- AutorIn
- Kathrin Fucke Technische Universität Chemnitz
- Titel
- Need for Cognition im Kontext des Klimawandels und der sozialen Wahrnehmung politischer Akteure
- Zitierfähige Url:
- https://nbn-resolving.org/urn:nbn:de:bsz:ch1-qucosa2-1067367
- Datum der Einreichung
- 08.04.2026
- Datum der Verteidigung
- 25.08.2026
- DOI
- https://doi.org/10.60687/2026-164
- Abstract (DE)
- In demokratischen Gesellschaften nehmen Individuen eine doppelte Rolle ein. Sie sind Empfangende politischer Botschaften und wirken zugleich an gesellschaftspolitischen Aushandlungsprozessen mit. Das setzt voraus, dass sie Informationen aufnehmen, abwägen und reflektierte Urteile bilden. Need for Cognition (NFC), die Freude am Denken und die Bereitschaft zur elaborierten Informationsverarbeitung, könnte dabei eine Ressource darstellen. Das Ziel dieser Dissertation war es, NFC in Zeiten gesellschaftlicher Herausforderungen zu untersuchen − im Kontext des Klimawandels und der sozialen Wahrnehmung politischer Akteure. Angesichts der bislang begrenzten Forschung in diesen Bereichen wurde NFC in einem Netzwerk aus moralischen (moralische Achtsamkeit, Ungerechtigkeitssensibilität), ideologischen (links- und rechtsgerichteter Autoritarismus), selbstregulativen (Selbstkontrolle, Impulsivität) und affektiven Dispositionen (Need for Affect) betrachtet. Vier querschnittliche Studien mit Replikationsdesign im Klimakontext sowie vier Datensätze im Politikkontext bildeten die empirische Grundlage. Die Daten wurden mittels Korrelations-, Moderations-, Mediations- sowie Mehrebenenanalysen ausgewertet und durch Mini-Metaanalysen und Äquivalenztests ergänzt. Die Untersuchungen Klima 1 und Klima 2 verglichen NFC mit moralischen, ideologischen und selbstregulativen Dispositionen sowie deren Zusammenhängen mit Umweltkognition, Umweltverhalten und Umweltaffekt. Konvergierende Evidenz beider Untersuchungen zeigte, dass NFC im Klimakontext insbesondere verhaltensbezogene Effekte hat. Das manifestierte sich über mehrere Ebenen: als direkter und vermittelter Prädiktor sowie als Moderator. Moralische und ideologische Dispositionen waren tendenziell stärker mit kollektivem Umweltverhalten assoziiert, NFC hingegen mit individuellem Umweltverhalten. NFC stand über die reflektierende moralische Achtsamkeit mit Umweltkognition, Umweltaffekt und Klimaangst in Beziehung, die wiederum das Umweltverhalten vorhersagten. Darüber hinaus zeigte sich ein indirekter Pfad über die Beobachter:innen- und Nutznießer:innensensibilität auf das Umweltverhalten. Als Moderator verstärkte NFC moralische und ideologische Dispositionseffekte auf das Umweltverhalten, unabhängig von ihrer Richtung. Die Zusammenhänge von NFC mit dem Umweltaffekt gestalteten sich differenzierter. Auf bivariater Ebene zeigten sich positive Zusammenhänge mit dem weit gefassten Umweltaffekt, jedoch nicht mit den klimaspezifischen Affekten Klimaangst. und Klimazuversicht. In Regressionsmodellen traten unter Kontrolle ideologischer sowie selbstregulatorischer Dispositionen positive Zusammenhänge mit Klimaangst zutage, wohingegen Modelle mit moralischen Dispositionen diesen Befund nicht reproduzierten. Die Moderationseffekte deuten zudem darauf hin, dass NFC die Zusammenhänge zwischen moralischen und ideologischen Dispositionen und Umweltaffekten sowohl verstärken als auch abschwächen kann. Die Untersuchungen Politik 1 und Politik 2 verglichen NFC mit Need for Affect sowie Autoritarismus, ideologischen und medialen Faktoren und prüften Theorien der sozialen Wahrnehmung, der motivierten Kognition und der Spatial Voting Theory. Anhand von Datensätzen aus 2009, 2013 und 2017 wurden zwei- und dreidimensionale sowie dimensionsübergreifende Ansätze der sozialen Wahrnehmung und affektive Bewertungen von Politiker:innen und Parteien untersucht. Beide Untersuchungen deuten darauf hin, dass NFC nicht mit der sozialen Wahrnehmung individueller Politiker:innen in Zusammenhang steht. Darüber hinaus waren sowohl NFC als auch Need for Affect jeweils positiv mit dem normativen Konsensprofil assoziiert, was auf ein geteiltes Verständnis von Eigenschaften politischer Akteure hindeutet. Ideologische Nähe und Mediennutzung erwiesen sich konsistent als positive Prädiktoren von politischen Bewertungen. Autoritarismus zeigte polarisierende Muster über das Links-Rechts-Spektrum, während NFC selektiv mit negativen Bewertungen von Parteien im Mitte-rechts bis rechten Spektrum zusammenhing. Die Befunde verweisen auf universelle Mechanismen der ideologischen Nähe und Mediennutzung sowie parteispezifische, dispositionelle Effekte. Die geprüften Theorien fanden nur teilweise Unterstützung und bedürfen einer Aktualisierung. Kontextübergreifend zeigte sich, dass NFC als Ressource fungieren kann. Im Klimakontext stand es direkt, vermittelt über moralische Dispositionen und als Verstärker von Dispositionen, mit Umweltverhalten in Zusammenhang. Im politischen Kontext erwies sich NFC als Ressource für eine normativere sowie differenziertere Wahrnehmung politischer Akteure. Jedoch unterschied sich seine Bedeutung: Während NFC im Klimakontext eine zentrale Rolle einnahm, waren die Effekte im Politikkontext selektiver und schwächer. Das könnte damit zusammenhängen, dass der Klimawandel eine neuere gesellschaftliche Herausforderung darstellt. Wo weniger etablierte Normen existieren, könnten individuelle Dispositionen stärker zum Tragen kommen. Zugleich zeigten die Befunde, dass NFC auch eine Barriere darstellen könnte, etwa, wenn es die negativen Effekte des rechtsgerichteten Autoritarismus verstärkt. Eine Förderung von NFC sollte Strategien beinhalten, die nicht nur die elaborierte Informationsverarbeitung unterstützen, sondern auch die Richtung des Denkens erweitern.
- Freie Schlagwörter (DE)
- Klimawandel, soziale Wahrnehmung
- Need for Cognition
- Klassifikation (DDC)
- 150
- Normschlagwörter (GND)
- Persönlichkeit, Soziale Wahrnehmung
- GutachterIn
- Prof. Dr. Anja Strobel
- Prof. Dr. Frank Asbrock
- BetreuerIn Hochschule / Universität
- Prof. Dr. Anja Strobel
- Den akademischen Grad verleihende / prüfende Institution
- Technische Universität Chemnitz, Chemnitz
- Version / Begutachtungsstatus
- angenommene Version / Postprint / Autorenversion
- URN Qucosa
- urn:nbn:de:bsz:ch1-qucosa2-1067367
- Veröffentlichungsdatum Qucosa
- 02.09.2026
- Dokumenttyp
- Dissertation
- Sprache des Dokumentes
- Deutsch
- Lizenz / Rechtehinweis