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Seit dem 12.3.2003 arbeitet die UB mit dem neuen Lokalsystem LIBERO, das landeseinheitlich in allen wissenschaftlichen Bibliotheken Sachsens zum Einsatz kommt bzw. kommen soll. Es löste in Chemnitz die zuvor verwendete Lokalsystem-Software SISIS/SE ab, die seit 1996 im Einsatz war. LIBERO wird in Australien entwickelt und in Deutschland (sowie auch anderen Ländern) von der Firma LIB-IT in Pleidelsheim (Baden-Württemberg) vertrieben. LIB-IT ist unser Vertrags- und Support-Partner. Mit der australischen Entwicklerfirma haben die Kunden von LIB-IT daher keinen direkten Kontakt.
Bei LIBERO handelt es sich um ein integriertes Bibliothekssystem, das aus mehreren Modulen für die verschiedenen Aufgaben des Geschäftsganges einer Bibliothek besteht (z.B. Ausleihe, Erwerbung, Katalogisierung, OPAC), die alle über einem einheitlichen Datenbestand operieren. Dabei kann und muss die Software durch eine große Menge von Parametern, die teilweise komplex zusammenwirken, an die konkreten Bedingungen der jeweiligen Bibliothek angepasst werden.
Mit dem produktiven Einsatz der Erwerbungs-Komponente von LIBERO konnte am 12.3.2003 noch nicht begonnen werden, da hierfür erst noch einige Software-Anpassungen seitens des australischen Herstellers notwendig waren. Diese wurden mittlerweile programmiert, allerdings kennen wir den Freigabe-Termin noch nicht. Wir hoffen aber, spätestens im Juni 2003 mit LIBERO erwerben zu können. Zwischenzeitlich läuft die Erwerbung weiter über die bisherige, seit vielen Jahren eingesetzte Lösung auf der Basis von dBase unter DOS, die eine Eigenentwicklung der UB darstellt und regelmäßig gepflegt wurde.
Sobald auch die Erwerbung mit LIBERO arbeitet, deckt das neue System einen Großteil der von der UB benötigten Funktionalität ab. Einige Teilbereiche werden allerdings von LIBERO nicht oder nur unzureichend unterstützt. Dies betrifft derzeit die interne Verwaltung der Zeitschriften-Abonnements (im Gegensatz zu den Beständen, die komplett im LIBERO-OPAC nachgewiesen sind und dort recherchiert werden können) sowie der Ergänzungslieferungen bei Loseblattausgaben und auch die Tausch- und Geschenk-Verwaltung.
Für diese genannten Bereiche werden vorläufig weiter die bisherigen DOS-basierten Lösungen zum Einsatz kommen, wobei bei Tausch und Geschenk ein Datentransfer von LIBERO in die DOS-Software realisiert wird. Es wird sich zeigen, ob LIBERO in absehbarer Zeit die uns fehlende Funktionalität bietet. Wenn nicht, dann ist mittelfristig an eine Ablösung der alten DOS-Programme durch zeitgemäße Implementierungen gedacht, die wir im eigenen Hause entwickeln wollen.
Als Schnittstelle für die Nutzer der Bibliothek wird unter LIBERO ausschließlich ein plattformunabhängiger WWW-OPAC angeboten. Der von SISIS bekannte Telnet-OPAC steht folglich nicht mehr zur Verfügung. Der WWW-OPAC ermöglicht den Zugriff auf verschiedene Dienste. Er gestattet u.a. Recherchen im lokalen Katalog, das Ansehen des eigenen Kontos (Ausleihen, Vormerkungen, Gebühren, Fernleihbestellungen) sowie das Aufgeben von Fernleihbestellungen. Weitere Funktionen, z.B. das selbständige Verlängern durch den Nutzer, sind möglich, sofern sie von der Bibliothek über die Parametrierung zugelassen werden.
Im Unterschied zum WWW-OPAC sind alle anderen LIBERO-Module (mit denen lediglich die UB-Mitarbeiter, nicht aber die Nutzer in Berührung kommen) nicht plattformunabhängig, sondern nur unter Windows lauffähig. Um den Administrationsaufwand gering zu halten, haben wir uns dafür entschieden, statt lokaler Windows-Systeme einen zentralen Terminal-Server unter Windows 2000 einzusetzen, auf den unter Verwendung des Microsoft-Protokolls RDP von Standard-Linux-Arbeitsplätzen aus, mit denen die UB flächendeckend ausgestattet wurde, zugegriffen werden kann.
