübermittlung an potentielle Kunden sind gefragt. Die Studenten entwickelten die Vision einer erlebnisorientierten Imagekampagne, die eine gefühlsmäßige Bindung des Konsumenten an die Marke FORON zum Ziel hat. Zur Kontaktaufnahme mit dem Verbraucher schlugen die Studenten vor, zusätzlich zu den etablierten Medien unkonventionelle Informationskanäle wie Online-Dienste (INTERNET), Interaktives Fernsehen (Teleshopping) und Multimediasysteme am Point of Sale zu nutzen.

Nachvollziehbare Visionen

Die Ergebnisse wurden am 22. 09. 1995 auf Burg Scharfenstein im Erzgebirge der FORON-Geschäftsführung präsentiert. Der Geschäftsführer der Firma FORON, Eberhard Günther, schätzte die z. T. futuristisch anmutenden Image-Visionen nachvollziehbarer als die Vorschläge mancher Werbeagenturen ein. Besonders hoch bewertete er das unkonventionelle, phantasievolle Herangehen der Stundenten, das nicht durch kommerzielles Denken und die Forderung nach sofortiger Machbarkeit in seinem innovativen Charakter behindert wird. Damit gingen zwei abwechslungsreiche Wochen zu Ende, die neben ernster wissenschaftlicher Arbeit die Studenten aus verschiedenen Hochschulen auch bei sportlichen und kulturellen Aktivitäten zusammenführten.

Prof. Dr. Cornelia Zanger
Fakultät für Wirtschaftswissenschaften


Erstsemester heiß auf Mathe

BILD Mit Zirkel und Lineal einen Kreis in ein flächengleiches Quadrat verwandeln - daran zerbrachen sich schon die alten Griechen den Kopf.


Einen erfreulich großen Zuspruch fand ein erstmalig von der Fakultät für Mathematik im September 1995 organisiertes "Mathematisches Vorsemester". Etwa 80 zukünftige Studenten fast aller Fakultäten der TU Chemnitz-Zwickau nutzten das Angebot der Professoren Dr. Volker Mehrmann und Dr. Dieter Happel, schon mal zwei Wochen vor Semesterbeginn Hörsaalluft zu schnuppern. Das Anliegen der Veranstaltung war, die künftigen Studiosi schon mal mit einigen Seiten der Hochschulmathematik bekannt zu machen, die ja doch etwas anders betrieben wird, als man das vom Gymnasium her kennt. Die Hörer vermerkten erfreut, daß sie nicht mit Wiederholungen und Auffrischungen vergessener Fähigkeiten im Stile sogenannter "Brückenkurse" gelangweilt wurden, sondern in Vorlesungen und Übungen etwas Neues über zwei aktuelle und "spannende" mathematische Gebiete erfuhren und selbst erste Erfahrungen sammeln konnten. Unter der Überschrift "Chaos, itegrierte Abbildungen und das Newtonverfahren" wurde eines der zur Zeit medienwirksamsten Teilgebiete der Mathematik vorgestellt. Dahinter verbirgt sich das Studium von nichtlinearen Systemen von Gleichungen und Differentialgleichungen, die zur Modellierung von zahlreichen, teilweise sehr komplexen Phänomen in Naturwissenschaften und Technik dienen. Die Teilnehmer konnten feststellen, daß sich bereits an einfachen Beispielen viele interessante Effekte studieren lassen. Die zweite Thematik "Konstruktion mit Zirkel und Lineal" ist fast so alt wie die Mathematik selbst. Schon im alten Griechenland zerbrach man sich den Kopf, wie nur mit Zirkel und Lineal ein Kreis in ein flächengleiches Quadrat verwandelt werden kann. Auch heute gehen in vielen mathematischen Instituten Konstruktionsvorschläge von Hobbymathematikern ein, die glauben, das Problem gelöst zu haben. Als Mathematiker weiß man, daß alle diese Lösungen falsch sein müssen. Von der Theorie, die sich dahinter verbirgt, wurde den zukünftigen Studenten des ersten Semesters ein verständlicher Einblick vermittelt. Praktische Übungen mit und ohne Computer ergänzten das Programm. Von den Teilnehmern wurde es als sehr vorteilhaft empfunden, daß man sich ohne Hektik in Ruhe mit der Chemnitzer Uni bekanntmachen konnte - die Gelegenheit, schon mal den U-Key für die Mensa zu erwerben oder im BaföG-Amt vorbeizuschauen. Vom Erfolg ermutigt, wird die Fakultät für Mathematik mit Sicherheit im nächsten Studienjahr wieder ein Angebot machen.

