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Web Accessibility


Motivation

Das Internet hat unser Leben erobert. Es bietet Informationen, Unterhaltung, Shopping- und Kommunikationsmöglichkeiten. Alles ist mit wenigen "Klicks" erreichbar.

Alles? Für jeden?

Oder ist alles nur erreichbar, wenn man eine Maus bedienen, den Bildschirm sehen kann und topfit ist?
Gibt es für uns unsichtbare Barrieren im Internet, die den Zugang zu all diesen Möglichkeiten erschweren? Wie können diese verkleinert werden, damit das Internet wirklich für alle einfach nutzbar wird? Diese Problematik soll im Folgenden unter Web Accessibility verstanden werden.

Wer profitiert davon?

Um die Zugänglichkeit von Webseiten erhöhen zu können, muss man zunächst verstehen, woraus die Einschränkungen resultieren. Diese lassen sich in 3 große Gruppen einteilen - in solche physischer, geistiger oder technischer Natur.

Körperliche Ursachen

Auf den ersten Blick fallen hierunter alle Beeinträchtigungen des Sehens, wie Blindheit oder Fehlsichtigkeiten. Diese führen dazu, dass visuelle Informationen gar nicht mehr oder nur noch sehr eingeschränkt wahrgenommen werden können. Die davon Betroffenen sind auf die Hilfe von Screenreadern angewiesen, die ihnen den Inhalt der Webseite vorlesen. Bei weniger starken Fehlsichtigkeiten werden oft starke Bildschirmlupen verwendet, durch die der mit einem Blick erfassbare Bereich verkleinert wird. Andere Behinderungen dieser Kategorie spielen im übrigen Alltag nur eine untergeordnete Rolle. Darunter fallen zum Beispiel Altersfehlsichtigkeiten, die mit einer Brille korrigiert werden. Weiterhin gibt es noch Farbfehlsichtigkeiten (zum Beispiel Rot-Grün-Schwäche), von denen ca. 8% aller Männer betroffen sind, oft ohne sich dessen bewusst zu sein.

Weitere Einschränkungen resultieren aus Störungen der Grob- oder Feinmotorik. Diese verhindern die Benutzung von Eingabegräten wie Tastatur oder Maus in dem vom Webdesigner vermuteten Sinne. Oft können diese Geräte zwar noch benutzt werden, jedoch ist eine exakte Navigation damit nicht mehr möglich. In vielen Fällen weichen diese Personen auf speziell angepasste Geräte aus, die zum Beispiel mit dem Kopf bedient werden können.

Einschränkungen der akustischen Wahrnehmung, beziehungsweise die Kombination mit oben Genannten, erschweren den Zugang zu den meisten Webseiten noch weiter, da hier auch über den akustischen Kanal keine Informationen übermittelt werden können. Die Diskussion der Anpassung an diese Bedürfnisse würde aber den Rahmen sprengen. Aus diesem Grund sei lediglich auf die unten genannten Links verwiesen.

Geistige Ursachen

In diese Kategorie fallen vor allem Probleme der geistigen Wahrnehmung. So behindern Leseschwächen die Aufnahme von langen Texten. Eine stark unstrukturierte Seite bereitet Menschen mit Lern- oder Konzentrationsschwächen Probleme. Auch Nutzer mit weniger guten Kenntnissen in der Sprache des Dokuments wird so der Zugang oft unnötig erschwert.

Prinzipiell kann aber jeder davon betroffen sein, wenn er einfach abgelenkt ist. Dies wird schnell deutlich, wenn man während eines wichtigen Telefonates versucht, Informationen auf einer Webseite zu finden.