Als Datenbanksystem kommt bei LIBERO die postrelationale (objektorientierte) Datenbank Caché zum Einsatz, die von der amerikanischen Firma InterSystems entwickelt wird. Nach unseren bisherigen Erfahrungen handelt es sich dabei um eine sehr leistungsfähige, effiziente, stabil laufende und gut administrierbare Datenbank, die für einer Reihe von System-Plattformen verfügbar ist, u.a. für Linux. Auf Grund unserer starken Linux-Orientierung haben wir uns für die Linux-Version von Caché entschieden und sind somit die einzige LIBERO-Bibliothek Sachsens (vermutlich sogar Deutschlands), die Linux als Server-Plattform einsetzt. In Sachsen sind wir auch die einzigen LIBERO-Betreiber, die einen Terminal-Server verwenden.
Die Firma LIB-IT hatte weder mit Linux noch mit dem Terminal-Server Erfahrung, sagte uns aber dennoch schriftlich eine bestmögliche Unterstützung für unser Einsatzkonzept zu, das sie seit November 2001 kannte. Leider fiel diese Unterstützung wesentlich geringer aus, als wir sie erwartet hatten und wie sie unserem Verständnis nach erforderlich gewesen wäre. Daher mussten wir einige technische Hürden mehr oder minder auf uns allein gestellt nehmen. Hilfreich waren hierbei neben dem LIBERO-Testsystem, über das wir seit März 2002 verfügten und ohne das wir viele notwendige Betriebserfahrungen nicht hätten sammeln können, vor allem Kontakte zu anderen technisch versierten LIBERO-Anwendern in Konstanz und Saarbrücken, die uns entscheidende Hinweise gaben bzw. Software zur Verfügung stellten.
Der LIBERO-Quelltext ist nicht offengelegt, was manche Anpassungen seitens des
Kunden unmöglich macht. Des weiteren ist es den Kunden vertraglich untersagt,
durch eigene Software in die Datenbank zu schreiben. Schreibzugriffe sind nur
über definierte Schnittstellen (LIBERO-Module, die zusätzlich zu den
interaktiven Schnittstellen teilweise auch einige Stapel-Schnittstellen bieten)
zulässig. Das hat z.B. zur Folge, dass wir die Druckgebühren für Fremdnutzer,
die beim Ausdruck von Dokumenten auf den öffentlichen Druckern der UB anfallen,
nicht wie bei SISIS automatisch in die Nutzerkonten eintragen können, weil es
dafür (noch) keine Schnittstelle gibt.
Diese Einträge müssen also manuell erfolgen. Das URZ unterstützt diesen Prozess
bestmöglich, in dem es eine Web-Schnittstelle entwickelt hat, über die die
Druckgebühren durch die UB-Mitarbeiter jederzeit selbständig abgefragt werden
können. Wir werden uns auch darum bemühen, eine solche Gebühren-Schnittstelle
zusammen mit LIB-IT zu definieren, so dass künftig ein automatisches Eintragen
beliebiger Gebühren erfolgen kann.
Für die Abfrage der in LIBERO gespeicherten Daten steht eine SQL-Schnittstelle
via ODBC bzw. JDBC zur Verfügung, über die man an die meisten, nicht aber an
alle Daten herankommt. Standardmäßig wird seitens LIB-IT bzw. des australischen
Herstellers auf den Einsatz des Report-Generators Crystal Reports
orientiert, um die Daten per ODBC von Windows aus abzufragen.
Da wir aber derartige Abfragen im Routine-Betrieb möglichst automatisch, also
ohne manuellen Eingriff durchführen wollen, um z.B. Briefe oder E-Mails für
Mahnungen, Erinnerungen und Vormerkungen zu erstellen, nutzen wir hierfür statt
Crystal Reports eigene, im URZ entwickelte Programme, die zeitgesteuert unter
Linux laufen, uns ein hohes Maß an Flexibilität gestatten und gut zu unserer
sonstigen Technologie passen.
Die derzeit von LIBERO genutzte Caché-Version 3 bietet für Linux-/UNIX-Server
kein ODBC, sondern nur JDBC. Dazu war allerdings von LIB-IT als Unterstützung
lediglich der Hinweis zu bekommen, dass die UB Konstanz über das nötige Know-How
verfügt, das uns die dortigen Kollegen dankenswerterweise zur Verfügung
stellten.
