- Titel
- Pflege als Problem, Technik als Lösung? Kritische Positionen und neue Methoden für das Co-Design mit pflegenden Angehörigen
- Zitierfähige Url:
- https://nbn-resolving.org/urn:nbn:de:bsz:ch1-qucosa2-959052
- Erstveröffentlichung
- 2025
- DOI
- https://doi.org/10.60687/2025-0036
- Abstract (DE)
- Wenn es um unbezahlte Pflegearbeit geht, ist von Krisen, Wellen, und Notständen die Rede. Dabei ist die prekäre Situation, in der sich pflegende Angehörige befinden, weder neu noch unbekannt. Die Diskussion einer möglichen Lösung hat sich in den vergangenen Jahren allerdings verschoben, weg von strukturellen Problemen hin zu technischen Erleichterungen für die Pflege. Wenn immer mehr zu Pflegende von immer weniger Menschen gepflegt werden müssten, wäre Technik da nicht eine Lösung, so lautet die Hypothese – Die in den vergangenen zwei Jahrzehnten eine große Menge öffentlicher Gelder für die Entwicklung von Robotern und weiterer digitaler Technik motiviert hat. Es fällt jedoch auf, dass der »Pflegenotstand«, so ihm mit Technik begegnet werden soll, mindestens zwei blinde Flecken hat, die dieses Heft und die ihm zugrunde liegende Forschung in den Blick nimmt. Zum einen ist da die grundlegende Frage, unter welchen Bedingungen Technik überhaupt zur Lösung für häusliche Pflegenetzwerke werden kann und soll. Schon an der Tatsache, dass die allermeisten Technikentwicklungen immer noch die stationäre Pflege betreffen, während 80 Prozent der Pflegesituationen im Zuhause stattfinden, zeigt, dass hier eher ausgetretene Pfade fortgesetzt, als tatsächlich neue Lösungen entwickelt werden. Und auch fällt eine große Lücke auf, die ungleich schwerer zu beheben ist als oberflächliche Innovationsversprechen: Die Menschen, um die es geht, die diese prekäre Situation täglich erleben, kommen zu wenig zu Wort und werden zu wenig gehört. Und das passiert, obwohl Forschende gezielt für diese Menschen und ihre Probleme arbeiten wollen. Die Wucht, mit der der Zeit- und Kraftnotstand die pflegenden Angehörigen trifft, ist enorm. Es braucht ungleich mehr Zeit und Vorbereitung, um vom Alltag pflegender Angehöriger in ein Forschen und Entwickeln auf Augenhöhe zu kommen. Die Zeitschienen von Forschung und Entwicklung sind so privilegiert, dass sie nicht direkt mit der Lebenswelt pflegender Angehöriger kompatibel sind. Als wir das erkannt haben, entschieden wir uns für dieses Heft. Es ist keine Hochglanzbroschüre fertiger Konzepte und abgeschlossener Lösungen, sondern eine gestalterische Intervention, die sich an Betroffene, Forschende und Förderer gleichermassen richtet: Wenn Technik als Lösung für Pflege gerahmt wird, ist Vorsicht geboten! Das Heft will die Aufmerksamkeit dafür schärfen, Beiträge zu den blinden Flecken der Technikentwicklung für Pflegesituationen bieten, und als Gesprächsanlass dienen, damit der argumentative Kurzschluss »Pflege = Krise und Technik = Lösung« hinterfragt werden kann. In diesem Heft haben wir dazu Forschungsergebnisse, Rezensionen, Betroffenenberichte und neue methodische Ansätze versammelt, die geeignet sind, es besser zu machen. Wir wünschen uns, dass dieses Heft Betroffene und Akteur:innen im Feld (häuslicher) Pflege und Technik stärkt, diese Widersprüche wahrzunehmen und anzusprechen — und handlungsfähig zu werden.
- Freie Schlagwörter (DE)
- Partizipation, Pflege, häusliche Pflege, informelle Pflege, Pflegende Angehörige, transformative Forschung, partizipative Methoden
- Klassifikation (DDC)
- 301
- 701
- Normschlagwörter (GND)
- Partizipation, Forschungsprojekt
- HerausgeberIn
- Jun.-Prof. Dr. Andreas Bischof
- RedakteurIn
- Jun.-Prof. Dr. Andreas Bischof
- Sascha Kaden
- Saskia Schmidt
- Sofie Götz
- Laureen Sieber
- Herausgeber (Institution)
- Technische Universität Chemnitz, Chemnitz
- Version / Begutachtungsstatus
- publizierte Version / Verlagsversion
- URN Qucosa
- urn:nbn:de:bsz:ch1-qucosa2-959052
- Veröffentlichungsdatum Qucosa
- 17.04.2025
- Dokumenttyp
- Zeitschriftenheft / Teil eines Periodikums
- Sprache des Dokumentes
- Deutsch
- Lizenz / Rechtehinweis
CC BY-SA 4.0