- AutorIn
- M.Sc. Ayla Elisabeth Schaub
- Titel
- Nationale Identitäten der Nachwendegeneration und ihre Einstellungen zu Ost- und Westdeutschland sowie ein Vergleich mit Vietnam
- Zitierfähige Url:
- https://nbn-resolving.org/urn:nbn:de:bsz:ch1-qucosa2-1055246
- Erstveröffentlichung
- 2026
- Datum der Einreichung
- 11.03.2026
- Datum der Verteidigung
- 24.06.2026
- DOI
- https://doi.org/10.60687/2026-0134
- Abstract (DE)
- In den vergangenen 35 Jahren ist in Deutschland die Nachwendegeneration herangewachsen, die die Teilung Deutschlands nicht erlebt hat. In den wenigen bisherigen Studien konnte gezeigt werden, dass bei der Nachwendegeneration Identitätsunterschiede und Einstellungsunterschiede bezüglich Ost- und Westdeutschlands vorliegen (Faus & Storks, 2019; Kubiak, 2020b). Basierend auf der Social Identity Theory (Tajfel & Turner, 1979) und dem Stereotype Content Model (Fiske et al., 2002) wurden Untersuchungen zur Einstellung der Nachwendegeneration zu Ost- und Westdeutschen und ihrer nationalen Identifikation angestellt und diese mit der vietnamesischen Nachwendegeneration verglichen. In der ersten Studienreihe wurden drei Studien zur Einstellung der Nachwendegeneration zu Ost- und Westdeutschen durchgeführt. In Studie 1 schätzten 341 Personen (Alter MW = 23.69; SD = 3.66) Wärme und Kompetenz verschiedener Gruppen (jüngere, ältere, insgesamt) aus Ost- und Westdeutschland ein. Zusätzlich gaben sie ihre Identität als ost-, west-, gesamtdeutsch oder teils/teils an. Wie erwartet, ist die Identifikation von ostdeutschen Personen mit Ostdeutschland stärker als die von westdeutschen Personen mit Westdeutschland. Für die Gesamtstichprobe zeigte sich, dass Westdeutsche als kompetenter wahrgenommen werden. Unter Berücksichtigung der nationalen Identität änderte sich die Wahrnehmung der einzelnen Gruppen. Daher sollten in Studie 2 (N = 333; Alter MW = 24.32; SD = 3.97) und Studie 3 (N = 501; Alter MW = 25.77; SD = 4.32) die Auswirkungen der nationalen Identifikation auf die Wahrnehmung von ost- bzw. westdeutschen Einzelpersonen experimentell untersucht werden. Die Versuchspersonen lasen jeweils eine ost- bzw. westdeutsche Personenbeschreibung. Dabei wurde in Studie 2 neben der Herkunft der Person auch zwischen den beschriebenen Eigenschaften (warm/kompetent) in der Personenbeschreibung variiert, wohingegen in Studie 3 neben der Herkunft die Relevanz (keine/niedrig/hoch) der beschriebenen Person variiert wurde. Relevanz bedeutete in diesem Kontext, wie wichtig die beschriebene Person hypothetisch für die Versuchsperson ist. Es zeigte sich, dass bei der Bewertung von west- und ostdeutschen Einzelpersonen kein Einfluss der nationalen Identifikation vorliegt. Nach der Untersuchung des Einflusses der nationalen Identifikation wurde im zweiten Themenfeld explizit die nationale Identifikation der Nachwendegeneration untersucht. In Studie 4 wurden sechs qualitative Interviews mit Personen geführt, welche entweder mit ostdeutschen, westdeutschen oder mit ost- und westdeutschen Hintergründen aufgewachsen sind. Dabei zeigte sich, dass ostdeutsche Personen der Nachwendegeneration sich als ostdeutsch, westdeutsche Personen sich als deutsch identifizierten und bei Personen mit ost- und westdeutschem Hintergrund die nationale Identifikation