Die Vorbereitung des LIBERO-Einsatzes war ein sehr aufwändiger und kräftezehrender Prozess, der ca. 1 Jahr in Anspruch nahm und primär einer eigens dafür eingesetzten Arbeitsgruppe oblag, in der kompetente Vertreter der verschiedenen Abteilungen der UB mit einem Vertreter des URZ eng zusammenarbeiteten. Als LIBERO-Projektleiter fungierten eine erfahrene Bibliotekarin der UB sowie der URZ-Vertreter. Diese Konstellation hat sich aus unserer Sicht sehr bewährt. Beide Projektleiter stimmten sich regelmäßig untereinander sowie mit allen Mitgliedern der Arbeitsgruppe und ggf. weiteren UB-Mitarbeitern ab, sofern deren Know-How benötigt wurde.
Zu den wichtigen und auch sehr anspruchsvollen Aufgaben, die diese Arbeitsgruppe zu lösen hatte, gehörten die LIBERO-Parametrierung sowie die Realisierung der korrekten Übernahme der Altdaten. Dazu zählten die Katalog-Daten, die von Bibliothekaren der UB Chemnitz online im Katalog des Südwestdeutschen Bibliotheksverbundes (SWB) in Konstanz gepflegt wurden und werden, sowie die relevanten SISIS-Daten (Medien-Informationen, Nutzerdaten, Gebühren, Ausleihen etc.).
Bei der Parametrierung wurde mit großem Aufwand versucht, das System so
einzustellen, dass die Nutzer den gewohnten Service geboten bekommen. Das war
nicht immer komplett möglich, weil LIBERO und SISIS teilweise eine
unterschiedliche Philosophie verfolgen. Insgesamt wurde das Ziel aber weitgehend
erreicht. An einigen Stellen war es dabei notwendig, Zusatz-Software zu
schreiben, die die fehlende Funktionalität des Lokalsystems weitgehend
ausgleicht.
Für die Parametrierung mussten nicht selten Entscheidungen getroffen werden,
deren Wirkung nicht in vollem Umfang abzuschätzen war, weil wir keine
praktische Betriebserfahrung mit LIBERO hatten. Rückfragen bei LIB-IT brachten
teilweise auch keine endgültige Kärung. Sehr hilfreich war hierbei allerdings
unsere LIBERO-Test-Installation, die uns manchen entscheidenden
Erkenntnisgewinn ermöglichte.
Für die Altdaten-Übernahme existiert bei LIB-IT eine fest vorgegebene Verfahrensweise, bei der zunächst zusammen mit einem Vertreter der Firma eine Altdaten-Analyse erfolgt, die beschreibt, wie welche Datenfelder von SISIS nach LIBERO zu übernehmen sind, sofern dort ein entsprechendes Feld existiert, was nicht immer der Fall ist. So gestattet LIBERO beispielweise keine Übernahme der persönlichen Passwörter der Nutzer. Diese Übernahme musste also von uns nachträglich mit zusätzlichem Aufwand realisiert werden.
Da LIB-IT über keine detaillierte SISIS-Erfahrung verfügte (außer uns
verwendete keine andere sächsische wissenschaftliche Bibliothek SISIS), waren
wir hier als Kunde primär gefragt. Ausgehend von unserer gemeinsamen Analyse
erstellte LIB-IT dann eine Konverter-Software, die unsere Daten, die wir der
Firma übergeben mussten, auf das Import-Format von LIBERO abbildete. Da wir bei
der Übernahme drei Datenquellen vereinigen wollten und mussten, LIB-IT aber nur
zwei akzeptierte, wurde vom URZ eine Software entwickelt, die diese Vereinigung
implementierte.
Der eigentliche Daten-Import, in dessen Ergebnis eine unter Caché nutzbare
LIBERO-Datenbank entsteht, erfolgt dann mit einem speziellen Modul der
Australier, über das LIB-IT, nicht aber der Kunde verfügt. D.h., wir hatten
technisch keine Chance, die Übernahme komplett selbst zu realisieren, was wir
gern getan hätten. Unsere Bitte um Überlassung des Import-Moduls wurde
abgelehnt.
LIB-IT übernimmt einmalig vom Kunden einen Test-Abzug der Alt-Daten und
gestattet dem Kunden damit maximal zwei Datentests, in deren Ergebnis der
Konverter jeweils angepasst wird, sofern die Firma dem zustimmt. Einige
Korrektur-Wünsche unsererseits wurden abgelehnt, weil der Aufwand zu hoch
gewesen wäre, wie man uns mitteilte.
