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Damit das Start-up gelingt
Unternehmensgründungs-Professor und erfahrener Unternehmer aus dem Gründungsnetzwerk SaXeed geben
wertvolle Tipps
 
 

Wer sein eigenes Unternehmen gründen möchte, der hat viel zu bedenken. Habe ich überhaupt Kunden für mein Produkt oder meine Dienstleistung? Wie baue ich den Vertrieb auf? Was muss ich tun, damit mein Unternehmen gesund wächst? Wie erreiche ich die Gewinnzone? Und ist ein Businessplan wirklich so wichtig? Folgende Tipps können als Leitlinien für eine erfolgreiche Unternehmensgründung dienen:

1. Erst der Kunde, dann das Produkt!

Wer soll das zu entwickelnde Produkt oder die Dienstleistung kaufen? Diese Frage müssen Sie als Jungunternehmer beantworten können, bevor Sie beginnen, Geld in die Entwicklung zu investieren. Anders als bei Forschungsprojekten, bei denen die kommerzielle Verwertbarkeit einer Entwicklung zweitrangig ist, kommt es bei Gründungsprojekten darauf an, von Beginn an die Kundenwünsche zu berücksichtigen, weil sonst der spätere Absatz gefährdet ist. Die Erhebung der Kundenwünsche sollte geplant und bei möglichst vielen Kunden durchgeführt werden, um verlässliche Informationen zu erhalten.

2. Strukturierte Vertriebsprozesse einführen!

Damit Aufträge nicht zufällig gewonnen werden, sondern das Ergebnis wohlüberlegter Aktivitäten sind, müssen Sie den Vertrieb als strukturierten Prozess in Ihrem Unternehmen etablieren. Auf zufällig eintreffende Aufträge können Sie bestenfalls hoffen, jedoch keine tragfähige Unternehmensplanung begründen. Wenn Sie sich nicht ausreichend Gedanken machen über den Verkauf und den Nutzen für Ihre Kunden, bleiben die Umsätze im Regelfall aus. In einer solchen Situation übersteigen dann Ihre Kosten sehr schnell die Erlöse und Sie fahren Verluste ein. Wenn jetzt nicht schnell gegengesteuert wird, droht im schlimmsten Falle die Insolvenz - die "Pleite".

3. Denken Sie groß!

Studien von Gründungs- und Wachstumsunternehmen zeigen: Die Wahrscheinlichkeit, erfolgreich zu wachsen, steigt, je mehr Mitarbeiter sich mit den Zielen identifizieren. Je umfassender Sie Ihr Unternehmen und alle Mitarbeiter auf das geplante Wachstum vorbereiten, desto wahrscheinlicher wird es, dass Sie das gesteckte Ziel auch erreichen. Denken Sie groß und bereiten Sie Ihr Unternehmen darauf vor!

4. Ein Businessplan ist Basis für den Geschäftserfolg!

Mit einer soliden Planung sind Sie in der Lage, die wesentlichen Faktoren für Ihren zukünftigen Geschäftserfolg besser zu steuern. Schreiben Sie Ihren Businessplan dabei vor allem für sich selbst und nicht nur für einen externen Dritten. Indem Sie Ihren Geschäftsplan erstellen, beschäftigen Sie sich detailliert mit allen wichtigen Fragen und vermeiden somit Fehler. Planung ist dabei nicht als einmaliger Prozess zu verstehen. Sie sollten Ihr Vorhaben regelmäßig den Realitäten anpassen und auf Planabweichungen mit angemessenen Mitteln reagieren.

5. Behalten Sie den finanziellen Überblick!

Auch wenn es am Anfang nicht als notwendig erscheint, sollten Sie vom ersten Tag an ein funktionierendes Finanz-Controlling haben. Controlling meint, dass Sie Instrumente haben, mit denen Sie Ihre Ertrags- und Liquiditätslage kontrollieren können. Am Anfang reicht im Regelfall eine auf Ihre Bedürfnisse angepasste Auswertung der Finanzbuchhaltung - etwa durch Ihren Steuerberater oder eine gut gepflegte Tabelle. Beschränken Sie sich auf wenige aussagekräftige Zahlen, nach denen Sie Ihr junges Unternehmen steuern wollen. Diese sollten immer zeitnah zur Verfügung stehen und Ihnen ohne weiteren Aufwand die notwendigen Ergebnisse liefern. Ihre Instrumente müssen dabei mit Ihrem Unternehmen mitwachsen. Übertreiben Sie den Aufwand nicht, sorgen Sie aber für finanzielle Transparenz.