nicht eindeutig war. Die interviewten Personen mit ostdeutschem sowie mit ost- und westdeutschem Hintergrund hatten sich zudem zum Zeitpunkt der Interviews bereits intensiv mit ihrer nationalen Identität auseinandergesetzt. Nach diesen Ergebnissen wurde in Studie 5 ausschließlich die ostdeutsche Identifikation betrachtet. Auf Basis der Terror Management Theory (Greenberg et al., 1986) und der Identity Threat Theory (Petriglieri, 2011) wurde untersucht, ob die Identifikation mit Ostdeutschland von der politischen Einstellung abhängt. Die Analyse von 199 Teilnehmenden (Alter MW = 22.96; SD = 3.84) zeigte, dass je politisch rechter eine ostdeutsche Person eingestellt ist, desto stärker identifiziert sie sich als ostdeutsch. Allerdings wurde entgegen den Hypothesen bei Bedrohung der ostdeutschen Identität über alle Personen hinweg – unabhängig von der politischen Orientierung – eine geringere ostdeutsche Identität gefunden als in der Kontrollgruppe. Politisch linke Personen disidentifizierten sich bei Bedrohung stärker von Ostdeutschen als politisch rechte Personen. Das dritte Themenfeld umfasste zwei weitere Studien, welche in Vietnam mit der vietnamesischen Nachwendegeneration durchgeführt wurden. In Studie 6 schätzten 395 Personen (Alter MW = 19.15; SD = 1.04) die Wärme und Kompetenz von verschiedenen Gruppen (jüngere, ältere, gesamt) aus Nord- und Südvietnam ein. Insgesamt wurden Nordvietnames:innen als kompetenter, Südvietnames:innen als wärmer wahrgenommen. Ähnlich wie in Deutschland änderte sich die Wahrnehmung der einzelnen Gruppen unter Berücksichtigung der nationalen Identität. In Studie 7 wurden qualitative Interviews mit sechs Personen (drei aus Nordvietnam, drei aus Südvietnam) durchgeführt. Dabei bestätigten sich die Ergebnisse der vorherigen Studie: Nordvietnames:innen wurde als intelligenter, Südvietnames:innen als kontaktfreudiger beschrieben. In den Interviews wurden weiterhin in Vietnam angewandte Strategien für eine erfolgreiche Wiedervereinigung genannt. Die durchgeführten Studien verdeutlichen, dass der Prozess der deutschen Wiedervereinigung noch nicht abgeschlossen ist und stellen die Bedeutsamkeit der Nachwendegeneration heraus. Die gefundenen Ergebnisse werden unter Berücksichtigung von sozialpsychologischen Theorien diskutiert und es werden Handlungsimplikationen für die Zukunft abgeleitet.
- Freie Schlagwörter (DE)
- Soziale Identität, Stereotype Content Model, Wiedervereinigung, Ost- und Westdeutschland, Vietnam
- Klassifikation (DDC)
- 150
- Normschlagwörter (GND)
- Soziale Identität, Wiedervereinigung
- GutachterIn
- Prof. Dr. Frank Asbrock
- Prof. Dr. Mathias Kauff
- BetreuerIn Hochschule / Universität
- Prof. Dr. Frank Asbrock
- Den akademischen Grad verleihende / prüfende Institution
- Technische Universität Chemnitz, Chemnitz
- Version / Begutachtungsstatus
- angenommene Version / Postprint / Autorenversion
- URN Qucosa
- urn:nbn:de:bsz:ch1-qucosa2-1055246
- Veröffentlichungsdatum Qucosa
- 01.07.2026
- Dokumenttyp
- Dissertation
- Sprache des Dokumentes
- Deutsch
- Lizenz / Rechtehinweis
CC BY 4.0- Inhaltsverzeichnis