Nach diesen beiden Datentests wird der Konverter eingefroren. Genau diese
Software kommt dann für die dritte Runde, d.h. für die Konvertierung der
Live-Daten zum Einsatz. Der Kunde hat hier normalerweise keine Chance mehr,
Änderungen einzubringen, auch wenn er nach dem Abschluss des 2. Datentests noch
Fehler feststellen sollte.
Da uns dieses Vorgehen, von dem wir die Firma trotz energischen Protests nicht
abbringen konnten, zu unflexibel erschien und wir uns bis zur Abschaltung bzw.
dem Einfrieren der SISIS-Datenbank am Morgen des 27.2.2003 eine maximale
Flexibilität bzgl. der Datenbübernahme erhalten wollten, entschieden wir uns
nach dem 2. Datentest dafür, die echte Datenübernahme soweit wie möglich in
eigener Hand zu behalten.
Das hieß konkret, wir implementierten völlig unabhängig von LIB-IT einen
eigenen Konverter (mittels AWK und Shell unter Linux), der dann unsere
SISIS-Daten in das LIBERO-Import-Format umsetzte, welches vom Import-Modul in
Pleidelsheim geladen wurde. Der Konverter von LIB-IT kam also für die echte
Datenübernahme nicht mehr zum Einsatz.
Zusätzlich entwickelten wir noch Werkzeuge, die bei der Übernahme von
Katalog-Sätzen in die LIBERO-Datenbank zusätzliche Angaben ergänzten, speziell
einen Medientyp sowie eine geeignete URL-Darstellung, so dass verfügbare URLs im
WWW-OPAC auch anklickbar sind und nicht nur als Text erscheinen.
Unser Konverter wurde bis kurz vor der Übergabe der Live-Daten an LIB-IT am
28.2.2003 gegen 23.45 Uhr ständig in Details angepasst, da immer wieder
Änderungswünsche seitens der UB kamen, die zum Teil aus Erkenntnissen
resultierten, die in Experimenten mit dem Test-System gewonnen wurden. Alle
Funktionen und Änderungen der Software wurden immer umfassend an zentraler
Stelle dokumentiert. Diese Dokumentation bildetet die verbindliche Grundlage
für den Programmierer.
Dem unschätzbaren Vorteil der hohen Flexibilität stand der gravierende Nachteil
gegenüber, dass unser Konverter nicht mehr umfassend getestet werden konnte. Wir
konnten zwar die durch ihn erstellten Import-Dateien nach bestem Wissen
verifizieren, was wir auch mit Hilfe spezieller Testwerkzeuge taten, wir
konnten daraus aber keine echte Datenbank aufbauen, weil uns das Import-Modul
fehlte.
Um unliebsame Überraschungen bestmöglich zu vermeiden, führten wir einen sehr intensiven Dialog mit dem technischen Support von LIB-IT und hinterfragten viele Dinge, die uns unklar waren bzw. die wir als potentielle Fehlerquellen ansahen. Auf diese Weise konnten wir manchen Fehler verhindern, der im 2. Datentest noch aufgetreten war und somit auf einen Fehler im Konverter von LIB-IT hindeutete. Sehr hilfreich war, dass uns LIB-IT seine Import-Dateien, die die Firma für den 2. Datentest generiert hatte, überließ. Somit hatten wir bessere Kontroll- und Vergleichsmöglichkeiten beim Test unseres Konverters.
Am 27.2.2003 früh wurden die relevanten Teile der SISIS-Datenbank entladen und dann das System auf diesem Datenstand eingefroren. Somit stand der UB für ca. 14 Tage kein funktionierendes Lokalsystem zur Verfügung, weswegen in dieser Zeit nur ein eingeschränkter Betrieb realisiert werden konnte. Diese 14 Tagen wurden intensiv genutzt, u.a. für die Altdaten-Konvertierung (27. und 28.2.), eine Umrüstung aller Theken-Plätze auf LIBERO-taugliche PC-Technik inkl. Belegdrucker, die Schaffung noch fehlender Software-Werkzeuge, eine nochmalige Schulung der Mitarbeiter beim Umgang mit LIBERO und die Erstellung von Arbeitsrichtlinien.
Am 10.3.2003 erhielten wir gegen Mittag die Live-Datenbank aus Pleidelsheim und
begannen wegen des sehr engen Zeitrahmens sofort mit deren Installation auf
unserem Server sowie fälligen systemtechnischen Nacharbeiten. Gegen 20 Uhr
desselben Tages war das Live-System betriebsbereit und konnte somit am
11.3.2003 von den UB-Mitarbeitern für ihre bibliothekarischen Nacharbeiten
eingesetzt werden.