Dr. Peter Weigand
Fakultät für Mathematik


Wissenstransfer in die Wirtschaft

Geschäftsführertreffen des Verbandes der Sächsischen Metall- und Elektroindustrie (VSME)

BILD Prof. Dr. Klaus-Jürgen Matthes, Dekan der Fakultät für Maschinenbau und Verfahrenstechnik (r.), erläuterte den Gästen des VSME-Geschäftsführertreffens das Lehr- und Forschungspotential seiner Fakultät.


(St) Ende September 1995 trafen sich die Geschäftsführer der Mitgliedsfirmen des Verbandes der Sächsischen Metall- und Elektroindustrie e.V. (VSME) mit Vertretern der TU Chemnitz-Zwickau, um die verbandsrelevanten Forschungsschwerpunkte der Universität kennenzulernen. Nach Aussage des Chemnitzer VSME-Vorstandsvorsitzenden Wolfgang Sittig möchten die Verbandsmitglieder zukünftig verstärkt Forschungsergebnisse aus der Chemnitzer Uni in die Metall- und Elektroindustrie transferieren und die Kooperation unter Berücksichtigung finanzieller Fördermöglichkeiten forcieren. Darüber hinaus beabsichtigen die VSME-Mitglieder, zukünftig die Kapazitäten des Universitätsrechenzentrums, der Uni-Bibliothek, des Patentinformationszentrums sowie der zahlreichen Forschungsstätten in größerem Umfang als bisher in Anspruch zu nehmen. Die Universität brachte während des Treffens das Forschungs- und Ausbildungspotential der TU und ihre Vorstellungen hinsichtlich der Bereitstellung von Praktikumsplätzen und Diplomarbeitsthemen sowie des Einsatzes von Absolventen gegenüber den Geschäftsführern der sächsischen Metall- und Elektroindustrie zum Ausdruck. Die Chemnitzer Alma mater will sich zukünftig dafür einsetzen, daß beide Seiten ihre Werbeaktivitäten für naturwissenschaftliche und ingenieurtechnische Studiengänge verstärken, um den Wirtschaftsstandort Sachsen zu erhalten.


3. Bahnlaufseminar der Polygrafen

BILD Teilnehmer des 3. Bahnlaufseminares während der Firmenpräsentation im Versuchsfeld des Institutes für Polygrafische Technik i.G.


Großen Zuspruch fand im September 1995 das vom Institut für Polygrafische Technik i.G. durchgeführte 3. Bahnlaufseminar mit etwa 60 Teilnehmern von 30 Einrichtungen und Firmen aus drei Ländern. Der beim zweiten Seminar noch beklagte Mangel der zu geringen Teilnahme von Druckereien wich einer guten Parität mit den Maschinenbauern, Meßtechnikherstellern und Lehr- und Forschungseinrichtungen. So konnten ein reger Erfahrungsaustausch geführt sowie neue Forschungsergebnisse und innovative Meßverfahren vorgestellt werden. Letzteres wurde durch Präsentationen der Firmen Erhardt und Leimer Augsburg, EMCO Leipzig und DKS Dresden im Versuchsfeld des Instituts unterstützt. Rege Diskussionen zu den acht Vorträgen in den Problemkreisen Modellierung und Simulation des Bahnlaufs, Meßtechnik, Feuchteeinflüsse im Bahnlauf sowie die Vielzahl der gewünschten Nachkontakte bewiesen die Aktualität der angesprochenen Fragen und zeigten auf, welche Gebiete weiterhin einer systematischen Bearbeitung und Analyse harren. Fazit ist, daß das 4. Bahnlaufseminar im Jahr 1997 stattfinden wird. Alle Fachkollegen, die zum Gelingen der Veranstaltung durch Kurzvorträge und Diskussionen beitrugen, sei an dieser Stelle nochmals gedankt.

Dr. Jürgen Gottlebe
Fakultät für Maschinenbau und Verfahrenstechnik


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HTML-Version von Ralph Meyer, 11. Dezember 1995