HBFG-Projekt: Kommunikations- und
Applikationsserver-Infrastruktur


Das im Jahr 2001 vom URZ initiierte HBFG-Projekt zum weiteren Ausbau der Kommunikations- und Applikationsserver-Infrastruktur des Campusnetzes kann auf Grund der Mittelfreigabe noch in diesem Jahr realisiert werden. Das Projekt wurde bereits in der Ausgabe 4/2001 der URZ-Mitteilungen vorgestellt, siehe http://archiv.tu-chemnitz.de/pub/2001/0101/data/kasi.html. Nachfolgend wird über die einzelnen Teilgebiete des Projekts berichtet.

Netzwerktechnik

Im Rechenzentrum wird mit dem Einsatz leistungsfähiger neuer Servertechnik damit begonnen, diese mit Gigabitethernet an den Backbone anzuschließen. Auf der Serverseite sind die entsprechenden Netzwerkkarten inzwischen recht preiswert geworden. Allerdings ist für die Anschaltung an den Backbone ein deutlich höherer Investitionsanteil erforderlich. Während eine Netzwerkkarte bei ca. 150 Euro liegt, muss man für den Switchportanteil zusätzlich rund 1000 Euro kalkulieren.

Bei den anzuschaltenden Servern müssen wir 2 Kategorien unterscheiden:

Die Server verfügen neben der Gigabitethernet-Netzwerkkarte noch über ein Fastethernet-Karte, die zur Ausfallsicherung benutzt werden soll. Das folgende Bild soll die gewählte Anschaltung verdeutlichen.

Netzanschaltung

Kommunikationsserver

Im Rahmen des Projekts werden neue Server für WWW, WWW-Cache, FTP und E-Mail beschafft. Neben einer höheren zeitgemäßen Leistungsfähigkeit (2 CPU, 3GB-RAM, Gigabit-Netzkarte), wurde besonderer Wert auf die Zuverlässigkeit der Systeme gelegt. An Stellen, wo Redundanz möglich und bezahlbar ist, wurden dafür Vorkehrungen getroffen:

WWW-Server und WWW-Cache-Server werden in der bewährten Technologie hinter einem neuen Level-4-Switch betrieben. Die einzelnen Funktionen werden also nochmals redundant abgesichert, so dass Ausfälle und Wartungen ohne Serviceverlust realisierbar sind. Die Daten von www und www-user liegen weiterhin im AFS. Durch die neu eingesetzte Servertechnik erhoffen wir uns aber auch hier eine noch höhere Stabilität.

Der FTP-Service wird auch durch den Level-4-Switch abgesichert. Hier ist jedoch geplant, die FTP-Daten auf einem eigenen RAID unterzubringen. Damit kann für diesen speziellen Service ein besserer Durchsatz erreicht werden. Allerdings sind somit auch nicht mehr alle Daten per AFS erreichbar - hier werden wir nur noch wenige Daten nochmals ins AFS spiegeln. Neben dem FTP-Protokoll werden die FTP-Daten auch über das HTTP-Protokoll bereitgestellt.

Weiterhin werden 2 Mailboxserver zum Einsatz kommen. Die Mailordner der Nutzer sind dann auf einem leistungsfähigen RAID untergebracht, das mit 2 HOST-Anschlüssen an beide Rechner angeschlossen ist. Der zweite Rechner soll dann im Bedarfsfall den Service des ausgefallenen Rechners übernehmen. Zusammen mit der eingesetzten RAID-Technik erwarten wir dadurch eine höhere Zuverlässigkeit und natürlich auch eine bessere Performance.

Fileserver

Das in der Antragstellung formulierte Konzept zur Modernisierung der Fileserver-Struktur und Datensicherungs-Technologie wird unter Berücksichtigung der technischen Weiterentwicklung umgesetzt.

Ein Fileserver besteht aus einem Server-System (2 CPU, 3GB RAM, Gigabit-Ethernet) und einem daran über LVD-SCSI angeschlossen RAID-System (ca. 2TB Nettokapazität). Diesem Server zugeordnet wird ein Backupserver, an den zwei RAID-Systeme angeschlossen sind. Insgesamt werden vier derartige System (bestehend aus File- und Backupserver) installiert.

Die Betriebstechnologie sieht vor, die Daten des Fileservers jede Nacht mit entsprechenden AFS-Mitteln ("vos release") in einer Readonly-Form an den Backup-Server zu kopieren. Dazu wird eines der beiden dort angeschlossenen RAID-Systeme genutzt. Das zweite RAID-System hält Kopien dieser Daten, die ebenfalls mit AFS-Mitteln ("vos dump") nach unterschiedlichen Strategien angefertigt werden. Dabei entstehen Dump-Files, die zum Zweck des Rückgriffs auf ältere Stände gehalten werden. Das dabei geplanten Regime ist der Skizze zu entnehmen.

Ebenfalls zum Zweck der Datensicherung wird jeweils am Wochenende mit AFS-Mitteln ("vos backup") der Zustand der Daten am Fileserver "eingefroren".