Am 12.3.2003 um 9 Uhr, als die UB in Anwesenheit der Projektleiterin von LIB-IT
öffnete, stand eine Datenbank zur Verfügung, mit der man einen Live-Betrieb
guten Gewissens aufnehmen konnte, auch wenn uns manche Kleinigkeiten auffielen,
die wir gern anders gehabt hätten. Teilweise lagen sie nicht in unserer Hand,
sondern waren Resultate des von uns nicht beeinflussbaren Import-Prozesses.
Manche von ihnen wurden nachfolgend manuell behoben.
Im Laufe des SISIS-Betriebs waren eigene Zusatzlösungen geschaffen worden, die auch bei LIBERO wieder benötigt werden, da sie von Haus aus nicht exsitieren. Diese wurden und werden durch das URZ programmiert, teilweise als komplette Neuentwicklungen bzw. durch Anpassungen existierender Systeme.
Eine wichtige Neuentwicklung betraf das Erstellen von Briefen und E-Mails für
Mahnungen, Erinnerungen, Vormerkungen. LIBERO selbst beherrscht keinen
Mail-Versand von Nachrichten. LIB-IT bietet allerdings ein Zusatz-Programm an,
mit dem man E-Mails von Windows aus versenden kann. Wir entschieden uns aber
generell für einen anderen Weg.
So wird bei uns in den Nachtstunden ein automatischer Linux-Prozess zur
Erstellung der Briefe und E-Mails gestartet, der zunächst via JDBC die
relevanten Daten aus der Caché-Datenbank entlädt und dann mit typischen
UNIX-Mitteln (Shell, AWK etc.) aufbereitet. Für die Erstellung der Briefe wird
LaTeX genutzt.
Die UB-Mitarbeiter der Ortsleihe können dann am Folgetag das Resultat des
Nachtlaufs kontrollieren, die Briefe drucken und die E-Mails versenden. Dafür
wurden mittels PHP eine geeignete Web-Schnittstelle geschaffen, über die alle
notwendigen Arbeiten sehr einfach und schnell realisiert werden können. Alle
o.g. Programme für das Mahnwesen wurden in enger Zusammenarbeit zwischen UB und
URZ entwickelt, um sie bestmöglich an die Bedürfnisse ihrer Nutzer anzupassen.
Ein zweite größere Neuentwicklung war bei den Werkzeugen für die Fernleihe nötig, die es u.a. gestatten, die roten Fernleih-Scheine für WWW-Fernleih-Bestellungen automatisch und ohne großen Aufwand für die Bibliothekare auszufüllen. Letzteres ist eine Voraussetzung dafür, dass die von den Nutzern breit akzeptierte WWW-Fernleihe überhaupt weiter angeboten werden konnte, denn ohne geeignete Programm-Unterstützung wäre der Arbeitsaufwand nicht zu bewältigen.
Die Entladung der Fernleih-Bestellungen, die die Nutzer über die
Benutzerdienste des WWW-OPACs aufgeben können, ist über die schon erwähnte
SQL-Schnittstelle von LIBERO derzeit nicht möglich, da hierfür keine
SQL-Tabellen existieren. Wir waren also gezwungen, die Entladung mit anderen
Mitteln zu organisieren.
Für diesen Zweck wurde eine Routine in der Caché-eigenen Sprache ObjectScript
geschrieben, die alle Bestellungen in einer lesbaren Form ausgibt. Da hierfür
ein lesender Zugriff auf interne LIBERO-Strukturen nötig ist, war es zunächst
nötig, diese Strukturen zu finden und durch Tests zu analysieren. Vom
Hersteller sowie von LIB-IT erhält man dazu keinerlei Auskünfte, da es sich um
Interna handelt, die nicht an Kunden weitergegeben werden, auch wenn sonst seitens
der Firma immer die Aussage propagiert wird, dass die Daten dem Kunden gehören.
Neben dem Fernleih-Scheindruck wurde auch ein LaTeX-basierter, unter Linux nutzbarer Druck von Adress-Etiketten für die Fernleihe realisiert.
Aus unserer Sicht war es nötig, die Texte für die einzelnen Eingabe-Felder des
Fernleih-Bestellformulars im WWW-OPAC zu ändern sowie die Status-Spalte bei der
Anzeige von Fernleih-Bestellungen im Nutzerkonto zu unterdrücken. Leider gibt
es dafür keine Parameter. Wir haben uns hier mit einem Trick geholfen.