Technische Ursachen

Auch in diese Kategorie fallen Aspekte von denen jeder, wenn auch nur zeitweilig, betroffen sein kann.
Ist man nur über eine "schwache" Anbindung mit dem Internet verbunden, wozu man heute schon fast ein Modem zählen muss, so kann schon einige Zeit vergehen, ehe relevante Informationen vom Browser angezeigt werden. In diesem Fall ist oft das erste Mittel, Bilder nicht anzeigen zu lassen. Auch bei der Verwendung von textbasierten Browsern wie z.B. lynx können Navigationsprobleme auftreten. Des weiteren kann - bedingt durch eine Sicherheitspolitik auf dem verwendeten System - Scripting deaktiviert worden sein.
All diese Aspekte werden oft verharmlost, da dies auf veraltete Systeme hinweist. Aber auch modernsten Systemen kann der Zugang deutlich erschwert werden, wenn man an Handys oder Handhelds denkt. Bei diesen kombinieren sich viele Einschränkungen, wie eine dünne Anbindung, eingeschränkte Grafik und Scriptingmöglichkeiten sowie oft einen kleinen sichtbaren Bereich.

Anhand dieser Beispiele wird deutlich, dass nicht nur einem kleinen Prozentsatz der Zugang erschwert wird, sondern dass praktisch jeder davon betroffen sein kann und somit auch jeder von Verbesserungen auf diesem Gebiet profitieren würde.

Wie kann die Zugänglichkeit verbessert werden?

Nachdem nun deutlich wurde, wie wichtig die Erhöhung der Zugänglichkeit von Webseiten ist, stellt sich die Frage wie dies effizient geschehen kann. Bei der Vielzahl von möglichen Ursachen der Einschränkung kommt man zu dem Schluss, dass es dafür eine Vielzahl von Lösungen geben muss. Es zeigt sich jedoch, dass es einige Veränderungen gibt, die zwar nicht alle Probleme auf einen Schlag beseitigen, die jedoch bei einer Vielzahl der Probleme zu einer deutlichen Verbesserung der Situation führen. Diese Ansätze müssen allerdings auch mit wenig Aufwand umsetzbar sein, denn ein komplettes Redesign des Internetangebotes ist sicherlich nicht sofort möglich. Einige dieser Lösungen sollen nachfolgend diskutiert werden.

Generelle Tipps

Generell lässt sich sagen, dass alle wichtigen Informationen (und das sollten ja an sich alle sein) nicht nur auf eine Art und Weise vermittelt werden sollten. Weiterhin gilt, dass alles so einfach und übersichtilich wie möglich gehalten werden soll, wobei dies nicht spartanisch bedeuten muss.
All diese Regel stellen an sich keine Dogmen dar. Unter bestimmten Umständen kann der "Verstoß" sinnvoll sein, jedoch sollte dies nicht willkürlich geschehen.

Tabellendesign

Tabellen werden aus verschiedenen Gründen benutzt. Zum einem um Daten darzustellen, zum anderen um das Layout zu unterstützen. Diese beiden Einsatzzwecke müssen beim Design klar getrennt werden.

Wie teste ich die Zugänglichkeit ?

Sicherlich wird jeder einsehen, dass Accessibility keine quantitative Größe ist, die mittels eines Werkzeugs gemessen werden kann. Sie ist immer vom Betrachter abhängig und höchstens qualitativ abzuschätzen.

Jedoch existieren einige Tools die bei der Beurteilung der Accessibility der eigenen Webseiten helfen. Dazu zählen zum einen Werkzeuge die die Webseiten nach bestimmten Richtlinien untersuchen, wie zum Beispiel Bobby (http://bobby.watchfire.com). Andere visualisieren das Webdesign aus Sicht eines Screenreaders, zum Beispiel The Wave (http://wave.webaim.org. Diese Tools untersuchen die Webseiten jedoch nur nach gewissen Richtlinien und ihre Ergebnisse können nicht kritiklos umgesetzt werden. Dazu ist es immer nötig die Rolle des Webdesigners zu verlassen und sich in die des Nutzers zu begeben. Hierzu existieren Simulatoren, die ein eingeschränktes Sehvermögen (http://www.webaim.org/simulations/lowvision) oder Farbenfehlsichtigkeiten (http://www.vischeck.com) simulieren.

Wo finde ich weitere Informationen?

Cornelia Strobel, Fakultät für Informatik, April 2003