6. Erfahrene Mitarbeiter helfen, Fehler zu vermeiden!

Setzen Sie in Ihrem jungen Unternehmen nicht nur auf junge Mitarbeiter. Diese sind zwar unvoreingenommen und packen Aufgaben oftmals mit viel Dynamik und Leidenschaft an, machen aber auch Anfänger-Fehler. Der


 

gesunde Mix führt zum Erfolg. Ein junges Unternehmen braucht jede Menge Engagement der Mitarbeiter und auch die eine oder andere unorthodoxe Idee, damit der Motor läuft. Aber zugleich sind Strukturen zu schaffen, und dabei muss das Rad nicht immer neu erfunden werden. Hier helfen oftmals die Kenntnisse erfahrener Mitarbeiter oder Berater.

7. Marktveränderungen ständig beobachten!

Gibt es einen Bedarf für mein Produkt? Wer kauft morgen meine Angebote? Stellen Sie sich diese Fragen, die wichtigsten überhaupt, immer wieder. Passen Sie Ihr Produkt ständig an die Bedürfnisse Ihrer Kunden an. Warten Sie dabei nicht, bis Ihre Kunden es fordern, denn wenn Sie es unterlassen, sich weiterzuentwickeln, tut es mit Sicherheit Ihr Wettbewerber. Ruhen Sie sich also niemals auf Ihren Erfolgen aus! Betreiben Sie eine klare Produktpolitik, die sich durch die Bedürfnisse Ihrer Kunden leiten lässt. Verfallen Sie nicht der Illusion, dass ein technisch überzeugendes Produkt oder eine ausgeklügelte Dienstleistung automatisch die Bedürfnisse der Käufer trifft. Sprechen Sie dabei regelmäßig selbst mit Ihren Kunden - denn die Produktstrategie ist Chefsache!

8. Ohne Gewinn kein Geschäft!

Vergessen Sie bei allem Enthusiasmus nicht, Geld zu verdienen. Der Zweck eines Unternehmens ist es doch schließlich, Gewinne zu erwirtschaften. Das sichert sein Überleben, weil im Ernstfalle auch ungeplante Ausgaben bestritten werden können. Gewinne machen konkurrenzfähig, weil die Ausrichtung auf Gewinn dafür sorgt, dass alle Bereiche im Unternehmen regelmäßig optimiert werden und sich keine unnötigen Kosten aufbauen. Außerdem sichern nur vorhandene Gewinne langfristig Arbeitsplätze, weil sonst Sie als Unternehmer (und auch die anderen Kapitalgeber) die Freude am Unternehmen verlieren und Ihr Engagement und Kapital lieber in andere Projekte investieren.

9. Bescheidenheit ist eine Tugend!

Achten Sie von Anfang an darauf, die Kosten unter Kontrolle zu halten. Ein junges Unternehmen dient nicht dazu, sich den Traum vom großen Firmenwagen oder von einem luxuriös ausgestatteten Büro zu erfüllen. Denken Sie daran, dass Sie auch eine Vorbildfunktion gegenüber Ihren Mitarbeitern erfüllen. Einmal eingeführte und lieb gewonnene Annehmlichkeiten lassen sich in schlechteren Zeiten nur mit erheblichen Widerständen und damit einhergehendem Motivationsverlust abschaffen. Denken Sie bei allem auch an die Außenwirkung. Wenn Sie übermäßigen Prunk an den Tag legen, könnte Ihr Kunde den Eindruck gewinnen, dass Ihre Leistungen teuer sein müssen. Also wird er sich nach einem günstigeren Anbieter umschauen.

10. Pflegen Sie Ihre Hausbank!

Die Beziehung zu Ihrer Hausbank ist wichtig, denn sie brauchen sie sowohl bei der Beschaffung von Kapital als auch bei der kurzfristigen Überbrückung von finanziellen Engpässen und bei der täglichen Abwicklung Ihrer Kundengeschäfte. Betrachten Sie diese Geschäftsbeziehung wie eine Partnerschaft. Das heißt: Kommunizieren Sie offen und frühzeitig. Sprechen Sie Erfolge, aber auch Probleme direkt an. Eine so geführte Geschäftsbeziehung kann nur von Vorteil sein, vor allem in wirtschaftlich schwierigeren Phasen.

11. Förderprogramme sind nur eine Unterstützung!

Finanzielle Unterstützung von öffentlicher Hand, sei es in Form von zinsreduzierten Darlehen oder gar von Zuschüssen, sind wichtige Instrumente der Wirtschaftsförderung. Schließlich wird Unternehmern auf diese Weise bei ihren ersten Schritten helfend unter die Arme gegriffen. Allerdings dürfen solche Förderprogramme niemals die Begründung liefern oder gar Auslöser sein für ein unternehmerisches Vorhaben. Das grundlegende Geschäftsmodell muss sich auch ohne jegliche Förderung "rechnen", weil sonst das Unternehmen nicht mehr aus eigener Kraft lebensfähig ist, wenn die Unterstützung einmal ausläuft.


Prof. Dr. Olaf Gierhake, Stiftungsprofessur "Unternehmensgründung, insbesondere innovative Produkte und Dienstleistungen" der Sparkasse Chemnitz und Andreas Ehrle, Gründungsbegleiter SaXeed

   
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