Standardmäßig verwendet LIBERO englische Texte, die dann durch eine
Nachrichtenübersetzung, die der LIBERO-Kunde ändern kann, ins Deutsche (oder
eine andere Sprache) übersetzt werden. Wir haben in diesen Übersetzungs-Prozess
eingegriffen, um die Texte zu tauschen. Da somit die englischen von den
deutschen Texten deutlich abweichen, haben wir uns entschlossen, die englische
Version des WWW-OPACs nicht anzubieten.
Leider existiert ein Feld im Bestell-Formular, dessen Wert nicht in die
Datenbank übernommen wird. Da wir keine Chance haben, dieses Feld zu
unterdrücken, haben wir den Text "(dieses Feld leer lassen)" davor
geschrieben.
Vor dem LIBERO-Start waren umfangreiche Anpassungen der von uns für SISIS entwickelten Software-Module nötig, die als wichtigste Funktion eine Authentifizierung der Fremdnutzer durch Angabe von Benutzernummer und UB-Passwort ermöglichen, wobei je nach Situation zusätzliche Prüfungen erfolgen:
Der Vermerk über die Anerkennung der Nutzungsbedingungen wurde bei SISIS im
Notizbuch des Nutzers eingetragen. Da wir in die LIBERO-Notizbücher nicht
schreiben können, mussten wir hier eine andere Realisierung wählen. Der
Einfachheit halber legen wir jeden Vermerk in Form einer eigenen kleinen
ASCII-Datei ab, deren Name der Benutzernummer desjenigen Fremdnutzers
entspricht, dem der Vermerk zugeordnet
ist.
Außerdem musste die gesamte Funktionalität entfallen, die bei SISIS die
entstandenen Druckgebühren der Fremdnutzer automatisch ins Nutzerkonto
einträgt. Die jetzige (manuelle) Realisierung wurde weiter oben schon erwähnt.
Die Authentifizierung gegenüber SISIS unterscheidet sich technisch deutlich von der Authentifizierung gegenüber LIBERO. Letztere wird über den WWW-OPAC vorgenommen, indem wir den Login-Dialog analysiert und automatisiert haben. Über diesen WWW-Dialog besteht auch die Möglichkeit, maschinell die Nutzer-Passwörter zu tauschen, was sich bei der Übernahme von Passwörtern eines Alt-Systems nutzen lässt.
Ein Teil der Aktualisierungen unseres LIBERO-Katalogs erfolgt durch die
tägliche Arbeit der dafür zuständigen UB-Mitarbeiter unter Nutzung von
Online-Downloads aus dem SWB. Die restlichen Aktualisierungen werden über einen
Datendienst des SWB realisiert, in dessen Rahmen wir alle 14 Tage ein
Daten-Update erhalten. Diese Daten sind vor dem Einspiel unter Nutzung eines
von LIB-IT bereitgestellten Werkzeugs geeignet aufzubereiten.
Da hierbei einige zusätzliche Anforderungen der UB Chemnitz berücksichtigt
werden sollen, haben wir eine entsprechende Software entwickelt, die vor dem
LIB-IT-Programm zur Anwendung kommt und deren Praxistauglichkeit wir in Kürze
durch ein reales Update nachweisen wollen. Unsere zusätzliche Aufbereitung
sorgt primär dafür, dass URLs der Titel- und Lokal-Ebene im OPAC anklickbar
sind.
Wir haben uns aus bibliothekarischen Gründen dafür entschieden, die
Katalogsätze für die Zeitschriften nicht indirekt über den SWB, sondern direkt
von der Zeitschriftendatenbank (ZDB) zu
beziehen. Somit müssen wir die vom SWB gelieferten Zeitschriften-Daten aus der
Lieferung eliminieren und statt dessen die ZDB-Daten für das Einspiel
aufbereiten. Letzteres wurde bereits erfolgreich realisiert, wie ein Mitte
April 2003 durchgeführtes erstes Update der ZDB-Sätze zeigte.
Beim ersten Einspiel der ZDB-Daten am 11.3.2003 hatte ein selbst entwickeltes
Programm dafür gesorgt, dass relevante Katalog-Informationen, die nur lokal in
SIKIS verfügbar waren, in die entsprechenden ZDB-Sätze eingemischt und so nach
LIBERO übernommen wurden.