Für alle Daten werden damit neben dem jeweils aktuellen Stand noch der Stand vom letzten Wochenende und vom vergangenen Tag online erreichbar sein. Auf andere Stände wird man über ein Restore-Verfahren zugreifen können.

Bei Ausfall des Fileservers oder des RAID-Systems am Fileserver kann eine relativ schnelle Wiederverfügbarkeit erreicht werden, da lediglich die Daten am Backupserver vom Readonly-Zustand in den Read/Write-Zustand versetzt werden müssen. Es ist also kein aufwendiges Restore-Verfahren erforderlich.

Die folgende Prinzip-Skizze illustriert die neue Technologie. Struktur der Fileserver

Mit der Umsetzung werden neben den für die Benutzer sichtbaren Effekten eine Reihe von Zielen erreicht:

Die dazu notwendigen Reorganisationsarbeiten werden unmittelbar nach der Beschaffung und Inbetriebnahme der neuen Servertechnik in Angriff genommen. In einigen Details wird es dabei auch zu Umstellungen kommen, die die Benutzer bemerken. So wird sich die Bedeutung des Verzeichnisses BACKUP im HOME-Verzeichnis ändern. Vor Inbetriebnahme solcher Änderungen werden wir explizit informieren.

Applikationsserver

Seit dem Zeitpunkt der Antragstellung wurden die verschiedenen Szenarien der Nutzung von Applikationen mit hohen Ressourcenanforderungen mit den Anwendern ständig weiter diskutiert. Dabei ergab sich u.a., dass die Notwendigkeit der Bereitstellung von Computeservern mit verschiedenen UNIX-Betriebssystemen nicht mehr gegeben war. Von den Nutzern wird lediglich gefordert, dass auf dem Server (bzw. den Servern) eine geeignete, leistungsfähige Umgebung zur Entwicklung der eigenen Software vorhanden ist (z.B. Compiler). Weiterhin müssen die im Antrag genannten kommerziellen Anwendungen verfügbar sein. Insbesondere bezüglich der Frage des zugrundeliegenden Betriebssystem sind die Anwender jedoch - in der Regel - offen.

Aufgrund dessen und unter dem Blickwinkel eines optimalen Preis-Leistungs-Verhältnisses haben wir deshalb gemeinsam mit den potentiellen Nutzern entschieden, auf einen Applikationsserver für die Plattform HP-UX zu verzichten. Stattdessen werden die Möglichkeiten zum Hochleistungsrechnen unter Linux stärker ausgebaut.
Dabei wird jetzt ein Itanium2-basiertes System "HP rx5670" erworben, das hinsichtlich Rechenleistung und Speicherkapazität attraktiv ist für die betreffenden Nutzer. Das System wird mit 2 Prozessoren (jeweils mit 1 GHz getaktet) und 12 GB RAM ausgestattet sein. Mit dieser Konfiguration ist der maximale Ausbau der Maschine erreicht (es sei denn, man bildet den Speicher aus 2GB-Moduln, die aber derzeit indiskutabel teuer und außerdem wohl physisch auf dem Markt noch nicht vorhanden sind).
Auf dem Rechner wird das aktuelle Red Hat Linux installiert, so dass er sich bezüglich der Nutzerschnittstelle nicht von anderen Linux-Servern oder auch von den Poolrechnern unterscheidet.
Dieser Applikationsserver wird für uns das erste Linuxsystem sein, das auf einer 64Bit-Architektur basiert. Insofern betrachten wir den Rechner auch unter dem Blickwinkel der Plattformerprobung, weil gesicherte Erfahrungen über den Betrieb eines solchen Systems im Rechenzentrumsalltag bisher weder in unserem Haus noch in anderen Einrichtungen vorhanden sind.

Zusätzlich dazu wird ein weiterer leistungsfähiger Linux-Computeserver auf der Basis von Dual Intel Xeon 2,4 GHz aufgesetzt. Mit diesem Rechner möchten wir der Liste von Servern dieser Plattform (derzeit janus, pandora und odoaker) ein neues "Zugpferd" voranstellen.

Die gleiche Hardwareausstattung (Dual Intel Xeon 2,4 GHz) haben die beiden Applikationsserver für Windows-Anwendungen. Wie im Beschaffungsantrag spezifiziert, ermöglichen diese Rechner nach der Terminalservertechnologie ein campusweites Angebot von Windows-Applikationen, speziell zur Nutzung durch

Für die beiden Rechner erfolgt ein automatischer Lastausgleich und bei einem eventuellem Rechnerausfall kann die gesamte Arbeit von dem verbleibenden Pendant übernommen werden.

Das Angebot von Windows-Applikationen über die Applikationsserver wird im wesentlichen vom Bedarf der Nutzer, der technischen Realisierbarkeit und den lizenzrechtlichen Randbedingungen der Softwarenutzung bestimmt werden. So verbieten einige Hersteller (darunter Microsoft und Corel) explizit die shared-Nutzung von Lizenzen, die eine Voraussetzung für den Betrieb über einen Terminalserver darstellt.

Günther Fischer, Thomas Müller, Dr. Wolfgang Riedel, November 2002