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Interna
13
Heftnummer
  TU Spektrum  
   
     
Aus Altreifen werden wieder Autoteile

MATERIALICA 2001: Marktreifes Recyclingverfahren für Altgummi aus Sachsen
(AF) Jedes Jahr türmen sich auf deutschen Mülldeponien rund eine Million Tonnen Gummiabfälle. Allein die 600.000 Tonnen an abgefahrenen Autoreifen stellen ein gehöriges Umweltproblem dar, weil sie sich bisher kaum wieder verwerten ließen. Nachdem es Chemnitzer Kunststofftechnikern vor vier Jahren gelang, aus Altgummi wieder einen brauchbaren Kunststoff herzustellen, haben sich nun sächsische Industriepartner zusammengetan, um dieses im Labor erfolgreich erprobte Recyclingverfahren auf den Markt zu bringen.
Anfang Oktober stellte sich diese Arbeitsgemeinschaft aus Wissenschaftlern, Maschinenherstellern und Automobilzulieferern erstmals auf der diesjährigen MATERIALICA der deutschen Öffentlichkeit vor. Gemeinsam mit ihren Partnern präsentierte die TU Chemnitz auf der Messe in München Muster-Autoteile aus Altgummi: Dazu gehören Bauteile wie Lüftergehäuse oder Ka­bel­kanäle, die sonst unter der Motorhaube verborgen sind. Der enorme Zuspruch gibt der Idee des Gummi-Recyclings Recht: Mehr als 60 Vertreter der Automobilindustrie und ihrer Zulieferer umlagerten den Gemeinschaftsstand mit konkreten Fragen und praktischen Problemen. „Nun ist Fleißarbeit gefragt“, erwartet Dr. Hannes Michael, der das Verfahren als wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Professur Kunststoffverarbeitungstechnik mitentwickelt hat. „Wir werden das Produkt an die sehr speziellen Wünsche unserer Kunden anpassen.“
  Der neuartige Werkstoff heißt ELAPLASTEN und wird aus Altreifenmehl und dem Massenkunststoff Polypropylen hergestellt. Die Besonderheit steckt im Detail: Nie vorher war es gelungen, die elastische Komponente des Gummis mit den positiven Eigenschaften eines schmelzfähigen Thermoplastes sowohl chemisch als auch physikalisch zu verbinden. Das Ergebnis gehört zu der Werkstoffgruppe der Thermoplastischen Elastomere (TPE) und kann gleich drei Vorteile aufweisen: ELAPLASTEN ist äußerst stabil, formbar und bis zu zwei Drittel billiger als vergleichbare Kunststoffe.
Zur Arbeitsgemeinschaft sächsischer Firmen, die sich um die Markteinführung des umweltfreundlichen Recyclingverfahrens bemüht, gehören: die Forschungsstelle für Analytik und Umwelttechnologie GmbH (FARU), die von den Erfindern der TU Chemnitz die ausschließliche Lizenz der Patente erworben hat und nun in Rade- beul eine Produktionshalle aufbaut, die ERMAFA Kunststofftechnik GmbH, die in Chemnitz spezielle Mischer mit Dosier- und Granuliertechnik für die ELAPLASTEN-Produktion herstellt sowie der Automobilzulieferer Riesselmann Kunststofftechnik GmbH aus Ottendorf-Okrilla, der aus dem gummihaltigen Werkstoff die Bauteile formen wird. Dr. Hannes Michael: „Ab 2002 werden wir in diesem Verbund in der Lage sein, große Mengen des neuartigen Kunststoffes herzustellen.“
   
         
Tolle Ideen für kleine Menschen und große Firmen

An-Institut der Chemnitzer Uni entwickelte verstellbare Pedalerie und neue Carbon-Teile

(AF) Wenn Autofahrer mit kurzen Beinen nicht so recht das Gaspedal erreichen, muss das Gaspedal eben ein Stück entgegenkommen. An der TU Chemnitz wurden vom Institut für Konstruktion und Verbundbauweisen (KVB) im Auftrag eines der weltweit größten Automobilzulieferers, United Parts, eine Reihe verstellbarer Pedalsysteme entwickelt, die kleineren Menschen mehr Fahrkomfort und Sicherheit versprechen.
Auf der diesjährigen MATERIALICA präsentierte das Chemnitzer An-Institut erstmals eine Weiterentwicklung der Öffentlichkeit, das im Kern aus einem integrierten Schneckengetriebe besteht und durch einen zentralen Antrieb über Bowdenzüge stufenlos eingestellt werden kann. Dieses Pedalsystem wurde bereits im Vorfeld bei DaimlerChrysler in Sindelfingen vorgestellt und für gut befunden. Während der Münchner Werkstoff-Messe konnten die Chemnitzer Forscher weitere Kontakte etwa zu BMW, Audi und Porsche knüpfen.
„An unserem Stand war immer Betrieb“, erinnert sich Institutsleiter Dr. Gunter Siebdrath an die Messe-Resonanz. Insbesondere für den Maschinenbau gingen einige viel versprechende Anfragen ein: So beabsichtigt einer der größten italienischen Maschinenhersteller, einige Baugruppen von den Chemnitzer Leichtbauern komplett auf Carbon umrüsten zu lassen, um so die dynamische Tüchtigkeit seiner Maschinen zu erhöhen. Die Vielfalt der KVB-Messeobjekte spiegelt die Bandbreite der Forschungs- und Entwicklungsarbeit des Institutes wider. So wurden faserverstärkte Kunststofffassungen oder Carbon-Legeschienen für den Textilmaschinenbau ebenso vorgestellt
 

wie die komplette Baugruppe einer Druckmaschine der Firma Heidelberger Druckmaschinen AG. Letztere Leichtbauvariante befindet sich seit September dieses Jahres in der Erprobungsphase und dürfte bald zu höheren Arbeitsgeschwindigkeiten und einer größeren Produktivität der tonnenschweren Anlage führen. Ebenfalls konnte erstmals eine Wickelmaschine zur Verarbeitung von Carbon oder Glasfaser ausgestellt werden, die im KVB völlig neu entwickelt wurde.

  Mit Vollgas von der Münchner Werkstoff-Messe zurück ins Labor: Dipl.-Ing. Michael Puckl, Dr. Peter Schulz und Institutsleiter Dr. Gunter Siebdrath testen zwei Prototypen des im KVB entwickelten verstellbaren Pedalsystems.

Foto: KVB

   
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