Gegenwärtig arbeiten wir an der Implementierung eines WWW-basierten Standort-Katalogs (STOKs), der die bisherige Papier-Version ersetzen und weit bessere Recherche-Möglichkeiten bieten soll. In diesen STOK können die zuständigen Medien-Bearbeiter zu beliebigen Zeitpunkten relevante Medien-Informationen aus der LIBERO-Datenbank übernehmen und dort getrennt von LIBERO aufbewahren. Da im STOK immer nur angefügt, aber nie gelöscht wird, hat man so die Möglichkeit, die Historie eines Mediums sicher zurückverfolgen zu können, auch wenn z.B. der LIBERO-Datensatz auf Grund von Bedienfehlern verfälscht sein sollte. Für den STOK bekommen nur ausgewählte Mitarbeiter ein Schreibrecht, wogegen die Recherche jedem zur Verfügung steht.
Die Betriebs- und Administrations-Technologie für die Server und auch die Klienten wurde komplett vom URZ entworfen und implementiert. Daran waren mehrere Kollegen aus verschiedenen Gruppen beteiligt, die die entstandenen Lösungen auch pflegen und weiterentwickeln.
Die Caché-Datenbank läuft auf einer Linux-Server-Maschine mit 4 GB RAM und zwei Prozessoren vom Typ AMD Athlon MP 2000+. Um eine hohe Verfügbarkeit zu erreichen, existieren zwei typgleiche Maschinen, die durch Einsatz der freien Software Kimberlite zu einem Hochverfügbarkeits-Cluster verbunden sind, so dass sie sich gegenseitig überwachen und bei Ausfall des Partners dessen Dienste übernehmen.
Zur Datenhaltung nutzen beide Server gemeinsam dasselbe RAID-Array. Dieses hat 8 Platten mit je 80 GB. Daraus wurde 1 RAID-Set mit 6 Platten gebildet, die restlichen beiden dienen als Hot-Spare-Platten. Im RAID-Set werden RAID-Level 0 (Striping) und 1 (Mirroring) kombiniert. Daraus resultiert eine nutzbare Kapazität von 240 GB (3×80 GB), wobei jede der drei über Striping kombinierten Platten durch das Mirroring doppelt existiert. Die Gesamtkapazität wird auf 4 Partitionen aufgeteilt:
Das Caché-Backup erfolgt jede Nacht um 1.59 Uhr (mit dieser seltsam anmutenden Zeit vermeidet man Probleme bei der Umstellung zwischen Sommer- und Winterzeit) und dauert derzeit knapp 20 Minuten. In dieser Zeit sind keine LIBERO-Dienste verfügbar, weil Caché für das Backup gestoppt werden muss. Auf der Backup-Partition sichern wir die Stände der letzten 14 Tage. Die letzten 7 Backups werden zusätzlich ins AFS kopiert, um auch bei einem RAID-Ausfall auf die Daten zugreifen zu können.
Neben den Produktions-Servern existiert ein Test-Server, der für Entwicklungs- und Test-Arbeiten genutzt werden kann. Dieses Doppelprozessor-System verfügt über 2 GB RAM, AMD-Athlon-Prozessoren mit einer Taktfrequenz von 1,2 GHz sowie zwei lokale Platten mit 60 bzw. 40 GB (eine für das System, die andere für Datenbestände).
Die Windows-Klienten von LIBERO laufen auf einem zentralen
Windows-Terminal-Server (derzeit Windows 2000), von denen ebenfalls zwei
typgleiche Maschinen existieren, um eine Ausfallsicherheit gewährleisten zu
können. Bei diesen Servern handelt es sich wie bei den Linux-Servern um
Doppelprozessor-Systeme mit AMD Athlon MP 2000+ und 4 GB RAM.
In gewissen Abständen erstellen wir mittels Ghost ein Abbild der
aktiven Server-Maschine und duplizieren diese so auf den Reserve-Server.
Derzeit wird an einem automatischen Verfahren gearbeitet, das jede Nacht den
aktiven Server dupliziert. Der dabei notwendigerweise erfolgende
Windows-Neustart wird als positiver Nebeneffekt betrachtet, da wir mitunter
Probleme mit dem LPR-Drucksystem beim LIBERO-Quittungsdruck hatten, die sich
durch einen Neustart beheben ließen.
Auf dem Terminal-Server nutzen wir eine lokale Nutzer-Verwaltung. Für den notwendigen Datenaustausch mit dem LIBERO-Server und ggf. von dort aus mit dem AFS dient eine SMB-Verbindung. Aus technischen Gründen erfolgt die Freigabe von Windows aus, d.h., Linux fungiert als SMB-Klient und nicht via SAMBA als SMB-Server.