1 EINLEITUNG 2 AKTUELLER FORSCHUNGSSTAND 2.1 UNTERSUCHUNGEN ZU OST- UND WESTDEUTSCHLAND MIT FOKUS AUF DER NACHWENDEGENERATION 2.2 BESONDERHEITEN DER NACHWENDEGENERATION 3 THEORETISCHE GRUNDLAGEN 3.0 CHECK-IN 3.1 SOZIALE IDENTITÄT 3.2 NATIONALE IDENTITÄT 3.3 INGROUP PROJECTION MODEL 3.4 DUALE IDENTITÄTEN 3.5 STEREOTYPE CONTENT MODEL 4 FRAGESTELLUNG UND FORSCHUNGSZIELE 5 UNTERSUCHUNG DER EINSTELLUNGEN ZU OST- UND WESTDEUTSCHLAND 5.0 BOARDING COMPLETED 5.1 FORSCHUNGSZIELE UND HYPOTHESEN 5.2 METHODE 5.2.1 STICHPROBE UND ABLAUF 5.2.2 MESSINSTRUMENTE UND AUFBAU DES FRAGEBOGENS 5.3 ERGEBNISSE 5.3.1 DESKRIPTIVE ERGEBNISANALYSE 5.3.2 HYPOTHESENPRÜFENDE ANALYSEN 5.3.3 EXPLORATIVE ANALYSEN 5.4 DISKUSSION 6 WAHRNEHMUNG VON OST- UND WESTDEUTSCHEN EINZELPERSONEN UNTER BERÜCKSICHTIGUNG DER NATIONALEN IDENTIFIKATION 6.1 FORSCHUNGSZIELE UND HYPOTHESEN 6.2 METHODE 6.2.1 STICHPROBE UND DESIGN 6.2.2 MESSINSTRUMENTE 6.2.3 AUFBAU DES FRAGEBOGENS 6.3 ERGEBNISSE 6.3.1 DESKRIPTIVE ERGEBNISANALYSE 6.3.2 HYPOTHESENPRÜFENDE ANALYSEN 6.3.3 EXPLORATIVE ANALYSEN 6.4 DISKUSSION 7 WAHRNEHMUNG VON OST- UND WESTDEUTSCHEN PERSONENBESCHREIBUNGEN MIT VARIABLER BEDEUTSAMKEIT 7.1 REFLEXION DER BISHERIGEN STUDIEN 7.2 FORSCHUNGSZIEL 7.3 HYPOTHESEN 7.4 METHODE 7.4.1 STICHPROBE UND DESIGN 7.4.2 ENTWICKLUNG DER UNABHÄNGIGEN VARIABLEN 7.4.3 MESSINSTRUMENTE UND AUFBAU DES FRAGEBOGENS 7.5 ERGEBNISSE 7.5.1 DESKRIPTIVE ERGEBNISANALYSE 7.5.2 HYPOTHESENPRÜFENDE ANALYSEN 7.5.3 EXPLORATIVE ANALYSEN 7.6 DISKUSSION 8 INTERVIEWS ZUR SOZIALEN IDENTITÄT 8.0 SEAT 11B: WEDER AISLE NOCH WINDOW 8.1 THEORETISCHE VERTIEFUNG 8.1.1 SITUATIONSTHESE VS. SOZIALISATIONSTHESE 8.1.2 KONTAKTHYPOTHESE 8.2 FORSCHUNGSZIELE UND HYPOTHESEN 8.3 METHODIK 8.3.1 STICHPROBENBESCHREIBUNG UND ABLAUF DER INTERVIEWS 8.3.2 ANALYSEMETHODIK 8.3.3 KODIERUNG 8.3.4 GÜTEKRITERIEN 8.4 AUSWERTUNG UND ERGEBNISSE 8.4.1 BESCHREIBUNG DER TEILNEHMENDEN 8.4.2 FRAGEBLOCK 1: SOZIALISATION 8.4.3 FRAGEBLOCK 2: SOZIALE IDENTITÄT 8.4.4 FRAGEBLOCK 3: ENTWICKLUNG DER SOZIALEN IDENTITÄT IM BEREICH NATIONALITÄT 8.4.5 ERGÄNZENDE INDUKTIVE ANALYSEN 8.5 FAZIT 9 VARIABILITÄT DER OSTDEUTSCHEN IDENTIFIKATION BEI BEDROHUNG IN ABHÄNGIGKEIT VON DER POLITISCHEN EINSTELLUNG 9.0 TURBULENZEN 9.1 THEORETISCHE VERTIEFUNG 9.1.1 TERROR MANAGEMENT THEORY 9.1.2 IDENTITY THREAT THEORY 9.2 FORSCHUNGSZIELE UND HYPOTHESEN 9.3 METHODE 9.3.1 STICHPROBE UND DESIGN 9.3.2 ABLAUF DES EXPERIMENTS UND MESSINSTRUMENTE 9.4 ERGEBNISSE 9.4.1 DESKRIPTIVE ERGEBNISANALYSE 9.4.2 HYPOTHESENPRÜFENDE ANALYSEN 9.4.3 EXPLORATIVE ANALYSEN 9.5 DISKUSSION 10 INTERKULTURELLER VERGLEICH VON OST- UND WESTDEUTSCHLAND MIT NORD- UND SÜDVIETNAM 10.0 ARRIVAL 10.1 ENTWICKLUNG VON VIETNAM 10.1.1 GESCHICHTE VIETNAMS 10.1.2 AKTUELLE UNTERSCHIEDE ZWISCHEN NORD- UND SÜDVIETNAM 10.1.3 KULTURVERGLEICHENDE BETRACHTUNG DER AUSWIRKUNGEN DER TEILUNG UND WIEDERVEREINIGUNG IN VIETNAM UND DEUTSCHLAND 10.2 STUDIE 1: REPLIKATION DER DEUTSCHEN SCM-STUDIE 10.2.1 FORSCHUNGSZIELE UND HYPOTHESEN 10.2.2 METHODE 10.2.3 ERGEBNISSE 10.2.4 FAZIT DER ERGEBNISAUSWERTUNG 10.3 STUDIE 2: INTERVIEWS MIT DER VIETNAMESISCHEN NACHWENDEGENERATION 10.3.1 FORSCHUNGSZIEL 10.3.2 METHODE 10.3.3 ERGEBNISSE 10.3.4 FAZIT DER ERGEBNISAUSWERTUNG 10.4 DISKUSSION DER IN VIETNAM DURCHGEFÜHRTEN STUDIEN 11 ALLGEMEINE DISKUSSION 11.1 ZUSAMMENFASSUNG DER ERGEBNISSE 11.2 DISKUSSION IM THEORETISCHEN KONTEXT 11.3 LIMITATIONEN UND AUSBLICK 11.4 SCHLUSSFOLGERUNGEN LITERATURVERZEICHNIS ANHANG EIDESSTATTLICHE ERKLÄRUNG