Von den Linux-Plätzen der UB und des URZ aus wird mittels der freien Software
rdesktop unter Verwendung des Microsoft-Protokolls RDP auf den Terminal-Server
zugegriffen. Die Klienten bekommen den vollen Zugang zum Windows-Desktop und
können in jeder Sitzung parallel mehrere Applikationen ihrer Wahl nutzen und
auch Daten zwischen ihnen über die Zwischenablage austauschen.
Die Nutzer rufen rdesktop nicht direkt, sondern über ein zentrales Skript winas (für Windows
Applikationsserver) auf, das dann rdesktop mit
geeigneten Optionen startet. Über eine zentrale Konfigurations-Datei im AFS
können die Administratoren steuern, zu welchem Windows-Server mit welcher
rdesktop-Version eine winas-Verbindung aufgebaut wird. Beim Ausfall des aktiven
LIBERO-Terminal-Servers kann so leicht auf die Reserve-Maschine umgeschaltet
werden.
Die bisherigen Erfahrungen mit dem Windows-2000-Terminal-Server sind überwiegend positiv. Das System läuft sehr stabil und ist in der Lage, viele parallele Klienten-Sitzungen effizient zu bedienen, so dass ein angenehmes Arbeiten möglich ist. Durch den Einsatz eines zentralen Servers reduziert sich der Administrationsaufwand deutlich, da jede Änderung (z.B. Software-Installation bzw. -Upgrade) sofort für alle Nutzer wirksam wird. Man benötigt keine Softwareverteilung auf unterschiedliche Klienten-PCs.
An den internen Arbeitsplätzen der UB werden generell Standard-Linux-PCs eingesetzt, so wie auch in den Öffentlichkeitsbereichen. Das betrifft ebenfalls die mit 17-Zoll-TFT-Monitoren, Barcode-Scannern und Belegdruckern ausgestatteten Theken-Plätze. Das sind vollwertige Linux-Arbeitsplätze mit einer speziellen X-Server-Konfiguration. D.h., auf ihnen laufen zwei X-Server.
X-Server 1 auf Terminal 7 realisiert eine anonyme Anmeldung unter Linux, wie
sie für den Theken-Betrieb am besten geeignet ist. Der UB-Mitarbeiter findet
hier also immer einen grafischen Schirm vor. Als Auflösung wurde 1024×768
gewählt, um die LIBERO-Schrift in einer optimalen Größe anbieten zu können.
Hauptanwendungen dieses Schirms sind der rdesktop-Klient für den Zugriff auf
LIBERO (der natürlich nicht mehr anonym erfolgt, weil unterschiedliche
LIBERO-Anmeldungen mit unterschiedlichen Rechten im Lokalsystem ausgestattet
sind und sein müssen) sowie ein WWW-Browser für den Zugriff auf den OPAC.
X-Server 2 auf Terminal 8 realisiert eine persönliche Anmeldung. Hier kann man
also auf seine persönlichen Daten zugreifen (Homeverzeichnis, Mailbox etc.)
und alle benötigten Linux-Programme (Mozilla, StarOffice, OpenOffice etc.)
in gewohnter Weise verwenden.
Die Belegdrucker sind über ein paralleles Kabel mit den Theken-PCs verbunden.
Auf den PCs läuft ein LPR-Druckerserver. Wenn ein LIBERO-Klient eines
Theken-Platzes einen Druckauftrag auf dem Terminal-Server absendet, wird dieser
an den LPR-Server des betreffenden Theken-PCs geschickt, der dann die Daten zum
Belegdrucker sendet, wobei zuvor ein von uns geschriebener Filter aktiviert
wird, über den wir von Linux aus den Druck beeinflussen können (z.B. Anpassung
der Schriftgröße, des Zeilenvorschubs etc.).
LIBERO druckt bei uns immer auf den Windows-Standard-Drucker. Diesen stellen
wir mit einem von uns geschriebenen Login-Skript beim Login auf dem
Terminal-Server geeignet ein, und zwar in Abhängigkeit von der jeweiligen
Klienten-Maschine. Für die Zuordnung der Drucker zu den einzelnen
Klienten-PCs existiert eine simple ASCII-Datei unter Windows, die vom
Login-Skript konsultiert wird.
Die Windows-Terminal-Server sowie die LIBERO-Datenbank-Server stehen hinter einem Linux-basierten Firewall (Paketfilter auf Basis von iptables), um sie gegen Angriffe aus dem Netz besser schützen zu können.
| Holger Trapp, April 2003 |